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Nach Wien!

Sehnsucht, Distanzierung, Suche"- </I>Literarische Darstellungen Wiens aus komparatistischer Perspektive

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Norbert Bachleitner and Christine Ivanovic

«Nach Wien!» – der Titel des vorliegenden Bandes gibt das Echo der Großstadtsehnsucht von Čechovs Drei Schwestern mit einem Augenzwinkern wieder und hat dabei zugleich den Ernst der Lage derjenigen im Blick, für die Wien im symbolischen Sinn die Bewahrung ihrer kulturellen Identität und im pragmatischen Sinn das Überleben bedeutete. Die Beiträge fokussieren auf Darstellungen der Stadt aus der Distanz, auf meist erst im Nachhinein festgehaltene Wahrnehmungen, Erfahrungen, Einschätzungen vorübergehender BewohnerInnen oder BesucherInnen Wiens. Sie haben einen Teil ihres Lebens hier verbracht, bevor sie die Stadt verließen, oder sie sind Durchreisende gewesen, die sich nur für einige Zeit hier aufgehalten haben: Fremde eher als Einheimische, StudentInnen oder AutorInnen, Bildungsreisende und PauschaltouristInnen, MigrantInnen und Arbeitssuchende, nicht zuletzt Displaced Persons und HeimkehrerInnen aus der Emigration.
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Wien in der französischen und italienischen Literatur der Moderne

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← 54 | 55 →Alfred Noe

Wien taucht in den Länderbeschreibungen und Reiseberichten vorwiegend der italienischen Humanisten im 16. und 17. Jahrhundert meist nur am Rande auf, weil es kulturell und politisch noch keine internationale Rolle spielt. Bis zum Beginn des 30jährigen Krieges konzentriert sich die Aufmerksamkeit noch wesentlich stärker auf Prag, die Residenzstadt der Kaiser Rudolf II. und Matthias. Das ändert sich mit der österreichischen Gegenreformation, welche im Zuge der absolutistischen Politik der steirischen Linie der Habsburger ab Ferdinand II. während des 17. Jahrhunderts aus der zweifelsfrei katholischen Hauptstadt einen Ort des kulturellen Glanzes macht. Vor allem Leopold I. betreibt in seiner Regierungszeit von 1658 bis 1705 eine offensive Außenpolitik mit den Instrumenten des kulturellen Prestiges, ganz nach dem Vorbild der Medici in Florenz und in Konkurrenz mit Ludwig XIV. in Versailles.

Wien wird als Residenz des kaiserlichen Hofes und als Bollwerk der katholischen Christenheit durch die zweite Türkenbelagerung 1683 zu einem literarischen Schauplatz ganz eigener Art: In Nachahmung von Torquato Tassos Versroman La Gerusalemme liberata (1584) wird im Herbst 1683, nach der glücklichen Befreiung durch die alliierten Truppen unter dem polnischen König Jan Sobieski, in Prag Gabriele Petrinas Versepos Le glorie della christianità ovvero Vienna liberata gedruckt. Auch in Italien erscheint in kurzer Zeit eine ganze Reihe derartiger Werke wie z. B. Giuseppe Guazzuglis Vienna assediata dal grand’essercito del turco e liberata dall’armi christiane. Oda (Pesaro 1683), Domenico Davids La Vienna liberata (Venedig 1684), Vincenzo da Filicaias Canzoni...

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