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Der Boxeraufstand in China 1900/1901 als deutscher und französischer Erinnerungsort

Ein Vergleich anhand ausgewählter Quellengruppen

Jean-Jacques Wendorff

Der Autor untersucht die zeitgenössische und die diachrone Wahrnehmung des Erinnerungsorts «Boxeraufstand in China» in zwei europäischen Ländern. Dieses spezielle Ereignis hatte vielfältige soziale Folgen für ein außereuropäisches Land. Einerseits präsentiert das Buch einen klassischen geschichtswissenschaftlichen Vergleich zwischen den vermeintlich ähnlichen Erinnerungsorten zweier Länder. Andererseits bietet es einen innovativen Vergleich, der eine außereuropäische Dimension beinhaltet. Der Autor arbeitet heraus, dass die Ereignisse in Frankreich vornehmlich als kolonialgeschichtliche Episode aufgearbeitet werden. In Deutschland dagegen sind sie bis heute Sinnbild des Militarismus im wilhelminischen Kaiserreich.
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Einleitung

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I. Relevanz des Themas

Im Sommer 1900 wurden in Peking Hunderte von ausländischen Zivilisten und Wachsoldaten sowie mehrere Tausend chinesische Christen für 55 Tage in dem dortigen Gesandtschaftsviertel eingeschlossen.

Die Weltöffentlichkeit wurde täglich durch die Presse, basierend auf wahren und erfundenen Zeugenaussagen, über den angeblich neuesten Stand der Besetzung informiert.

Dieses Ereignis und dessen Auswirkungen auf die Provinzen rund um Peking wurden seitens der westlichen Mächte als Boxeraufstand bezeichnet.

Die Gründe für den Boxeraufstand in Nordchina waren vor allem Ausländerfeindlichkeit seitens vieler Chinesen gepaart mit der Angst der Landbevölkerung vor einer Dürre in dieser Region.2

Infolge der Besetzung der Gesandtschaften in Peking und der ausländerfeindlichen Unruhen in Nordchina entsandten acht Kolonialmächte, darunter Frankreich und Deutschland, im Sommer 1900 Truppen nach China. Diese sollten zuerst die Gesandtschaften befreien und dann den ausländerfeindlichen Aufstand beenden.

Für den deutschen Kaiser Wilhelm II. war die Niederschlagung des Boxeraufstandes nicht nur das wichtigste politische Thema des Parlamentsjahres 1900/01, sondern er betrachtete die Wirren auch als den Beginn des Kampfes Asiens gegen Europa. Er ersetzte sogar den Reichskanzler, Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, durch den redegewandten und ehrgeizigen preußischen Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Graf Bernhard von Bülow, da Wilhelm II. der Meinung war, der 80-jährige Fürst Hohenlohe sei nicht mehr fähig, sich bei den Reichstagsabgeordneten durchzusetzen.

Der Reichstag...

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