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Die Partnerschaft im musikalischen Dialog

Von der Geburt der zyklischen Form der Kammermusik mit Klavier (Trio, Quartett, Quintett) bis zu ihrer höchsten Blüte (Borodin, Mahler, Schostakowitsch)

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Jolanta Skorek-Münch

Die Autorin untersucht in ihrem Buch die historische Evolution der Instrumentalmusik, hierbei insbesondere die Rolle des Klaviers. Die Instrumentalmusik entwickelte sich von der Gebrauchsmusik (oder: von der wohl artikulierten Veranschaulichung von Affekten) zum romantischen Paradigma der absoluten Musik und des Verständnisses der Musik, das dem 20. Jahrhundert eigen war. Zur Sprache kommen der Werdegang der Instrumentalmusik als wichtigstem Feld kompositorischer Expression, das charakteristische Verständnis der Kammermusik, ihrer Ästhetik und ihrer Ausführungspraxis sowie der Platz des Klaviers in einem Kammerensemble (von der solistischen Dominanz bis zur Partnerschaft).
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IV. Die romantische Klavierkammermusik Die Entfaltung nationaler Stile – Borodin

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Robert Schumann, der ein unerfüllter Pianist war, beschäftigte sich neben der Komposition auch mit der Musikpublizistik (manchmal sehr intensiv). Seine ästhetischen Ansichten entwuchsen aus der Atmosphäre philosophisch-künstlerischer Diskussionen, die im Kreis der deutschen Romantiker geführt wurden, aus emsiger Beobachtung des Konzertlebens und – nicht zuletzt – aus vielfältiger Lektüre35. Indem er von „rein poetischer” Musik (ohne Worttext und ohne jedwedes Programm) sprach, knüpfte Schumann mit Vorliebe an die Instrumentalmusik von Johann Sebastian Bach an, die für ihn „reine Tonkunst” war: „Die reine Vokalmusik sollte wohl ohne Begleitung der Instrumente sich in ihrer eignen Kraft bewegen, in ihrem eigentümlichen Elemente atmen; so wie die Instrumentalmusik ihren eignen Weg geht, und sich um keinen Text, um keine untergelegte Poesie kümmert, für sich selbst dichtet und sich selber poetisch kommentiert”36. Gleichzeitig bekämpfte Schumann konsequent den Typ der Virtuosität, der sich vom Stile Brillante herleitete und der in jener Epoche von Herz und Kalkbrenner vertreten wurde. Schumanns Widerspruch bezog sich besonders auf die Kammermusik.

Eine mittlere Stufe zwischen dem Jugendschaffen für Soloklavier und der Klavierkammermusik sind die Phantasiestücke op. 88 für Klavier, Violine und Violoncello, die Schumann bereits im Jahr 1842 schrieb, aber erst acht Jahre später publizierte. Anfangs plante er, sie ein Klaviertrio zu nennen, er änderte aber die Absicht, weil die Werke faktisch nicht an analoge Formen bei Beethoven oder Schubert erinnern. Die Phantasiestücke op. 88 haben vielmehr eine Verbindung zu den...

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