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Die Partnerschaft im musikalischen Dialog

Von der Geburt der zyklischen Form der Kammermusik mit Klavier (Trio, Quartett, Quintett) bis zu ihrer höchsten Blüte (Borodin, Mahler, Schostakowitsch)

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Jolanta Skorek-Münch

Die Autorin untersucht in ihrem Buch die historische Evolution der Instrumentalmusik, hierbei insbesondere die Rolle des Klaviers. Die Instrumentalmusik entwickelte sich von der Gebrauchsmusik (oder: von der wohl artikulierten Veranschaulichung von Affekten) zum romantischen Paradigma der absoluten Musik und des Verständnisses der Musik, das dem 20. Jahrhundert eigen war. Zur Sprache kommen der Werdegang der Instrumentalmusik als wichtigstem Feld kompositorischer Expression, das charakteristische Verständnis der Kammermusik, ihrer Ästhetik und ihrer Ausführungspraxis sowie der Platz des Klaviers in einem Kammerensemble (von der solistischen Dominanz bis zur Partnerschaft).
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II. Klavierquintett und Klavierquartett – Geburt einer Form

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Jean Paul machte die Äußerung, dass die Essenz der romantischen Poesie, die sich nicht in Worte fassen lässt, nur durch die Musik ausgedrückt werden kann8. Sie vermag das, weil sie wortlos ist. Nach der Auffassung von Tieck, die auch Schumann mit ihm teilte, ist die Instrumentalmusik eben deswegen „rein poetisch“, weil sie ihre Unabhängigkeit vom Programm, von jeder Literatur bewahrt, keine Geschichte erzählt und keine Charaktere darstellt. Solche Urteile fanden bald allgemeine Verbreitung. Früh erlebten die Kammermusikformen, die im 18. Jahrhundert unbestritten zur bei verschiedenen Anlässen gespielten Gebrauchsmusik gehörten, eine tiefgehende Änderung.

Nicht minder wichtig als die um die Mitte des 18. Jahrhunderts verbreiteten Ansichten über das Wesen und die Funktion der Musik sind die damals erfolgten Änderungen in der Kammermusik mit Cembalo obligato. Der Verzicht auf den in der Ensemblemusik bisher notwendigen, durch ein Tasteninstrument realisierten Basso continuo erwies sich als durchaus revolutionär – das ermöglichte völlig ungehinderte Entwicklung solcher Formen wie die Symphonie und das Streichquartett. Es ist schwer zu sagen, ob das Verschwinden des Basso continuo ein Schlussergebnis ästhetischer Diskussionen und theoretischer Auseinandersetzungen war. Es ist in diesem Punkt eher Alfred Einstein zuzustimmen, der für den Hintergrund dieses Wandels die Konzertpraxis ansah: die dynamische Entwicklung der Freilichtmusik beziehungsweise die Bedingungen ihrer Realisierung, die die Benutzung des Cembalos erschwerten oder gar nicht zuließen9. Der Ausschluss des Tasteninstruments änderte die gesamte Konzeption der Kammermusik – durch Belebung der Mittelstimmen, ihre stärkere Verselbständigung und ihren...

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