Show Less
Restricted access

Kinder können fliegen

Leben mit Kindern – Im Gespräch mit Janusz Korczak

Gunda Schneider

Die Autorin befasst sich mit dem polnischen Arzt, Pädagogen und Kinderbuchautor Janusz Korczak. In seinen Schriften beschrieb er ein Lebensverständnis, das die Freude am Leben und besonders die Freude am Leben mit Kindern weckt und Eltern und Erzieher zur Achtung vor jedem Kind als Mensch inspiriert. Mit seiner Pädagogik der Achtung bietet er keine pädagogischen Rezepte und keine Lösung für Erziehungsprobleme. Erziehen heißt vielmehr: Leben mit Kindern. Gunda Schneider-Flume hat das tägliche Leben mit ihren drei Kindern im Gespräch mit Korczaks Gedanken reflektiert: Es geht dabei nicht um Ideale, die verwirklicht, oder Vorbilder, die erreicht werden müssen, sondern um die Person der Kinder, die so anerkannt werden, dass sie sich selbst entfalten, dass sie fliegen können.
Show Summary Details
Restricted access

VI. Der Glaube an Gott und das Gebet

Extract



1. Der betende Zweifler

„Im Grunde bin ich ein Zweifler, der Riten ablehnt. Aber geblieben ist mir der Glaube an Gott und das Gebet. Beides verteidige ich, da man ohne sie nicht leben kann. Der Mensch kann doch nicht das Produkt blinden Zufalls sein.“ (SW 3,91) Das bekennt Janusz Korczak schon als Schüler 1894, die Religion seiner „gläubigen“ Mitschüler aber lehnt er ab. Freude und Jubel, die er in Erinnerung an Naturerfahrungen im Dank an Gott äußerte, und das Stoßgebet voller Sorge um die Kinder, das er nachts formulierte, bestimmten sein Beten sein Leben lang. Auch darin war er ganz der biblischen Tradition verpflichtet: Menschliche Angst und menschliche Freude sind nicht nur Gefühle im eigenen Inneren, sie müssen laut werden vor einem Gegenüber, vor Gott. Ein System religiöser Gedanken ist dafür nicht notwendig.

Kinder lehren uns beten, wenn sie von Freude überwältigt sind oder wenn sie mit dem unkontrollierten Einbruch von Angst und Leid kämpfen. Können wir mit ihnen die Freude im Jubel äußern oder die Angst zu einem Gegenüber sprechen, rufen, schreien?

2. Der Stoßseufzer

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.