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Nach Wien!

Sehnsucht, Distanzierung, Suche"- </I>Literarische Darstellungen Wiens aus komparatistischer Perspektive

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Edited By Norbert Bachleitner and Christine Ivanovic

«Nach Wien!» – der Titel des vorliegenden Bandes gibt das Echo der Großstadtsehnsucht von Čechovs Drei Schwestern mit einem Augenzwinkern wieder und hat dabei zugleich den Ernst der Lage derjenigen im Blick, für die Wien im symbolischen Sinn die Bewahrung ihrer kulturellen Identität und im pragmatischen Sinn das Überleben bedeutete. Die Beiträge fokussieren auf Darstellungen der Stadt aus der Distanz, auf meist erst im Nachhinein festgehaltene Wahrnehmungen, Erfahrungen, Einschätzungen vorübergehender BewohnerInnen oder BesucherInnen Wiens. Sie haben einen Teil ihres Lebens hier verbracht, bevor sie die Stadt verließen, oder sie sind Durchreisende gewesen, die sich nur für einige Zeit hier aufgehalten haben: Fremde eher als Einheimische, StudentInnen oder AutorInnen, Bildungsreisende und PauschaltouristInnen, MigrantInnen und Arbeitssuchende, nicht zuletzt Displaced Persons und HeimkehrerInnen aus der Emigration.
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„La renombrada y famosa Viena“. Die Stadt Wien in den Romanen Julio Cortázars, Roberto Bolaños und Alan Pauls’

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← 184 | 185 →Stefan Kutzenberger

Als Jorge Mario Bergoglio am 13. März 2013 zum 266. Papst der römisch-katholischen Kirche gewählt wurde, berichtete die argentinische Tageszeitung La Nación am folgenden Tag, der ehemalige Kardinal von Buenos Aires sei nun Papst „para los rumanos, los libaneses, los mexicanos o los austríacos“.1 Österreich dient in dieser zufälligen Auswahl an Ländern für argentinische Ohren als exotisches Beispiel der katholischen Welt. Ähnlich verwendet auch Eduardo Sacheri in seinem Roman El secreto de sus ojos Österreich als beliebiges Beispiel eines zwar existierenden, jedoch ziemlich unbestimmten Landes der Alten Welt, als der Protagonist einen unablässig redenden Taxifahrer zum Schweigen bringen möchte, indem er entschuldigend behauptet: „soy austríaco“.2 Der von Adolfo Bioy Casares in seiner Erzählung „El lado de la sombra“ erwähnte Österreicher ist im Gegensatz dazu tatsächlich einer: Leda, die Protagonistin, wird im Alter von 16 Jahren mit einem „viejo diplomático austríaco“3 verheiratet, einem gebildeten, gewieften und misstrauischen Mann, den sie jedoch mit Leichtigkeit betrügen kann. Auf die Frage, warum er gerade einen Österreicher an dieser Stelle der Erzählung auftreten ließ, meinte der Autor, „no tengo idea“.4 Auch hier war Österreich also wieder eine ziemlich zufällige Wahl, als Land unbedeutend und unbestimmt genug, um als Namen allein bereits eine gewisse fiktionale Note zu transportieren. Um den Kontrast zwischen dem Ehemann und der spontanen, ungebildeten Leda größer zu machen, stammt dieser aus dem...

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