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Der «Koerber-Plan»

Wirtschaftspolitik als Integrationsfaktor für die Nationalitäten des Habsburgerreichs- Die Regierungszeit Ernest von Koerbers 1900-1904 aus wirtschaftlicher Perspektive

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Eibe Hinrichs

Der Wirtschaftsplan des von 1900 bis 1904 regierenden österreichischen Ministerpräsidenten Ernest von Koerber (1850-1919) ist ein Thema europäischer Dimensionen. Die Konzeptionen des Koerber-Plans wurden seinerzeit als die kühnsten und weitreichendsten Vorhaben in der Geschichte der Doppelmonarchie bezeichnet. Die gesellschaftliche Ebene ist vor allem im Hinblick auf die politischen Auseinandersetzungen zu bewerten und wird im Kontext der sozialen und wirtschaftlichen Spannungen, die der Koerber-Plan zu reduzieren suchte, deutlich. Koerber versuchte durch sein Wirtschaftsprogramm den bisher vernachlässigten Wirtschaftsbereichen der Habsburgermonarchie einen Aufschwung zu geben, in dessen Folge nicht nur der allgemeine Wohlstand gehoben, sondern auch der Nationalitätenstreit eingedämmt werden sollte. Das Ziel des Koerber-Plans war die wirtschaftliche Verbesserung der Lebensumstände für die vielen Nationalitäten innerhalb der Doppelmonarchie. Die These lautete, dass keine Nationalität das Habsburgerreich verlassen werde, wenn die wirtschaftliche Situation aller Bürgerinnen und Bürger dies nicht rechtfertige. Ein Ziel, das auch in der Gegenwart vielfach im Rahmen der Europäischen Union genannt wird.
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2. Der historische Kontext Österreichs im ausgehenden 19. Jahrhundert

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2. Der historische Kontext Österreichs im ausgehenden 19. Jahrhundert

2.1 Die Stellung des österreichischen Kaiserhauses zu den Habsburger Nationen im 19. Jahrhundert

Die österreichische Politik war durch mehrere Ereignisse im 19. Jahrhundert schwer erschüttert worden. Schien der Wiener Kongress (1815) noch auf eine mögliche Wiederherstellung früherer Zustände hinzuweisen, so zeigte die Revolution im Jahre 1848/49, die Niederlage von Königgrätz gegen Preußen (1866), die Ausgleichsverhandlungen mit Ungarn (1867), die Weltwirtschaftskrise (1873) Eruptionen auf, die richtungsweisend für die politische und auch wirtschaftliche Entwicklung Österreichs sein sollten.

Bestimmend in diesem Jahrhundert war letztlich der Monarch – Franz Joseph I. – selbst, der vielfach noch dem absolutistischen Denken verhaftet war und für Neuerungen wenig übrig zu haben schien.131 Kaiser Franz Joseph neigte aufgrund seiner Erziehung und Herkunft den Ideen der Gegenrevolution zu, die ergänzt wurden durch eine politische Romantik, welche durch monarchische Alleinherrschaft und damit der Fähigkeit geprägt war, Völker und Länder unter einer Krone zusammenzuhalten. Er hatte eine tiefe Abneigung gegen das parlamentarische System, weil es nach seiner Ansicht mit dem Hauptproblem des Reiches, der Nationalitätenfrage, nicht fertig wurde.132 Die Erhaltung des Reichs und die Sicherung der kaiserlichen Macht sowie der Habsburger Dynastie waren oberstes Ziel der Vorstellungen Franz Josephs. In dieser Haltung wurde ein Ausschluss bürgerlicher Partzipationsbestrebungen an der politischen Macht als auch Forderungen nach nationaler Autonomie als Ausdruck einer revolutionären Gesinnung interpretiert.133

Fürst Metternichs Politik, aber auch...

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