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Abstammungsrecht 2.0

Ein rechtsvergleichender Reformvorschlag vor dem Hintergrund der Methoden der künstlichen Befruchtung

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Marc Alexander Voigt

Im Buch wird das deutsche Abstammungsrecht hinsichtlich der modernen Fortpflanzungsmedizin auf den Prüfstand gestellt. Da der deutsche Gesetzgeber hier sehr restriktive Regelungen getroffen hat, wird von vielen Paaren mit Kinderwunsch häufig der Weg ins Ausland angetreten. Dies führt dazu, dass in Deutschland vermehrt Kinder leben, die durch (hier) verbotene Befruchtungsmethoden gezeugt worden sind. Das deutsche Abstammungsrecht bietet für diese Fälle jedoch keine interessengerechten Regelungen. Der Autor ermittelt den diesbezüglichen Reformbedarf und entwickelt umfassende Vorschläge zur gesetzlichen Neuregelung. Das betrifft sowohl die statusrelevante Zuordnung des Kindes, die statusunabhängige Abstammungsfeststellung als auch Auskunftsrechte.
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bb. Widerspruchsmodell des Auskunftsanspruchs

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bb. Widerspruchsmodell des Auskunftsanspruchs

Angesichts der bestehenden Rechtsunsicherheit ist es angebracht, den Auskunftsanspruch explizit zu regeln.621 Erfolgversprechend erscheint dabei ein Widerspruchsmodell.622 Das Interesse des Kindes an der Kenntnis der Identität des Samenspenders und seine anerkannt große Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung überragen die Interessen der Wunscheltern und des Spenders regelmäßig. Dies ist insbesondere der Fall, weil durch die Hinzuziehung eines Arztes der Zeugungsvorgang von seiner Intimität befreit wird und der bestehende Status zum Wunschvater unberührt bleibt.623 Zudem können sich Spender und Wunscheltern auf ein Auskunftsverlangen des Kindes und die vermeintlichen Folgen einstellen.624 Ihnen ist klar, dass nach geltender Rechtslage das Kind die Vaterschaft des Wunschvaters anfechten könnte und damit auch ein Recht auf Feststellung der Vaterschaft des Spenders hat.625

Verlangt das Kind bereits Auskunft über den leiblichen Vater, sei es von den Eltern oder dem Arzt, ist die Scheinvaterschaft eine bereits bekannte Tatsache, so dass auch das Interesse am Erhalt des Familienfriedens geschmälert ist. Ohnehin gibt § 1598a bereits die Möglichkeit, eine Scheinvaterschaft auch ohne vorherige Verdachtspunkte feststellen zu lassen. Auch aus rechtlicher Sicht ist das Interesse ← 148 | 149 → an der Geheimhaltung der Scheinvaterschaft somit kaum schützenswert. Es liegt daher nahe, einen ausdrücklichen Anspruch so auszugestalten, dass das Kind grundsätzlich von Eltern und Ärzten bzw. einer zentralen Behörde die Auskunft über die Identität des Samenspenders verlangen kann.

Dabei mag es zu Ausnahmefällen kommen, die es rechtfertigen können, dem...

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