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Die Neue Türkei

Eine grundlegende Einführung in die Innen- und Außenpolitik unter Recep Tayyip Erdoğan

Yunus Yoldaş, Burak Gümüș and Wolfgang Gieler

Dieser Sammelband bietet einen umfassenden Einblick in das Wesen der «Neuen Türkei». Die seit 2002 ununterbrochen regierende moderat-islam(ist)ische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung und ihr damaliger Anführer und heutiger Staatspräsident Erdoğan haben den innen- und außenpolitischen Wandel der Türkei vorangetrieben und selbstbewusst die «Neue Türkei» proklamiert. Allerdings weicht die anfängliche Euphorie der Ernüchterung. Der EU-Beitrittsprozess steckt fest, während Vorwürfe über autoritäre Tendenzen, Korruption, Einmischung in die Privatsphäre, Reislamisierung der Innen- und Außenpolitik lauter werden. Experten aus Deutschland und der Türkei liefern in diesem Sammelband kritische Einblicke in die Innen- und Außenpolitik des sich im Umbau befindlichen Landes und erläutern sowohl Errungenschaften als auch Probleme der türkischen Transformationsgesellschaft.
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Die neue Diasporapolitik der neuen Türkei

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1.  Vorbemerkung

Seit über fünfzig Jahren wird die Türkei als ein Auswanderungsland bezeichnet. Der Prozess der Arbeitsmigration, in dessen Rahmen türkische Arbeitnehmer zunächst nach Deutschland, später in weitere westeuropäische Länder auswanderten, hat die Konsequenz, dass eine zahlenmäßig große türkische Gruppe, die sich permanent in den Aufnahmeländern niedergelassen hat, heute immer noch für Gesprächsstoff in Europa sorgt. Die anfangs ledig-männliche und junge türkische Arbeitnehmerschaft blieb dort, wo sie angeworben wurde, und holte schließlich Familienangehörige nach oder gründete im Laufe der Zeit Familien in den neuen Heimatländern. Heute sind Türken mit Migrationshintergrund, wie diese Gruppe in der Öffentlichkeit genannt wird, fast in allen Lebensbereichen und Berufen vertreten, und sie fühlen sich zum größten Teil in Einwanderungsgesellschaften zuhause.

Die Türkei hatte vor 1961 überhaupt keine Emigrationserfahrung und genauso keine Erfahrung des Umgangs mit ihren Landsleuten im Ausland. Genau das Gegenteil ist der Fall: Seit über 250 Jahren gab es immer wieder Zuwanderungswellen in die Türkei und keine wesentliche Auswanderung ins Ausland. Vom 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert, also bis zum Kollaps des Osmanischen Reiches, wanderten türkisch-muslimische Bürger des Reiches aus den verlorenen Territorien zurück in das türkische Kernland. Diese Rückwanderer stammten aus dem Balkan, dem Nahen Osten bzw. aus dem Kaukasus und der Krim. Das 19. Jahrhundert beschleunigte den Niedergang des Osmanischen Reiches. Folglich häuften...

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