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Der Kampf um den öffentlichen Raum

Prozessionen, Wallfahrten, Feierlichkeiten bei Bischofsbesuchen, Papstfeiern und sonstige religiöse Feste im nördlichen Rheinland während des Kulturkampfes

Volker Speth

Das Buch leistet einen Beitrag zur Geschichte des Kulturkampfes im nördlichen Rheinland (Regierungsbezirke Düsseldorf, Aachen und Köln) und zur Geschichte des Grundrechts auf öffentliche kollektive Religionsausübung. Der preußische Staat beschnitt im Kulturkampf (1871–1887) das schon in der preußischen Verfassung von 1850 verbürgte Recht, seinen Glauben und seine Kirchenverbundenheit auch gemeinschaftlich in der Öffentlichkeit zu bekunden, indem er religiöse Kulte und Feiern teils partiell, teils vollständig aus dem öffentlichen Raum zu verbannen suchte. Konkret geht es um die Reglementierung und Einschränkung von Prozessionen und Wallfahrten, von Ehrungsfeierlichkeiten für Bischöfe, von Papstfeiern und von sonstigen religiösen Festen und Großereignissen.
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6. Besondere religiöse Feste und Großereignisse

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In diesem Kapitel soll analysiert werden, wie der Staatsmacht während der Hochphase des Kulturkampfes mit besonderen religiösen Festen und Großereignissen umging, welche Menschenmassen anzogen und zusammenführten.

a) Die Kevelaerer Bittfahrt vom 6. Oktober 1873

Nachdem bereits am 5. Oktober 1871 eine Wallfahrtsfeier in Kevelaer stattgefunden hatte, die rund 20.000 Pilger angelockt hatte,1 rief zwei Jahre später ein Festkomitee in mehreren Zeitungsinseraten erneut zum Wallfahren nach Kevelaer auf, wo am 6. Oktober 1873 eine große Feier mit Festmessen, Andachten und einer Prozession durch den Ort stattfinden sollte.2 Die davon alarmierte Regierung ← 655 | 656 → Düsseldorf forderte vom zuständigen Landrat von Geldern einen Bericht an und instruierte ihn, die außerordentlichen und daher wegen ihrer Nichtherkömmlichkeit genehmigungsbedürften Prozessionen pp. vorläufig nicht zu gestatten.3 Der Bürgermeister von Kevelaer, Cremeren,4 gab die gewünschten Auskünfte über die personelle Zusammensetzung des Festkomitees, das illustre Persönlichkeiten aus der niederrheinischen katholischen Hautevolee versammelte, und über den zu erwartenden Ablauf der Feier, zu welcher voraussichtlich wie schon 1871 hohe kirchliche Würdenträger und viele Menschen, hauptsächlich Tagesgäste aus der näheren Umgebung, kommen würden.5 Obwohl Landrat v. Eerde sich für ← 656 | 657 → die Duldung des Wallfahrtsfestes einsetzte,6 gebot die Regierung Düsseldorf nun definitiv den Ortspolizeibehörden, sowohl allen anlässlich der Feier beabsichtigten Wallfahrtszügen nach Kevelaer wie der geplanten großen Festprozession in Kevelaer selbst die nachzusuchende Genehmigung ausnahmslos...

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