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Nach Wien!

Sehnsucht, Distanzierung, Suche"- </I>Literarische Darstellungen Wiens aus komparatistischer Perspektive

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Edited By Norbert Bachleitner and Christine Ivanovic

«Nach Wien!» – der Titel des vorliegenden Bandes gibt das Echo der Großstadtsehnsucht von Čechovs Drei Schwestern mit einem Augenzwinkern wieder und hat dabei zugleich den Ernst der Lage derjenigen im Blick, für die Wien im symbolischen Sinn die Bewahrung ihrer kulturellen Identität und im pragmatischen Sinn das Überleben bedeutete. Die Beiträge fokussieren auf Darstellungen der Stadt aus der Distanz, auf meist erst im Nachhinein festgehaltene Wahrnehmungen, Erfahrungen, Einschätzungen vorübergehender BewohnerInnen oder BesucherInnen Wiens. Sie haben einen Teil ihres Lebens hier verbracht, bevor sie die Stadt verließen, oder sie sind Durchreisende gewesen, die sich nur für einige Zeit hier aufgehalten haben: Fremde eher als Einheimische, StudentInnen oder AutorInnen, Bildungsreisende und PauschaltouristInnen, MigrantInnen und Arbeitssuchende, nicht zuletzt Displaced Persons und HeimkehrerInnen aus der Emigration.
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Postsowjetische Strategien in der ukrainischen Literatur der Gegenwart, mit besonderer Berücksichtigung der Darstellung Wiens

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← 92 | 93 →Stefan Simonek

Der vorliegende Aufsatz versteht sich als Versuch, einen knapp bemessenen Blick auf jene textuellen Strategien zu werfen, mit deren Hilfe sich zentrale Stimmen der ukrainischen Gegenwartsliteratur der weithin prägenden Erfahrung einer postsowjetischen kulturellen Konstellation stellen – einer kulturellen Konstellation, der mit dem Signum des Postsowjetischen immer auch jenes des Postkolonialen wie Postapokalyptischen (dies besonders in Hinblick auf die ökologische Situation der Ukraine) eingeschrieben ist. Vom Merkmal des Postkolonialen ist in diesem Kontext insoweit zu sprechen, als das Auseinanderbrechen des sowjetischen Imperiums im ukrainischen kulturellen wie politischen Leben deutliche Spuren hinterlassen hat. Auf diese Weise entfaltete sich jene von Homi K. Bhabha in seiner folgenreichen und für die Theoriebildung der „Postcolonial studies“ zentralen Studie The Location of Culture (1994) skizzierte postkoloniale Konstellation zwischen der ukrainischen und der obsolet gewordenen sowjetischen Kultur, in der sich das Eigene und das Andere niemals klar voneinander unterscheiden lassen und „hierarchische Ansprüche auf die inhärente Ursprünglichkeit oder ,Reinheit‘ von Kulturen unhaltbar sind, und zwar schon bevor wir auf empirisch-historische Beispiele zurückgegriffen haben, die ihre Hybridität demonstrieren“.1 In Bezug auf die ukrainische Literatur scheint die von Bhabha beschriebene Situation einer De-Essentialisierung von Kulturen insoweit gegeben, als die sich explizit supranational gerierende Sowjetliteratur ja immer den Anspruch erhob, die einzelnen Nationalliteraturen des Imperiums auf einer neuen, höherwertigen Stufe zu synthetisieren, hinter diesem Gestus des Internationalismus letztlich aber die Dominanz des russischen Kulturmodells festschrieb. Marko Pavlyshyn hat in einem ebenso knappen wie konzis argumentierenden Aufsatz...

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