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Die Rezeption der europäischen Privatrechte in China und die konfuzianische Tradition

Das Beispiel des Deliktsrechts im frühen 20. Jahrhundert

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Ruomeng Yang

Der Autor verfolgt mit seinem Buch zwei Ziele: Er zeichnet ein Bild der chinesischen Rezeptionsgeschichte am Anfang des 20. Jahrhunderts und spürt darüber hinaus den möglichen Gründen für und Einflüssen auf die Rechtsrezeption nach. Das Deliktsrecht wird von ihm als Musterbeispiel ausgewählt. Neben den Darstellungen zur chinesischen Rechtskultur und zur Rezeptionsgeschichte thematisiert und analysiert er die Interaktion zwischen dem rezipierten europäischen Recht und den chinesischen Elementen. Die Rechtsrezeptionsgeschichte in China, insbesondere die Rezeption des Deliktsrechts, versteht er keineswegs als eine einfache Kopie diverser Vorbilder. Vielmehr stellt sie einen wechselwirkenden Prozess von beiden Seiten dar.
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Kapitel 5: Konkrete Analyse der Rezeption II: Normative Ebene

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I.Subjektives Recht

1.Vom Gemeinwohl zum Schutz der subjektiven Rechte

Es ist deutlich, dass der Begriff „Recht“ eine grundlegende Funktion in der westlichen Kultur erfüllt, allerdings ist zu beachten, dass „Recht“ keine Tatsache im soziologischen oder geschichtlichen Sinne ist, sondern eher eine Wertanschauung, die auf einem gewissen kulturellen Standpunkt basiert. Ein Beweis hierfür sei: In China war der Begriff sogar bis Ende des 19. Jahrhunderts noch fremd.

Vor der Rechtsreform in China war zwar der Begriff fa (法) seit langem in Gebrauch - er stand später im Chinesischen für den westlichen Terminus Recht -, dennoch hatte fa keine Bedeutung in Bezug auf „Rechtsverletzung“ oder „Rechtsschutz“, sondern wies lediglich auf die Handlung der „Rechtswidrigkeit“ hin. Fa entspricht in diesem Sinn nur den strafrechtlichen und verwaltungsrechtlichen Ordnungen. Aus der konfuzianistischen Vorstellung ist die Funktion der staatlichen Rechtsverordnungen hauptsächlich als Vorbeugung, Strafe und sogar Abschreckung, und somit nicht als Schutzmittel der individuellen Privatrechte zu verstehen. Das Rechtssystem ist dementsprechend sehr stark von der Einwirkung auf die Gesellschaft und der Bewertung seitens der Gesellschaft abhängig. Der Norm entsprechen nur die Fälle, die mit vergleichsweise starker sozialer Einwirkung oder bedeutenden sozialen Erkenntnissen einhergehen, sie sollten durch die normativen Ordnungen, also fa, reguliert werden. Demnach liegen die oftmals als geringfügig betrachteten zivilrechtlichen Fälle nicht im Anwendungsbereich der fa, sondern können allein durch das gute Gewissen und die Erfahrung des Richters gelöst werden.257 Diese Vorstellung hat die Verhaltens- und Denkweise...

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