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Nach Wien!

Sehnsucht, Distanzierung, Suche"- </I>Literarische Darstellungen Wiens aus komparatistischer Perspektive

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Edited By Norbert Bachleitner and Christine Ivanovic

«Nach Wien!» – der Titel des vorliegenden Bandes gibt das Echo der Großstadtsehnsucht von Čechovs Drei Schwestern mit einem Augenzwinkern wieder und hat dabei zugleich den Ernst der Lage derjenigen im Blick, für die Wien im symbolischen Sinn die Bewahrung ihrer kulturellen Identität und im pragmatischen Sinn das Überleben bedeutete. Die Beiträge fokussieren auf Darstellungen der Stadt aus der Distanz, auf meist erst im Nachhinein festgehaltene Wahrnehmungen, Erfahrungen, Einschätzungen vorübergehender BewohnerInnen oder BesucherInnen Wiens. Sie haben einen Teil ihres Lebens hier verbracht, bevor sie die Stadt verließen, oder sie sind Durchreisende gewesen, die sich nur für einige Zeit hier aufgehalten haben: Fremde eher als Einheimische, StudentInnen oder AutorInnen, Bildungsreisende und PauschaltouristInnen, MigrantInnen und Arbeitssuchende, nicht zuletzt Displaced Persons und HeimkehrerInnen aus der Emigration.
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Wandlungen des Wienbilds in nordamerikanischen Literaturen

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← 66 | 67 →Waldemar Zacharasiewicz

Seit rund einem halben Jahrhundert hat sich im Rahmen der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft und dann in den Einzelphilologien eine Forschungsrichtung etabliert, die die Vorstellungen untersucht, die von bestimmten Völkern und Ethnien, beziehungsweise einzelnen Ländern und Lokalitäten existieren. Diese Bilder finden Verwendung besonders in der populären Literatur, aber auch in anderen Medien, und erweisen sich bei genauerer Analyse als Konstruktionen. Sie werden mit großer Beharrlichkeit tradiert und spielen bei der Begegnung mit Fremden und Vertretern anderer Nationen eine erhebliche Rolle. Sie erlangen etwa bei einem Besuch in einem fremden Land oder bei der Auseinandersetzung mit kulturellen Produkten anderer Räume Bedeutung. Die relativ junge Forschungsrichtung, die sich ihrer Analyse widmet und als Imagologie bezeichnet wird, unterscheidet sich deutlich von der in der feuilletonistischen Literaturkritik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weit verbreiteten Praxis, Schriftstellern bzw. Dichtern, die in ihren Texten Vertreter bestimmter ethnischer oder nationaler Gruppen mit wenigen Strichen charakterisierten und ihren Nationalcharakter betonten, besondere Einsichten in das Wesen der Völker zuzuschreiben.1 Dass gerade auf der Bühne, im Theater zwischen 1550 und dem 19. Jahrhundert, knappe Charakterisierungen von Vertretern unterschiedlicher Nationen Verwendung fanden, ist kein Zufall. Die Gesetze des Theaters förderten den Hang zu knapper Charakterisierung – durch Kleidung und Habitus oder verbal – und die Rezeptionsbedingungen des Genres legten eine solche Vorgangsweise nahe.2

Der Anstoß zur kritischen Auseinandersetzung mit diesem verbreiteten Usus in der Literatur ging von dem Aachener Komparatisten Hugo Dyserinck aus,...

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