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Die Commedia dell’arte im Theater des 20. Jahrhunderts

Veit Bessenbacher

Thema des Buches ist die Commedia dell’arte und ihre Bedeutung im 20. Jahrhundert. Veit Bessenbacher beschäftigt die Weitergabe von Harlekins Narrenpritsche an Zirkus und Slapstick-Comedy. Außerdem kommt die Wiederbelebung dieser italienischen Theaterform im europäischen Regietheater zur Sprache. Darüber hinaus widmet sich der Autor dem Einfluss der Commedia dell’arte auf das zeitgenössische deutschsprachige Drama. Dabei untersucht er zehn Dramen – vom frühen 20. Jahrhundert bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts – hinsichtlich darin vorkommender Commedia dell’arte-Elemente. Das Buch schließt mit einem kurzen Ausblick auf die Zukunft der Commedia dell’arte.
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III. 6. Commedia dell’arte und Farce

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“Ich führte den Taktstocksie tanzte(zu Maggi direkt)Die Kapellmeister haben es sichImmer schwer gemachtDie außerordentlichenDie überragenden.”1296

Durch die anschließende Regieanweisung “steckt den Kopf unter den Herrenkleiderkasten”1297 wird die Komik nochmals erhöht. Maggi, der Kanarienvogel, hat eine ähnliche Funktion wie das Mädchen in “Minetti”. Auch wenn es sich hier nur um ein Tier handelt, ersetzt es Karl doch das menschliche Gegenüber, das er einst in Mathilde hatte. Für Robert hat Karl nur Spott übrig. Er wird von Karl als “fauler Muttersohn” apostrophiert, der einen “lebenslänglichen S-Fehler”1298 hat. ← 326 | 327 → Dass Robert den Lear spielen wollte, betrachtet Karl als lächerlich. Einzig seinen Tasso hält Karl unverhohlen für großartig, und er hat die Verkörperung dieser Rolle durch Robert wahrhaftig geliebt. In seinem Monolog wechselt Karl von einem Detail zum anderen, kommt immer wieder auf sein Verhältnis zu Mathilde zu sprechen. Er beschäftigt sich mit alltäglichen Problemen, so z. B. was er mit Mathildes Kleid machen soll, wie schlecht sie Klavier gespielt hat, sich in ihrem Spiel an Mozart förmlich vergriff. Es wird in diesen Reden deutlich, wie kalzifiziert und missmutig dieser alte Mann ist, der jetzt mit seiner Einsamkeit konfrontiert wird. Ebenso nüchtern wie schonungslos interessiert sich Bernhard hier – wie auch in “Minetti” – für die Figur des Karl und dessen Erinnerungen an bessere Zeiten, die mit einer inakzeptablen Gegenwart kontrastieren. Dabei wählt er hier durchgängig das...

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