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Johann Elias Schlegel im europäischen Kontext: Schlegel und Ludvig Holberg

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Inga Reske

Leben und Werk von Johann Elias Schlegel sind in höchstem Maße interkulturell und kosmopolitisch. Am Beispiel der persönlichen und literarischen Beziehung zum dänischen Frühaufklärer Ludvig Holberg thematisiert die Autorin die produktive Begegnung mit dem kulturell und literarisch «Fremden» bei Schlegel. Sie untersucht die Lustspiele und Komödienpoetiken der beiden Dichter sowie die Darstellung Holbergs in Schlegels kritischen und publizistischen Schriften, um die Bedeutung von Holbergs Einfluss auf Schlegels Weiterentwicklung als Lustspieldichter zu zeigen. Es wird deutlich, dass er in seinem dramatischen und theoretischen Werk nicht nur weit über Holberg, sondern insbesondere in seiner Kopenhagener Zeit auch über die Dramenpoetologie und -praxis der europäischen Aufklärung hinausgeht.
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3 Theorie – Schlegels und Holbergs Komödienpoetik im Vergleich

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3   Theorie – Schlegels und Holbergs Komödienpoetik im Vergleich

Wie für die Dichter der Aufklärung durchaus typisch leisten die Werke von Johann Elias Schlegel und Ludvig Holberg nicht nur einen Beitrag zur Theaterpraxis, sondern auch zum dramenpoetologischen Diskurs. Während sich bei Schlegel die poetologische Dimension primär in mit der Dichtung koexistierenden theoretischen Schriften manifestiert, ist bei Holberg kein eigenständiges literaturtheoretisches Œuvre vorhanden.301 Es gibt aber diverse selbstreflexive Momente in den Komödien Holbergs sowie immer wieder Anmerkungen zum Theater in den prosaischen Publikationen.302 Die poetologische Positionierung erfolgt hier innerhalb der Praxis, die Theorie ist der Praxis gewissermaßen immanent.

Obwohl Schlegel keine Poetik oder Dramaturgie im Sinne einer ‚theatralischen Dichtkunst‘ verfasst und seine poetische Theorie somit nicht äußerlich systematisiert vorliegt, weist sie innerlich Kohärenz und Homogenität auf.303 Und auch die verstreuten Ausführungen und Anmerkungen Holbergs ← 81 | 82 → zur Komödie können wegen ihrer Durchgängigkeit in der Argumentation ansatzweise auf die Ebene einer Theorie der Komödie überführt und als Theoreme zusammengefasst werden, um eine nachträgliche poetologische Bestimmung zu versuchen.304

Holbergs Poetik wird im Wesentlichen bereits in der frühesten diesbezüglichen Publikation, der fiktionalen Begleitschrift Just Justesens Betenkning over Comoedier aus dem Jahr 1723, dargelegt, die der ersten Ausgabe seiner Lustspiele vorangestellt ist. Die einzelnen Aspekte werden später in den essayistischen Werken Moralske Tanker aus dem Jahr 1744 und den in fünf Bänden von...

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