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Der Boxeraufstand in China 1900/1901 als deutscher und französischer Erinnerungsort

Ein Vergleich anhand ausgewählter Quellengruppen

Jean-Jacques Wendorff

Der Autor untersucht die zeitgenössische und die diachrone Wahrnehmung des Erinnerungsorts «Boxeraufstand in China» in zwei europäischen Ländern. Dieses spezielle Ereignis hatte vielfältige soziale Folgen für ein außereuropäisches Land. Einerseits präsentiert das Buch einen klassischen geschichtswissenschaftlichen Vergleich zwischen den vermeintlich ähnlichen Erinnerungsorten zweier Länder. Andererseits bietet es einen innovativen Vergleich, der eine außereuropäische Dimension beinhaltet. Der Autor arbeitet heraus, dass die Ereignisse in Frankreich vornehmlich als kolonialgeschichtliche Episode aufgearbeitet werden. In Deutschland dagegen sind sie bis heute Sinnbild des Militarismus im wilhelminischen Kaiserreich.
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1 Einführung: Der Boxeraufstand

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1. Einführung: Der Boxeraufstand

1.1. Die Ursprünge des Boxeraufstandes

Die Ursprünge und die Motivation der Boxer während des Boxeraufstandes waren lange Zeit nur teilweise erforscht worden. Dank Studien von Paul Cohen und anderen sind wir jetzt wesentlich besser darüber informiert.88

Dennoch ist die Herkunft des Namens „Boxer“ bis heute nicht völlig geklärt. Amerikanische oder englische Missionare hatten, so die erste Erklärung, eine Abkürzung des chinesischen Namens der Bewegung ins Englische übersetzt. Der Name der Bewegung, Yihequan (oder I Ho Ch’uan oder I Ho Tuan), heißt auf Deutsch übersetzt: „Die Fäuste der gerechten Harmonie.“

Der Name „Boxer“ könnte, nach einer zweiten Erklärung, ebenfalls von den besonderen Formen herrühren, die Teil der religiösen Rituale der Mitglieder einiger Widerstandsgruppen waren: Es war eine Art Schattenboxen, welches einige Missionare beobachtet hatten. In ihren Briefen und Berichten wurden dann die Mitglieder dieser vermeintlich neuen chinesischen Sekte als „Boxer“ bezeichnet.

Nach einer weiteren Deutung entstand der Name im Frühjahr 1899, als sich „Götterboxer“ (Shenquan) aus Nordwest-Shandong umbenannten in „In Rechtschaffenheit vereinigte Milizen und Boxer“ (Yihetuan und Yihequan).89

Die Anfänge dieser Bewegung sind ebenfalls nur zum Teil aufgeklärt. Die Boxerbewegung hatte ihren Ursprung in der Gründung von neuen Geheimsekten im Jahre 1808. Diese Sekten formierten sich, obwohl sie lange unterdrückt wurden, in immer neuen Gruppierungen während des gesamten 19....

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