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Nach Wien!

Sehnsucht, Distanzierung, Suche"- </I>Literarische Darstellungen Wiens aus komparatistischer Perspektive

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Edited By Norbert Bachleitner and Christine Ivanovic

«Nach Wien!» – der Titel des vorliegenden Bandes gibt das Echo der Großstadtsehnsucht von Čechovs Drei Schwestern mit einem Augenzwinkern wieder und hat dabei zugleich den Ernst der Lage derjenigen im Blick, für die Wien im symbolischen Sinn die Bewahrung ihrer kulturellen Identität und im pragmatischen Sinn das Überleben bedeutete. Die Beiträge fokussieren auf Darstellungen der Stadt aus der Distanz, auf meist erst im Nachhinein festgehaltene Wahrnehmungen, Erfahrungen, Einschätzungen vorübergehender BewohnerInnen oder BesucherInnen Wiens. Sie haben einen Teil ihres Lebens hier verbracht, bevor sie die Stadt verließen, oder sie sind Durchreisende gewesen, die sich nur für einige Zeit hier aufgehalten haben: Fremde eher als Einheimische, StudentInnen oder AutorInnen, Bildungsreisende und PauschaltouristInnen, MigrantInnen und Arbeitssuchende, nicht zuletzt Displaced Persons und HeimkehrerInnen aus der Emigration.
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Wien – alternativ? Literarische Stadtdarstellung im Kontext von Migration: Barbara Frischmuths Die Schrift des Freundes, Doron Rabinovicis Ohnehin und Vladimir Vertlibs Zwischenstationen

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← 236 | 237 →Sandra Vlasta

Seit langem, wenn nicht seit jeher wird das Bild Wiens von seinen zugewanderten Bewohnerinnen und Bewohnern geprägt. Dies schlägt sich auch in literarischen Texten nieder, zumal in solchen, die sich explizit mit dem Thema Migration beschäftigen. Der vorliegende Beitrag behandelt drei zeitgenössische Romane, die auf unterschiedliche Weise Migration in Wien thematisieren, und zwar Barbara Frischmuths Die Schrift des Freundes (1998), Doron Rabinovicis Ohnehin (2004) und Vladimir Vertlibs Zwischenstationen (1999).1 Es wird gefragt, inwiefern in diesen Texten aufgrund ihrer Thematik ein ‚anderes‘ Bild von Wien gezeichnet wird, ein Bild, das Vorstellungen hinterfragt, die von Wien als einer kulturell auf bestimmte, unveränderliche Weise geprägten Stadt ausgehen (wobei diese Vorstellungen ebenfalls je nach Blickwinkel des Betrachters sehr unterschiedlich ausfallen können). Im Fokus der folgenden Analyse stehen bestimmte Orte Wiens, die in den Texten von Bedeutung sind. Bei Vertlib ist dies ein Haus in der Brigittenau, dem 20. Wiener Gemeindebezirk, in Ohnehin und Die Schrift des Freundes der Naschmarkt. In den Texten werden die real in der Stadt existierenden Orte zu Räumen, die über ihre geographischen Aspekte hinausreichen. Sie können nicht nur als Koordinaten im Stadtplan fixiert werden, sondern werden – in Anlehnung an Michel de Certeau, für den ein Raum ein Ort ist, mit dem man etwas macht – gleichzeitig in den Texten erschaffen und durch diese Literarisierung in das kulturelle Gedächtnis der Stadt eingeschrieben.2 Dabei wird durch das Motiv der Migration eine zusätzliche Ebene eingezogen;...

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