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Die Neue Türkei

Eine grundlegende Einführung in die Innen- und Außenpolitik unter Recep Tayyip Erdoğan

Yunus Yoldaş, Burak Gümüș and Wolfgang Gieler

Dieser Sammelband bietet einen umfassenden Einblick in das Wesen der «Neuen Türkei». Die seit 2002 ununterbrochen regierende moderat-islam(ist)ische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung und ihr damaliger Anführer und heutiger Staatspräsident Erdoğan haben den innen- und außenpolitischen Wandel der Türkei vorangetrieben und selbstbewusst die «Neue Türkei» proklamiert. Allerdings weicht die anfängliche Euphorie der Ernüchterung. Der EU-Beitrittsprozess steckt fest, während Vorwürfe über autoritäre Tendenzen, Korruption, Einmischung in die Privatsphäre, Reislamisierung der Innen- und Außenpolitik lauter werden. Experten aus Deutschland und der Türkei liefern in diesem Sammelband kritische Einblicke in die Innen- und Außenpolitik des sich im Umbau befindlichen Landes und erläutern sowohl Errungenschaften als auch Probleme der türkischen Transformationsgesellschaft.
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Transnationale Migration zwischen Deutschland und der Neuen Türkei

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1.  Einleitung

Die deutsch-türkischen Beziehungen hatten ihre erste große Schicksalspartnerschaft als Mittelmächte im Ersten Weltkrieg 1914–1918. Die Aufnahme von durch das NS-Regime Verfolgten im Zweiten Weltkrieg in der Republik Türkei, die durch das 1961 unterzeichnete Anwerbeabkommen1 entsendenden türkischen Arbeitskräfte und die seit dem Jahr 2000 begonnene transnationale Migration sind wesentliche Ereignisse, die dieses partnerschaftliche Verhältnis nun seit über 100 Jahren vertiefen. Nach dem Inkrafttreten des Anwerbeabkommens 1964 sind Menschen aus unterschiedlichen Gründen aus der Türkei nach Deutschland, zunächst temporär, eingewandert. Dazu gehören Arbeitskräfte und Angehörige über die Familienzusammenführung, politische Flüchtlinge, Kulturschaffende, Wissenschaftler, Sportler oder Unternehmer. Dieses Beziehungsgeflecht wurde durch die transnationale Migration weiter gefestigt, indem nachkommende Generationen ehemaliger Arbeitsmigranten in das Herkunftsland ihrer Eltern abwandern und Teile von ihnen erneut in ihr Geburts- und Sozialisationsland Deutschland zurückziehen. Somit hat sich die über die Jahrzehnte in eine Richtung konzentrierte deutsch-türkische Migrationsform verändert und an die internationalen Migrationsformen angepasst. Unter den Zweit- und Drittgenerationsangehörigen ehemaliger Gastarbeiter steigt unterdessen der Trend einer temporären oder dauerhaften Migrationsform mit dem Ziel Türkei an. Die eingeleiteten Strukturreformen nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2000 und die konsequente Umsetzung der Nachfolgeregierungen haben sukzessive zu einer positiven Wirtschaftsentwicklung geführt, die eine große Sogwirkung besonders für gut qualifizierte Türkeistämmige aus Europa auslöste.

In Deutschland als Entsendeland wird dieser neue Migrationstrend vordergründig aus der Perspektive...

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