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Macht und Ohnmacht einer Zentralregierung

Die Bourbonen und das Problem des Banditenwesens im Königreich Neapel des 18. Jahrhunderts

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Ronald Richter

Ein seit Jahrhunderten bestehendes, bis heute aktuelles Problem Süditaliens ist die organisierte Bandenkriminalität. Ronald Richter befasst sich mit dem bisher nur wenig erforschten Banditenwesen im Königreich Neapel des 18. Jahrhunderts. Er konzentriert sich auf die Zeit zwischen der erneuten Machtübernahme der spanischen Bourbonen 1734 und der erstmaligen Flucht der königlichen Familie Ende 1798 nach Sizilien. Ihn beschäftigt die Frage, wie die Zentralregierung in Neapel und die ihr in den Provinzen unterstehenden Instanzen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Machtmitteln versuchten, ihren Herrschaftsraum unter Kontrolle zu halten und das Banditenunwesen einzudämmen – und warum sie an dieser Aufgabe scheiterten.
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3. Die Herrschaftsmittel der Zentralregierung in Neapel

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3.1 Das Heer und die Marine

Nach der Machtübernahme des Infanten Karl von Bourbon im festländischen und insularen Mezzogiorno waren die beiden unteritalienischen Königreiche in militärischer Hinsicht noch stark vom Königreich Spanien, dem Mutterland der nunmehr im Süden der Apenninenhalbinsel herrschenden Dynastie der Bourbonen, abhängig. Zu Beginn der Herrschaft sah sich der neue Souverän zunächst der Aufgabe gegenüber, aus seinem Eroberungs- bzw. Okkupationsheer ein neapolitanisches Heer zu formen, welches seine Herrschaft nach außen und nach innen absichern sollte. Ein Großteil des Heeres, über das Karl verfügte, bestand zudem aus Soldaten nicht neapolitanischer Herkunft und war, auch aufgrund der Herkunft des Monarchen, noch stark spanisch geprägt. Fürs Erste besaß Karl in Hinblick auf die Besetzung wichtiger Ämter im Militärapparat beider Königreiche ohnehin weitaus mehr Vertrauen in Männer spanischer Provenienz.228 Nach dem Ende des Österreichischen Erbfolgekrieges, der zum ersten ← 140 | 141 → und letzten Mal die Herrschaft Karls von Bourbon über Neapel und Sizilien gefährden sollte, verzichtete der Monarch aufgrund des stark abgenommenen Bedrohungspotenzials von außen aber letzten Endes auf wirklich umfassende Reformen, welche die Schlagkraft seiner Truppenverbände signifikant hätten erhöhen können. Diese Aufgabe überließ er vielmehr seinem Nachfolger Ferdinand IV. und dessen Gefolgsleuten, die schließlich versuchten, die notwendigen Militärreformen in Angriff zu nehmen. Aber im Endeffekt begann man in Neapel erst nach dem Rücktritt des ersten Staatssekretärs Bernardo Tanucci im...

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