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Energetisches Regionalisieren

Transformationspraktiken der Energiewende am Beispiel der Biogaserzeugung

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Fabian Faller

Die Energiewende ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Die räumlichen Aspekte dieser sozio-technischen Transformation sind Gegenstand der vorliegenden Studie, die sich auf die Bioenergieerzeugung im deutsch-luxemburgischen Grenzraum konzentriert. Inspiriert von der Praktikenforschung rücken routinierte und improvisierte soziale Handlungen der Betreiber von Biogasanlagen in den Mittelpunkt. Die Untersuchungsergebnisse decken die Routinen der Biogaserzeuger auf und zeigen, wie durch energetisches Regionalisieren die räumlichen Kontexte der Energiewende hervorgebracht und verändert werden. Damit rückt der Autor erstmals Praktiken der Energieerzeugung in den Forschungsfokus und legt zugleich einen innovativen Ansatz für deren Erforschung vor.
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1 Einleitung

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Als das Öko-Institut Freiburg im Jahr 1980 die Studie „Energie-Wende. Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran“ (Krause/Bossel/Müller-Reißmann, 1980) vorlegte, ahnten die Autoren1 wohl nicht, dass zwei Jahrzehnte später die „Energiewende“ ein gesellschaftliches Ziel sein würde. Ursprünglich verstanden als Reaktion auf die Ölkrise der 1970er Jahre und bezogen auf die Abkehr von der fossilen und nuklearen Energieerzeugung, wandelte sich das Begriffsverständnis hin zur gesamtgesellschaftlichen Transformation (Schellnhuber et al., 2011). Neue Akteure der Energieerzeugung (Genossenschaften, Landwirte, Betreibermodelle etc.), neue Erzeugungstechnologien (Solar- und Windenergie, Biogas etc.), eine zunehmende Dezentralisierung der Erzeugungsstandorte oder politische Entscheidungen zum Atomenergieausstieg (Belgien, Deutschland, Italien) sind Beispiele, die durch die Energiewende angestoßene Veränderungen beschreiben.

Seit der Jahrtausendwende beschäftigt sich auch die geographische Forschung zunehmend mit diesen Phänomenen. Insbesondere regionalen Transformationen hin zu einer erneuerbaren Energieinfrastruktur kommt Aufmerksamkeit zu. Die Analyseeinheit „Region“ wird dabei meist verstanden als ein Handlungsraum, der in Übereinstimmung mit politisch-administrativen Raumeinheiten steht und zwischen der lokalen und nationalen Ebene liegt (vgl. Gailing/Röhring, 2014, 7). Gesellschaftliche, energiebezogene Zusammenhänge werden innerhalb dieser Region oder zwischen verschiedenen Regionen betrachtet, Akteure und deren Netzwerke analysiert und untersucht, wie sie ihren Handlungsraum prägen. Beispiele dafür sind die Analysen der Evolution von Akteuren und Unternehmensstrukturen der Windenergie in Deutschland (Kammer, 2012), von räumlicher Diffusion der Photovoltaikinstallationen in Deutschland (Rode/Weber, 2011), von Wechselwirkungen von Politik und Markt bei der Entwicklung der Photovoltaik in Deutschland (Dewald, 2010), von regionalen Wertschöpfungseffekten unterschiedlicher Organisationsformen...

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