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Literaturlinguistik – philologische Brückenschläge

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Edited By Jochen A. Bär, Jana-Katharina Mende and Pamela Steen

Der Sammelband verbindet die seit Jahrzehnten konzeptionell und teilweise auch institutionell getrennten Bereiche des Fachs Germanistik: Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. In 17 Beiträgen werden unterschiedliche thematische Bereiche, Fragestellungen und methodische Ansätze beleuchtet. Textlinguistik, Gesprächsanalyse, Dialektologie, Diskurssemantik und Bildlinguistik werden mit literarischer Hermeneutik, Erzähltheorie, Motivanalyse und Vergleichender Literaturwissenschaft in Beziehung gesetzt. Daraus ergibt sich das Plädoyer für eine neue Philologie, in der die Erkenntnisse beider Teildisziplinen des Fachs Germanistik wechselseitig zur Kenntnis genommen und füreinander fruchtbar gemacht werden.
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Linguistische Kompetenz als Voraussetzung strukturaler Textanalyse zur Entschlüsselung komplexer literarischer Werke am Beispiel Herta Müller

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1.Einleitung

Der Strukturalismus verdankt seine Disziplinen übergreifende Sternstunde in den 1950er und 1960er Jahren dem Wunsch, sich insbesondere von einer als „unzulänglich empfundenen philologischen Einzelfallbetrachtung abgrenzen zu wollen“2. In der Germanistik scheinen seitdem „die Gräben zwischen Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft unüberbrückbar geworden zu sein“3 (vgl. Auer 2013, 26), obwohl vielfach geäußert wird, dass sich die Germanistik als Einheit von Sprach- und Literaturwissenschaft herausgebildet habe.4 Das Forschungsfeld der Literaturwissenschaft sind literarische Texte, wobei höchst umstritten ist, was einen literarischen Text von anderen Textsorten unterscheidet (vgl. Titzmann 2003, 3028). Die Linguistik beschäftigt sich mit Texten aller Art, hat die Erforschung literarischer Texte allerdings weitestgehend der Literaturwissenschaft überlassen. Zu den literarischen Texten müssen wohl alle Texte gezählt werden, die die Literaturwissenschaft für literarisch hält (vgl. Titzmann 2003, 3031). ← 371 | 372 →

Das Forschungsfeld der Linguistik schließt aber zumindest über den materiellen Textbegriff das Forschungsfeld der Literaturwissenschaft mit ein.5

„Bildlich gesprochen behandelt die Linguistik das Rohmaterial, aus dem auch (aber nicht nur) literarische Texte gemacht sind; […] und es hängt vom Interesse der jeweiligen literaturwissenschaftlichen Frage ab, wie sehr sie die Konstituenz dieses Rohmaterials als relevant für ihre eigenen Fragen erachtet.“ (Jacob 2014, 7.)

Nun könnte argumentiert werden, dass die Literaturwissenschaft grundsätzlich andere Fragen an die Texte stellt als die Linguistik.6 Dies ist aber nur eingeschränkt zu bejahen. Die Linguistik ist u. a. auch eine Textwissenschaft,...

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