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Nach Wien!

Sehnsucht, Distanzierung, Suche"- </I>Literarische Darstellungen Wiens aus komparatistischer Perspektive

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Edited By Norbert Bachleitner and Christine Ivanovic

«Nach Wien!» – der Titel des vorliegenden Bandes gibt das Echo der Großstadtsehnsucht von Čechovs Drei Schwestern mit einem Augenzwinkern wieder und hat dabei zugleich den Ernst der Lage derjenigen im Blick, für die Wien im symbolischen Sinn die Bewahrung ihrer kulturellen Identität und im pragmatischen Sinn das Überleben bedeutete. Die Beiträge fokussieren auf Darstellungen der Stadt aus der Distanz, auf meist erst im Nachhinein festgehaltene Wahrnehmungen, Erfahrungen, Einschätzungen vorübergehender BewohnerInnen oder BesucherInnen Wiens. Sie haben einen Teil ihres Lebens hier verbracht, bevor sie die Stadt verließen, oder sie sind Durchreisende gewesen, die sich nur für einige Zeit hier aufgehalten haben: Fremde eher als Einheimische, StudentInnen oder AutorInnen, Bildungsreisende und PauschaltouristInnen, MigrantInnen und Arbeitssuchende, nicht zuletzt Displaced Persons und HeimkehrerInnen aus der Emigration.
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Wien um 1800 in der französischen Literatur

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← 30 | 31 →Walter Wagner

An der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert wurde Wien vermehrt von Franzosen besucht, die Zuflucht vor den Wirren der Französischen Revolution1 suchten oder sich im Gefolge der napoleonischen Feldzüge von 1805 und 1809 befanden. Ihre Erfahrungen mündeten in eine umfangreiche literarische Produktion, die in Autobiografien, Memoiren, Korrespondenzen, Tagebüchern, Essays und Reiseberichten ihren greifbaren Niederschlag fanden, und markieren zugleich einen ersten Höhepunkt österreichisch-französischen Kulturtransfers.

Ziel dieses Beitrags ist es, Aufschluss über die literarische Umsetzung französischer Heterostereotype des Österreichischen im genannten Korpus zu gewinnen und festzustellen, inwieweit diese sprachlichen Fremdbilder mit Montesquieus völkerpsychologischem Nord-Süd-Dualismus, der bis über die Schwelle des 19. Jahrhunderts hinaus den französischen Blick auf das Fremde beeinflusste, konvergieren oder diesen überwinden.2 Es wird mithin zu ermitteln sein, ob die Wiener aufgrund der ihnen zugeschriebenen Mentalität noch den nördlichen oder bereits den südlichen Völkern zuzurechnen sind. Schließlich wird zu klären sein, inwieweit sie in diesen Zeugnissen interkultureller Begegnung wie damals üblich als Repräsentanten der deutschen oder doch schon differenzierter als Vertreter einer typisch österreichischen Wesensart betrachtet werden. Zur Untersuchung dieser Problematik werden in thematischer Reihenfolge touristische, politische und völkerpsychologische Aspekte in den diversen literarischen Belegen aufgeführt und ← 31 | 32 →mit den Konzepten der komparatistischen Imagologie analysiert, um dergestalt die Konstruktion des Wiener beziehungsweise österreichischen Volkscharakters in der französischen Literatur um 1800 zu erhellen.

Während ihres Aufenthaltes in Wien,...

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