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Nach Wien!

Sehnsucht, Distanzierung, Suche"- </I>Literarische Darstellungen Wiens aus komparatistischer Perspektive

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Edited By Norbert Bachleitner and Christine Ivanovic

«Nach Wien!» – der Titel des vorliegenden Bandes gibt das Echo der Großstadtsehnsucht von Čechovs Drei Schwestern mit einem Augenzwinkern wieder und hat dabei zugleich den Ernst der Lage derjenigen im Blick, für die Wien im symbolischen Sinn die Bewahrung ihrer kulturellen Identität und im pragmatischen Sinn das Überleben bedeutete. Die Beiträge fokussieren auf Darstellungen der Stadt aus der Distanz, auf meist erst im Nachhinein festgehaltene Wahrnehmungen, Erfahrungen, Einschätzungen vorübergehender BewohnerInnen oder BesucherInnen Wiens. Sie haben einen Teil ihres Lebens hier verbracht, bevor sie die Stadt verließen, oder sie sind Durchreisende gewesen, die sich nur für einige Zeit hier aufgehalten haben: Fremde eher als Einheimische, StudentInnen oder AutorInnen, Bildungsreisende und PauschaltouristInnen, MigrantInnen und Arbeitssuchende, nicht zuletzt Displaced Persons und HeimkehrerInnen aus der Emigration.
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Viennavigator: Digitale Formalisierung literarischer Topographien am Beispiel des Gesamtwerks von Ilse Aichinger

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← 288 | 289 →Christine Ivanovic / Andrew U. Frank

Das Gesamtwerk der österreichischen Autorin Ilse Aichinger (geb. 1921 in Wien) entstand innerhalb von sechs Jahrzehnten (1946–2006) und umfasst 12 schmale Bände mit insgesamt 2100 Seiten. In einigen Phasen ihres Schreibens – von ihren Anfängen bis in die fünfziger Jahre hinein und dann wieder in ihren späten, ab 2000 erschienenen Texten – bezieht sie sich explizit durch Nennung oder implizit durch Beschreibung auf Wiener Lokalitäten. In anderen Phasen hingegen finden sich oft nur wenige bis keine Wienbezüge in ihren Texten. In diesem Bereich ihres Werkes sind Bezugnahmen auf reale Orte generell seltener, dann aber ebenfalls von besonderer Bedeutung (dies betrifft vor allem Orte in England).1 In auffälliger Weise werden hingegen räumliche Konstellationen entworfen, die im Realraum nicht eindeutig lokalisierbar sind, die sich aber als typische Orte klassifizieren lassen (Wohnung, Balkon, Wiese, Küste, Meer, Bahnlinien u. a.). Aichinger generiert, so legt schon ein kursorischer Blick auf ihre Texte nahe, bedeutungstragende literarische Topographien, die sowohl reale als auch typische Räume umfassen.

Aichingers topographische Schreibweise ist gekoppelt an signifikante Zeitbezüge und bildet die Grundlage ihrer kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden. Sie reflektiert Muster der Gedächtnisbildung wie der Bearbeitung von Erinnerungsspuren im Raum, wobei der Raum der Stadt Wien für sie von zentraler Bedeutung ist.2 Musterbildend wird für Aichinger dabei eine Art reziproker Wahrnehmung, die das wahrnehmende Subjekt auf den...

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