Show Less
Restricted access

Der Kampf um den öffentlichen Raum

Prozessionen, Wallfahrten, Feierlichkeiten bei Bischofsbesuchen, Papstfeiern und sonstige religiöse Feste im nördlichen Rheinland während des Kulturkampfes

Volker Speth

Das Buch leistet einen Beitrag zur Geschichte des Kulturkampfes im nördlichen Rheinland (Regierungsbezirke Düsseldorf, Aachen und Köln) und zur Geschichte des Grundrechts auf öffentliche kollektive Religionsausübung. Der preußische Staat beschnitt im Kulturkampf (1871–1887) das schon in der preußischen Verfassung von 1850 verbürgte Recht, seinen Glauben und seine Kirchenverbundenheit auch gemeinschaftlich in der Öffentlichkeit zu bekunden, indem er religiöse Kulte und Feiern teils partiell, teils vollständig aus dem öffentlichen Raum zu verbannen suchte. Konkret geht es um die Reglementierung und Einschränkung von Prozessionen und Wallfahrten, von Ehrungsfeierlichkeiten für Bischöfe, von Papstfeiern und von sonstigen religiösen Festen und Großereignissen.
Show Summary Details
Restricted access

5. Papstfeiern

Extract



Seit Mitte des 19. Jahrhunderts bildete sich eine hochemotionale Papstverehrung aus, die sich in Solidaritätsadressen, in Geldspenden (z.B. Peterspfennig), in vermehrten Romwallfahrten, in der Verbreitung von Papstbildnissen und nicht zuletzt in Feierlichkeiten anlässlich von Papstjubiläen artikulierte.1 Befördert wurde dieses neuartige Phänomen der Papstdevotion durch die Sakralisierung der im Papsttum gipfelnden hierarchischen Kirchenverfassung, die auf dem 1. Vatikanischen Konzil mit der Dogmatisierung des Jurisdiktionsprimats und der Lehrunfehlbarkeit kulminierte, durch die säkulare Bewegung des Ultramontanismus, der die Papstzentrierung der Kirche und des Glaubenslebens betrieb, durch eine Welle der Solidarität für den ‚Gefangenen im Vatikan‘, die nach dem Verlust des Kirchenstaats die katholische Bevölkerung erfasste, und schließlich durch die charismatische Persönlichkeit des Papstes Pius IX. (1846–1878) selbst, der auf die in wachsender Zahl nach Rom strömenden Gläubigen eine große Faszination ausübte. Der Papst galt als Inkarnation und Medium des Übernatürlichen, als Zentrum der Kirche und Garant der Kircheneinheit, als Sicherheit und Gewissheit gewährender Fels in der Zeitenbrandung und als Hort von Autorität und Stabilität in einer traditionssprengenden Epoche revolutionärer Umbrüche. Die daraus resultierende schwärmerische Papstverehrung wurde zu einem Kernelement der katholischen Volksfrömmigkeit und zu einem zentralen Identitäts- und Integrationsfaktor des Katholizismus. Dieser Papstkult manifestierte sich wie gesagt in prominenter Weise in den Feierlichkeiten anlässlich von Papstjubiläen, die während des Pontifikats Pius IX., das hier fast ausschließlich relevant ist, immer im Juni jeden...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.