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Wissenschaft und globales Denken

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Edited By Franz Gmainer-Pranzl and Angela Schottenhammer

Ökonomische Dynamiken, politische Transformationen, internationale Vernetzung sowie die Kommunikation durch neue Medien sind Indikatoren einer «Globalisierung», die heute viele Bereiche des Lebens erfasst. Doch bedeutet eine solche Expansion und Internationalisierung wirtschaftlicher Prozesse, technischer Entwicklungen und politischer Ordnungen, dass «globales Denken» als (selbst)kritischer Diskurs zum Tragen kommt? In kritischem Kontrast zu Globalisierungsstrategien fragen die Beiträge dieses Bandes danach, inwiefern der Bezug auf globale Zusammenhänge die gewohnten Zugänge und Methoden der Wissenschaft herausfordert und verändert. Nicht «Globalisierung» als Erfolgsstrategie, sondern «globales Denken» als kritischer Anspruch steht im Zentrum der Überlegungen dieses Tagungsbandes.
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Völkerrecht zwischen Globalisierung und Fragmentierung

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1.   Einleitung

Eine Bewertung der Einflüsse der Globalisierung und des globalen Denkens zeigt für das Völkerrecht1 in vielen Punkten Ergebnisse, die deutlich von anderen Disziplinen, insbesondere von anderen Rechtsfächern, abweichen. Diese Abweichungen haben mannigfaltige Ursachen. Einige der Ursachen ergeben sich bereits aus der Definition des universellen Völkerrechts.2 Universelles Völkerrecht – als Summe der Normen, die das Verhalten von und die Beziehungen zwischen Völkerrechtssubjekten regeln und nicht dem internen Recht eines dieser Subjekte angehören3 – ist darauf ausgerichtet, eine Teilnahme aller Staaten zu ermöglichen und zu erreichen. Damit muss notwendigerweise eine globale Ausrichtung einhergehen. Insofern verändert der Blick auf das Globale die eigene Wissenschaft nicht, er prägt und determiniert sie.

Der Fokus auf das Globale fordert die Völkerrechtswissenschaft auch, da regionale und partielle Perspektiven in die globale Betrachtungsweise eingeordnet werden müssen.4 Neuere Entwicklungen im Völkerrecht lassen sich nicht notwendigerweise aus dem globalen Denken und aus der Ausrichtung auf die Teilnahme aller Staaten allein ableiten, es spielen vielmehr globale, regionale und bilaterale Aspekte eine Rolle, universelle und regionale Systeme beeinflussen sich gegenseitig. Neben einer geographischen Zersplitterung zeigt sich auch eine sektorale ← 91 | 92 → Fragmentierung5 in einzelne Rechtsbereiche, die nicht immer ausreichend koordiniert sind.

Darüber hinaus beeinflusst die Tatsache, dass andere, neue Akteure in der internationalen Gemeinschaft zunehmend wichtige Rollen übernehmen, die Entwicklung und hat Einfluss auf die Völkerrechtswissenschaft.

Um diese komplexen Fragestellungen zu strukturieren, wird der Beitrag in...

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