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Macht und Ohnmacht einer Zentralregierung

Die Bourbonen und das Problem des Banditenwesens im Königreich Neapel des 18. Jahrhunderts

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Ronald Richter

Ein seit Jahrhunderten bestehendes, bis heute aktuelles Problem Süditaliens ist die organisierte Bandenkriminalität. Ronald Richter befasst sich mit dem bisher nur wenig erforschten Banditenwesen im Königreich Neapel des 18. Jahrhunderts. Er konzentriert sich auf die Zeit zwischen der erneuten Machtübernahme der spanischen Bourbonen 1734 und der erstmaligen Flucht der königlichen Familie Ende 1798 nach Sizilien. Ihn beschäftigt die Frage, wie die Zentralregierung in Neapel und die ihr in den Provinzen unterstehenden Instanzen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Machtmitteln versuchten, ihren Herrschaftsraum unter Kontrolle zu halten und das Banditenunwesen einzudämmen – und warum sie an dieser Aufgabe scheiterten.
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2. Die Ebene der Verfolgung und Repression: Die Bekämpfung der Bandenkriminalität durch die Zentralregierung und die Provinzbehörden anhand ausgewählter Beispiele

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2.1 Grenzen herrschaftlicher Durchdringung: Das Vorgehen der Regie Udienze von Cosenza und Catanzaro gegen die Gualtieri-Bande und die Cacozza-Bande in den Provinzen Calabria Citra und Calabria Ultra zwischen 1774 und 1776

2.1.1 Anmerkungen zur Quellen- und Sachlage

Im Zentrum der im Rahmen dieses Unterkapitels analysierten Dokumente522 aus dem Bestand der „Processi Irresoluti“ der Real Camera di Santa Chiara steht die Verfolgung der Banden der Familien Gualtieri und Cacozza in den beiden kalabrischen Provinzen Calabria Citra und Calabria Ultra im Zeitraum zwischen 1774 und 1776, welche zu den ökonomisch rückständigsten und zu den immer wieder am schwersten von der Bandenkriminalität heimgesuchten Provinzen des Königreiches Neapel zählten. Dieser Trend sollte dann auch im bourbonischen Königreich Beider Sizilien des 19. Jahrhunderts seine Fortsetzung finden.523 Von außerordentlicher Bedeutung für die Verstärkung dieses Trends im Kalabrien der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren zweifellos die große Karestie des Jahres 1764 und die Erdbebenkatastrophe des Jahres 1783 mit ihren langfristigen negativen Auswirkungen auf das Leben der kalabrischen Bevölkerung. Wenngleich die vielfältigen Probleme, wie die überall grassierende Armut, die rückständige und geringe Erträge abwerfende Landwirtschaft, das Fehlen einer funktionierenden Infrastruktur, die starke Stellung des grundbesitzenden Adels sowie die weitverbreiteten Missstände in der Verwaltung und Justiz, unter denen die beiden kalabrischen Provinzen zu leiden hatten, der Zentralregierung ← 288 | 289 → durch die Berichte der Regie Udienze von Cosenza und Catanzaro sowie durch die zeitgenössische Reformpublizistik...

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