Show Less
Restricted access

Die Neue Türkei

Eine grundlegende Einführung in die Innen- und Außenpolitik unter Recep Tayyip Erdoğan

Edited By Yunus Yoldaş, Burak Gümüș and Wolfgang Gieler

Dieser Sammelband bietet einen umfassenden Einblick in das Wesen der «Neuen Türkei». Die seit 2002 ununterbrochen regierende moderat-islam(ist)ische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung und ihr damaliger Anführer und heutiger Staatspräsident Erdoğan haben den innen- und außenpolitischen Wandel der Türkei vorangetrieben und selbstbewusst die «Neue Türkei» proklamiert. Allerdings weicht die anfängliche Euphorie der Ernüchterung. Der EU-Beitrittsprozess steckt fest, während Vorwürfe über autoritäre Tendenzen, Korruption, Einmischung in die Privatsphäre, Reislamisierung der Innen- und Außenpolitik lauter werden. Experten aus Deutschland und der Türkei liefern in diesem Sammelband kritische Einblicke in die Innen- und Außenpolitik des sich im Umbau befindlichen Landes und erläutern sowohl Errungenschaften als auch Probleme der türkischen Transformationsgesellschaft.
Show Summary Details
Restricted access

Minderheiten in der Türkei – Eine kritische Bestandsaufnahme

Extract



Vor einigen Jahren erregten gleich mehrere Morde an Christen in der Türkei weit über die Landesgrenzen hinaus Aufsehen und riefen große Bestürzung hervor: Im Februar 2006 wurde der katholische Priester Andrea Santoro in seiner Kirche in Trabzon umgebracht, im Januar 2007 der armenischstämmige Journalist Hrant Dink auf offener Straße vor seinem Büro in Istanbul erschossen und im April 2007 drei als „Missionaren“ verunglimpfte Christen im mittelanatolischen Malatya gefoltert und anschließend ermordet. Diese Morde sind Beispiele dafür, was Angehörige religiöser Minderheiten in der Türkei im Extremfall zu befürchten haben. Nach Lesart des türkischen Staates könnte man sie als Einzelfälle abtun, als Taten extremistischer und fanatisch-verwirrter Jugendlicher bzw. junger Erwachsener. Doch damit würde man es sich zu einfach machen. Denn im Anschluss an diese Morde konnten in Izmir, Samsun, Diyarbakir, Antalya und Ankara weitere geplante Mordanschläge auf christliche Geistliche gerade noch vereitelt werden. Das letzte christliche Mordopfer war dann Anfang Juni 2010 im eigentlich als weltoffen geltenden Iskenderun zu beklagen: der katholische Bischof Luigi Padovese.1 Bei genauerer Betrachtungsweise lässt sich in der Zusammenschau der Mordanschläge ein gewisses Muster erkennen: Die Taten wurden allesamt von militanten nationalistischen Jugendlichen muslimischen Glaubens – meist minderjährig und nie älter als 19 Jahre – begangen, die ausnahmslos enge Verbindungen zu bekannten ultra-nationalistischen Gruppen hatten. Alle Täter wähnten sich in dem Glauben, dass ihre Tat eine Heldentat im Dienste des Vaterlandes sei, für das sie...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.