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Der errettete Beter

Hans Stadens «Wahrhaftige Historia» (1557) als protestantische Erbauungserzählung und Beispiel lebensbezogener Lutherrezeption

Uwe Schäfer

Der Autor befasst sich mit dem ersten deutschen Brasilienbuch, die «Wahrhaftige Historia» von Hans Staden aus dem Jahr 1557. Seine Untersuchung geht neue Wege der Staden-Interpretation, indem sie die «Wahrhaftige Historia» als protestantisches Erbauungsbuch transparent macht. Sie verdeutlicht, wie der Protagonist während seiner Gefangenschaft bei einem Tupi-Indianerstamm über eine individuelle Konversion zum Glaubensvorbild wird. Die häufigen Gebetszusammenhänge in der «Wahrhaftigen Historia» werden unter Bezugnahme auf die damalige Erbauungsliteratur als besondere Form einer Luther-Rezeption herausgearbeitet. Diese weisen nach Ansicht des Autors das Buch von Hans Staden als ein Beispiel volkstümlicher Glaubensvermittlung der Reformationszeit aus.
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4. Reformatorische Akzentsetzungen in den Gebeten der ‘Wahrhaftigen Historia’

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4. Reformatorische Akzentsetzungen in den Gebeten der ‘Wahrhaftigen Historia’

In einer Tagebuchnotiz hat der dänische Philosoph und Theologe Sören Kierkegaard der Nachwelt folgende Bemerkung hinterlassen: „Damit das Recht der Erkenntnis [über Gott] seine Gültigkeit habe, muß man sich ins Leben hinauswagen, hinaus aufs Meer, und muß seinen Schrei erheben, ob Gott ihn nicht hören wolle; nicht am Strand stehen bleiben und die andern kämpfen und streiten sehen – erst dann bekommt die Erkenntnis ihre wahre Beglaubigung, und es ist in Wahrheit etwas ganz anderes, auf einem Bein zu stehen und Gottes Dasein zu beweisen, oder ihm auf seinen Knien zu danken.“219 Nachdrücklich wird in diesem Wort menschliche Gottesbeziehung nicht als ein zu akzeptierendes Lehrgebäude verstanden, in welchem die transzendente Größe eigenschaftskonform dargelegt wird, sondern sie wird dahingehend erörtert, dass sie sich vorrangig als Lebensvollzug verstehen lässt, normativ verbunden mit einer religiösen Praxisform. Fast unmerklich kommt hier die zwangsläufige Zugänglichkeit zur Religion zum Ausdruck, die auf eine religiöse Teilnahmeperspektive setzt bzw. setzen muss. Religion erschließt sich also nicht in der Weise, dass an eine wissenschaftliche Objektivierungsperspektive im Nachhinein affirmativ angeknüpft wird, sondern sie hat ihren Ausgangspunkt in der Reflexion von einer Innensicht aus der Religion selbst. Nachvollziehbare Erklärungen des religiösen Sprachspiels transformieren insofern „Innenperspektiven zu einer Außenperspektive, die sich von den Innenperspektiven unterscheidet, ihnen aber nicht widerspricht“220. Der hier theologisch nicht völlig auszudeutende Gedankengang Kierkegaards bietet genügend...

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