Show Less
Restricted access

Paradoxe Ergebnisse von Mehrheitsentscheidungen

Ein aktueller Disput aus der Gründerzeit der modernen aufgeklärten Demokratie

Wolfgang Gerß

In diesem Buch geht es um demokratische Mehrheitsabstimmungen, von denen der Marquis de Condorcet im 18. Jahrhundert bemerkte, dass sie zu nicht umsetzbaren («paradoxen») Beschlüssen führen können, auch wenn die einzelnen Entscheidungsträger «vernünftig» (rational) denken und handeln. Dieses Phänomen ist bis in die Gegenwart ein Forschungsgegenstand von Sozialwissenschaftlern und Mathematikern. Die gegenwärtige Forschung hat ein Instrumentarium zur Beurteilung der Anfälligkeit gegen das Paradoxon für verschiedene Prozeduren von Mehrheitsentscheidungen geliefert. Hier werden einige Prozeduren in mathematischen Modellen dargestellt. Das Buch beschreibt ausführlich einzelne Schritte der Konstruktion dieser Modelle und demonstriert die empirische Auswertung mit leicht anwendbaren Verfahren der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Show Summary Details
Restricted access

Paradoxon von Condorcet

Extract



Marie Jean Antoine Nicolas Caritat Marquis de Condorcet wurde am 17. September 1743 als Sohn einer alten Adelsfamilie in Ribemont bei St. Quentin in Frankreich geboren und lebte nach seiner Erziehung durch Jesuiten ab 1759 in Paris. Im Jahr 1769 wurde er zum Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften und ab 1776 zu deren ständigem Sekretär gewählt. Daneben war er an mehreren anderen Einrichtungen der Wissenschaftsverwaltung (Instituten und Akademien) beteiligt. Unter dem französischen Staatmann und Ökonomen Anne Robert Jacques Turgot Baron de l‘Aulne wurde er Finanzinspektor und Direktor der Seefahrt. Er engagierte sich in den Ereignissen der französischen Revolution und wurde 1792 als führender Vertreter der Fraktion der Girondisten (das heißt der gemäßigten Republikaner) Präsident der Nationalversammlung. Nach der Konzentration der Macht in dem von den Jakobinern beherrschten sogenannten „Nationalkonvent“ wurden die Girondisten 1793 geächtet und verfolgt. Condorcet wurde am 27. März 1794 (nach anderer Quelle am 5. April 1794) verhaftet und vermutlich vergiftet. Er wurde am folgenden Tag im Gefängnis von Bourg-la-Reine tot aufgefunden.

Die wissenschaftliche Bedeutung von Condorcet ist zweifelhaft. In einem älteren Lexikon (Meyers Kleines Konversationslexikon, Siebente Auflage, Leipzig und Wien 1908) wird er nur als „Geschichtsphilosoph“, aber immerhin als Mitarbeiter der „Encyclopédie“ bezeichnet („Encyclopédie ou dictionnaire raisonné des sciences des arts et des métiers“, herausgegeben von Denis Diderot, Jean le Rond d’Alembert und anderen, Paris 1751 – 1780). Als „Hauptwerk“ wird dort nur sein Entwurf einer...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.