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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.
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23. Angstlust

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Schmerz macht Leiden, bereitet uns Trauer, macht Angst. Die Trauer sehnt sich nach dem Vergangenem, Untergegangenem; das Sehnen schmerzt durch Verlusterfahrung und Aussichtslosigkeit auf Wiederkehr und Erfüllung des Erhofften.

In der Hoffnung wird der Schmerz aufgehoben, in dem im Verlustschmerz das Positiv-Mögliche instinktiv-geahnt wird. Hoffnung ist optimistischer Aufstiegsschmerz, Angst ist pessimistischer Niedergangsschmerz. In der Hoffnung gebären wir in Furcht und Schmerz, sie ist Geburtlichkeit, Ausdruck wachsenden, werdenden, aufblühenden Lebens, Wille zum Leben. Angst ist Niedergangsschmerz, die Stimmung tödlicher Endlichkeit, Todeszentriertheit, Ausdruck endgültigen Zerfalls, der Krankheit zum Tode, der Wille zum Tod. Der Schmerz bleibt in der Angst als Krankheits- und Todesschmerz bei sich, er ist melancholisch, die Trauer bleibt in sich stehen. Der Schmerz ist in der Hoffnung Werdeschmerz, er ist Geburt- und Über-Lebensschmerz, der seine Trauer überwindet, der sich transzendiert.

Der Schmerz ist ein physisches, psychisches und metaphysisches Phänomen. Es geht in ihm um den höheren Sinn des psycho-physischen Leidens, auch wenn der Schmerz im Zeitalter seiner religiösen Entbindung metaphysisch sinnlos erscheint.

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