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Wettbewerbspolitische Aspekte des «Amazon-Falls»

Analyse der ökonomischen Auswirkungen horizontaler und vertikaler Beschränkungen unter Berücksichtigung der Charakteristika von Onlinemärkten

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Karoline Henrike Köhler

Selten hat ein wettbewerbspolitischer Fall so viel Interesse und Kontroversen hervorgerufen wie der E-Book-Fall rund um Amazon, bei dem führende Verlage und große Unternehmen wie Apple involviert sind. Doch dieser spiegelt nur eine von vielen unternehmerischen Vorgehensweisen Amazons wider.
Der Kern dieses Werkes stellt die wettbewerbspolitischen Vorwürfe gegenüber Amazon systematisch dar und würdigt diese auf der Basis ökonomisch-theoretischer Überlegungen. Die Analysen offenbaren dabei die ökonomischen Besonderheiten von Onlinemärkten und berücksichtigen die wachsende ökonomische Bedeutung mehrseitiger Märkte.
Die Untersuchungsergebnisse geben eine Antwort auf die sich aus der aktuellen Medienbrisanz um Internetplattformen ergebende Frage, ob «Amazon as the Next Google» einzuordnen ist. Darüber hinaus bewertet die Autorin Ansätze zur Ausgestaltung einer wettbewerbspolitischen Regulierung von Internetplattformen wie den More Technological Approach oder die Implementierung einer eigenen Regulierungsbehörde.
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3 Darstellung der wettbewerbsökonomischen Grundlagen

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3.1 Grundlagen und theoriengeschichtlicher Kurzüberlick von Wettbewerbskonzeptionen

Wettbewerb stellt eine wesentliche Prämisse für das Funktionieren einer „marktwirtschaftlichen Ordnung als Selbststeuerungssystem“263 dar. Dieses begründet sich dadurch, dass Märkte erst über Wettbewerb ihre grundlegende Aufgabe der Koordination von Angebot und Nachfrage sowie der Lenkung von Ressourcen in ihre jeweils produktivste Verwendung erfüllen können und auf diese Weise Anreize zu technischem Fortschritt gesetzt werden.264 Das Wettbewerbsprinzip geht jedoch für Unternehmen mit einem Wettbewerbsdruck einher, der Anreize schafft, durch bestimmte Strategien und Verhaltensweisen den Wettbewerb auf Märkten direkt zu beeinflussen.265 Infolgedessen kommt es zu so genannten privaten Wettbewerbsbeschränkungen unter anderem in Form von Verhaltenskoordinationen durch Kartellbildungen, Unternehmenszusammenschlüssen und Behinderungsstrategien.266 Deren Bekämpfung stellt dabei zur Sicherung eines wirksamen Wettbewerbs und aus Gründen der europäischen Integration Ziel der europäischen Wettbewerbspolitik dar. Demgemäß ist die Wettbewerbspolitik als „the set of policies and laws which ensure that competition in the market place is not restricted in such a way as to reduce economic welfare“267 zu beschreiben, wobei insbesondere der Durchsetzung der ökonomischen Effizienz, d.h. der allokativen268 und produktiven Effizienz269 sowie dem Wohlfahrtstandard als Maß für die Effizienz, ein besonderes Gewicht zukommt.270 Im Umkehrschluss steht also das Wettbewerbsrecht in enger Verbindung ← 51 | 52 → zur Ökonomie, sodass deren Grundlagen und Konzepte bei der Beurteilung wettbewerbsrechtlicher Aspekte entsprechend heranzuziehen sind.271 Besonders deutlich wird dieses im Rahmen individueller wettbewerbsrechtlicher Fälle, wenn es den Gerichten obliegt, die Auswirkungen der in...

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