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Nach Wien!

Sehnsucht, Distanzierung, Suche"- </I>Literarische Darstellungen Wiens aus komparatistischer Perspektive

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Edited By Norbert Bachleitner and Christine Ivanovic

«Nach Wien!» – der Titel des vorliegenden Bandes gibt das Echo der Großstadtsehnsucht von Čechovs Drei Schwestern mit einem Augenzwinkern wieder und hat dabei zugleich den Ernst der Lage derjenigen im Blick, für die Wien im symbolischen Sinn die Bewahrung ihrer kulturellen Identität und im pragmatischen Sinn das Überleben bedeutete. Die Beiträge fokussieren auf Darstellungen der Stadt aus der Distanz, auf meist erst im Nachhinein festgehaltene Wahrnehmungen, Erfahrungen, Einschätzungen vorübergehender BewohnerInnen oder BesucherInnen Wiens. Sie haben einen Teil ihres Lebens hier verbracht, bevor sie die Stadt verließen, oder sie sind Durchreisende gewesen, die sich nur für einige Zeit hier aufgehalten haben: Fremde eher als Einheimische, StudentInnen oder AutorInnen, Bildungsreisende und PauschaltouristInnen, MigrantInnen und Arbeitssuchende, nicht zuletzt Displaced Persons und HeimkehrerInnen aus der Emigration.
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Wer nimmt wann Stadtentwicklung wahr und was genau davon? Einige Thesen zur fatalen Beziehungsgeschichte von Großstadt, Literatur und Marketing in Österreich

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← 276 | 277 →Evelyne Polt-Heinzl

[…] zwischen den Bewohnern eines Bauerngehöfts, mögen sie auch noch so gut mit dem Radio umgehen, und den Inhalten eines Literatencafés, mögen sie sich auch noch so sehr zur proletarischen Einfalt bekennen – klafft der Abgrund einiger Jahrzehntausende. (Franz Werfel)

Das kaiserliche Dekret von 1857, die alten Befestigungsanlagen zu schleifen, ermöglichte eine zeitgemäße städtebauliche Erneuerung Wiens. Rund um die innere Stadt entstand nach einer Idee des in Bayreuth geborenen Architekten Ludwig Förster die Ringstraße als vier Kilometer langer Boulevard, an dem repräsentative Staatsbauten und bürgerliche Palais errichtet wurden. Mit der Wiener Ringstraße mutierte eine städteplanerische Maßnahme zum Epochenbegriff, der eine Reihe zentraler Weichenstellungen impliziert.

Dazu gehört die Konzentration des wirtschaftlichen Aufschwungs auf Wien, also die Vernachlässigung einer gleichmäßigen Entwicklung des gesamten Habsburgerreiches, was die nationalen Spannungen anheizte. Dazu gehört auch die Festschreibung der Aufmerksamkeit auf die Oberschicht und ihre Repräsentationspraktiken. Dass das Bürgertum auf Demonstration der ökonomischen Macht im architektonischen Prestigeduell setzte, führte die monarchistische Repräsentationspolitik mit bürgerlich-kapitalistischen Mitteln fort. Als erster offizieller Ringstraßenbau wurde 1879 Heinrich Ferstels Votivkirche eingeweiht, errichtet zum Dank für die Errettung des Kaisers bei einem Attentat. Das erste Gebäude der bürgerlichen Prachtstraße symbolisiert das Bekenntnis zu den Säulen des Habsburgerreiches: zum Kaiserhaus und der katholischen Kirche.

Die Konzentration auf die Repräsentationsarchitektur inkludiert auch große...

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