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Die Partnerschaft im musikalischen Dialog

Von der Geburt der zyklischen Form der Kammermusik mit Klavier (Trio, Quartett, Quintett) bis zu ihrer höchsten Blüte (Borodin, Mahler, Schostakowitsch)

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Jolanta Skorek-Münch

Die Autorin untersucht in ihrem Buch die historische Evolution der Instrumentalmusik, hierbei insbesondere die Rolle des Klaviers. Die Instrumentalmusik entwickelte sich von der Gebrauchsmusik (oder: von der wohl artikulierten Veranschaulichung von Affekten) zum romantischen Paradigma der absoluten Musik und des Verständnisses der Musik, das dem 20. Jahrhundert eigen war. Zur Sprache kommen der Werdegang der Instrumentalmusik als wichtigstem Feld kompositorischer Expression, das charakteristische Verständnis der Kammermusik, ihrer Ästhetik und ihrer Ausführungspraxis sowie der Platz des Klaviers in einem Kammerensemble (von der solistischen Dominanz bis zur Partnerschaft).
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I. Einführung

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Die Geburt der zyklischen Form der Kammermusik mit Klavier (Trio, Quartett und Quintett) hängt mit der Emanzipation der Kammermusik von der Instrumentalmusik zusammen, die von den deutschen Musiktheoretikern der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgelöst wurde. Der im späteren Musikschrifttum allgemein gebräuchliche Begriff Tonsprache erschien in der von den Theoretikern und Musikern der Aufklärung viel beachteten Abhandlung Johann Matthesons Der vollkommene Capellmeister. Mattheson – Verfasser, Komponist, Musikschriftsteller und Diplomat – widmete viel Aufmerksamkeit der Oper. Mitentscheidend dafür war der Umstand, dass die in seiner Heimatstadt Hamburg vom Ende des 17. Jahrhunderts wirkende Oper am Gänsemarkt ein europäisches Renommee genoss. Er bemerkte, dass die Oper sehr häufig eine fiktive Wirklichkeit darstellt, die vom Publikum, das auf der Bühne im Voraus etwas Erfundenes erwartet, akzeptiert wird. Es entsteht also ein besonders gearteter Konsensus des Publikums, das seinen aus der Vernunft gespeisten Skeptizismus für die Zeit der Aufführung vergisst und mit dem Wunderbaren einverstanden ist, da dadurch die Aussagekraft des Gespielten gesteigert wird. Mattheson tadelte jene Theoretiker, die (so wie Dubos und Batteux, auf die ich noch zu sprechen komme) die Quelle des ästhetischen Genusses im Ziehen von Vergleichen zwischen der Wahrscheinlichkeit der Kunst und der Wahrheit der Natur erblickten1.

Die Instrumentalmusik, die von den Romantikern bald als „absolut“ bezeichnet werden sollte (um zu unterstreichen, dass eben sie jene vollkommene und eigentliche sei), nahm man um die Mitte des 18. Jahrhunderts nicht ernst. Noch vor den Pariser Erfolgen der Komponisten...

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