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Nach Wien!

Sehnsucht, Distanzierung, Suche"- </I>Literarische Darstellungen Wiens aus komparatistischer Perspektive

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Norbert Bachleitner and Christine Ivanovic

«Nach Wien!» – der Titel des vorliegenden Bandes gibt das Echo der Großstadtsehnsucht von Čechovs Drei Schwestern mit einem Augenzwinkern wieder und hat dabei zugleich den Ernst der Lage derjenigen im Blick, für die Wien im symbolischen Sinn die Bewahrung ihrer kulturellen Identität und im pragmatischen Sinn das Überleben bedeutete. Die Beiträge fokussieren auf Darstellungen der Stadt aus der Distanz, auf meist erst im Nachhinein festgehaltene Wahrnehmungen, Erfahrungen, Einschätzungen vorübergehender BewohnerInnen oder BesucherInnen Wiens. Sie haben einen Teil ihres Lebens hier verbracht, bevor sie die Stadt verließen, oder sie sind Durchreisende gewesen, die sich nur für einige Zeit hier aufgehalten haben: Fremde eher als Einheimische, StudentInnen oder AutorInnen, Bildungsreisende und PauschaltouristInnen, MigrantInnen und Arbeitssuchende, nicht zuletzt Displaced Persons und HeimkehrerInnen aus der Emigration.
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Von Lerneifer, Hassliebe und Desinteresse: Drei Konstruktionen Wiens aus japanischer Perspektive

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← 114 | 115 →Ina Hein

In diesem Beitrag werden Darstellungen und Wahrnehmungen Wiens aus japanischer Perspektive in recht unterschiedlichen Materialien und ebenso unterschiedlichen historischen Kontexten behandelt: Zunächst werden die Aufzeichnungen zu Österreich bzw. Wien in einem japanischen Reisebericht aus dem Jahr 1873 einer Betrachtung unterzogen. Anschließend werden japanische Wien-Darstellungen untersucht, die gut hundert Jahre später entstanden sind, wobei aus einem größeren Bestand (es liegen diverse japanische Reiseaufzeichnungen, Tagebücher und Essays vor, in denen die jeweiligen AutorInnen über ihre Wien-Aufenthalte und die damit verbundenen Beobachtungen berichten)1 zwei Fallbeispiele ausgewählt wurden, die jeweils eingehender dargestellt werden sollen. Die autobiografischen ← 115 | 116 →Wien-Reminiszenzen des japanischen damaligen Philosophie-Studenten Nakajima Yoshimichi erschienen 1990 in Japan unter dem Titel Tatakau tetsugakusha no Wîn aizô („Ein streitbarer Philosoph und seine Hassliebe zu Wien“2) und erreichten hier eine gewisse Bekanntheit. Weitere Verbreitung dürfte der Kinofilm Otoko wa tsurai yo – Torajirô kokoro no tabiji („Männer haben’s schwer – Torajirôs Reise des Herzens“, 1989) gefunden haben, in dem die in ganz Japan bekannte und äußerst beliebte Hauptfigur eine Reise nach Wien unternimmt.

Als Ausgangspunkt jedoch muss zunächst kurz das Verhältnis Japans zu den Ländern Europas und den USA ab dem späten 19. Jahrhundert skizziert werden. Beginnen wir zunächst in Japan – um zu verstehen, was es Ende des 19. Jahrhunderts bedeutete, von dort aus in ein westliches Land (und eben nach Wien) zu reisen.

Der Umbruch von der Edo-Zeit...

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