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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.
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22. Schmerzwahrnehmung und Grenzen der Körperinstrumentalisierung

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22.1 Schmerz und Körperwahrnehmung

Unsere Zivilisation bewegt sich im Spannungsfeld von Lustmaximierung und Unlustvermeidung, von Glücksstreben und Begierdesteigerung, von Wünschbarem und Erträumten. Dies alles ist zentriert auf die Vermeidung von Mangel und Schmerz. So ist es nur konsequent, dass sich die moderne Schmerztherapie um einen möglichst schmerzfreien Körperumgang bemüht, ja auf möglichst maximale Schmerzvermeidung zentriert ist, und, ist dies nicht zu erreichen, um eine möglichst rasche Beseitigung von Schmerzen. Man will sich folglich per Sport möglichst schmerzfrei schön trainieren und schmerzfrei schön stark sein. Der Buchtitel „Ein starker Körper kennt keinen Schmerz“1 ist daher in seiner Doppeldeutigkeit Programm. Man will schmerzfrei werden, in dem man sich schmerzfrei trainiert; man will sich schmerzfrei trainieren, damit der Körper noch effizienter, noch schöner, noch gesünder, noch glücklicher ist und das heißt in der Konsequenz möglichst frei von jeglichem Schmerz und Gefühl erfolgreich funktioniert (bei der Verletzung des Anderen). Dahinter steckt nicht nur der Grundirrtum der Moderne, dass Gesundheit das möglichst vollkommene Freisein von Schmerzen sei, das Überleben survival of fittest and prettiest ist, sondern auch die Utopie des total schmerzfreien Körpers, die der Vorstellung von der „ewigen Glückseligkeit“ im möglichst vollkommenen Vorsorgestaat entspricht. Was aber ist Glück im Vorsorgestaat? – Schmerzfrei und schadlos allen Lüsten zu frönen, nicht zu arbeiten und doch Konsumieren zu können. Man will von jeder Sorge und...

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