Show Less
Restricted access

Literaturlinguistik – philologische Brückenschläge

Series:

Edited By Jochen A. Bär, Jana-Katharina Mende and Pamela Steen

Der Sammelband verbindet die seit Jahrzehnten konzeptionell und teilweise auch institutionell getrennten Bereiche des Fachs Germanistik: Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. In 17 Beiträgen werden unterschiedliche thematische Bereiche, Fragestellungen und methodische Ansätze beleuchtet. Textlinguistik, Gesprächsanalyse, Dialektologie, Diskurssemantik und Bildlinguistik werden mit literarischer Hermeneutik, Erzähltheorie, Motivanalyse und Vergleichender Literaturwissenschaft in Beziehung gesetzt. Daraus ergibt sich das Plädoyer für eine neue Philologie, in der die Erkenntnisse beider Teildisziplinen des Fachs Germanistik wechselseitig zur Kenntnis genommen und füreinander fruchtbar gemacht werden.
Show Summary Details
Restricted access

Pragmatische Profile. Zur dialogischen Faktur des Fastnachtspiels von Salomon und Markolf des Hans Folz

Extract



1.Einleitung

Das Faßnacht spil des 15. und 16. Jahrhunderts ist eine spezifische kulturelle „Theaterform“ von Laien, in Nürnberg sind dies die mittleren bis unteren Handwerkerschichten.1 Sie geht nicht auf das antike Drama zurück und wirkt sich kaum auf weitere Theaterformen aus, so dass das an anderen Dramenformen entwickelte Untersuchungsinstrumentarium nur bedingt für eine Analyse und Interpretation von Fastnachtspielen anwendbar ist (vgl. Linke 1987, 154; Ragotzky 1997, 569). Diese überwiegend weltlich ausgerichteten spile sind rituell in die Fastnachtsituation vor Beginn der Fastenzeit eingebunden und lassen sich in städtischen Kontexten nachweisen (vgl. Linke 1987, 153 f.).2 Auch stilistisch und thematisch sind diese „dramatischen“ Formen oftmals der Handwerker-Sprechergruppe zuzuordnen: Gekennzeichnet sind sie in diesen Fällen durch eine gruppen-, milieu- und ständespezifische Komik, die durch Anspielungen auf Fäkalien und Sexualität derbe geprägt ist, was sich als eine „Lust am Groben, ← 275 | 276 → Unflätigen, Obszönen, Grotesken“ (Wuttke 72006, 444) deuten lässt. Dies zeigt sich insbesondere in den kommunikativen Handlungs- und Verhaltensformen der typhaften Figuren. Wesentlich für Fastnachtspiele ist auch das Prinzip der „Normverkehrung“ (Ragotzky 1997, 570), wenn z. B. unterschiedliche Formen von Hierarchie infrage gestellt werden. Fastnachtspiele stellen als „soziokulturelle Phänomene“ (Voßkamp 1977, 27) damit eine selbständige und historisch eingegrenzte Kommunikationsform dar, die als „eine Konstellation von Handlungsmustern, thematischen Strukturen und Kommunikationsprinzipien […] der Bearbeitung von bestimmten kommunikativen Aufgaben dient“ (Fritz 2012, 111) und in der aktuelle Sachverhalte verhandelt werden (vgl. Linke 1987, 228)...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.