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Der Kampf um den öffentlichen Raum

Prozessionen, Wallfahrten, Feierlichkeiten bei Bischofsbesuchen, Papstfeiern und sonstige religiöse Feste im nördlichen Rheinland während des Kulturkampfes

Volker Speth

Das Buch leistet einen Beitrag zur Geschichte des Kulturkampfes im nördlichen Rheinland (Regierungsbezirke Düsseldorf, Aachen und Köln) und zur Geschichte des Grundrechts auf öffentliche kollektive Religionsausübung. Der preußische Staat beschnitt im Kulturkampf (1871–1887) das schon in der preußischen Verfassung von 1850 verbürgte Recht, seinen Glauben und seine Kirchenverbundenheit auch gemeinschaftlich in der Öffentlichkeit zu bekunden, indem er religiöse Kulte und Feiern teils partiell, teils vollständig aus dem öffentlichen Raum zu verbannen suchte. Konkret geht es um die Reglementierung und Einschränkung von Prozessionen und Wallfahrten, von Ehrungsfeierlichkeiten für Bischöfe, von Papstfeiern und von sonstigen religiösen Festen und Großereignissen.
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7. Gesamtbilanz

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1. Für den Staat bedeutete der Kampf um den öffentlichen Raum ein Machtkampf mit dem Ziel, Lebensäußerungen der als staatsgefährliche Herrschaftskonkurrentin und volksaufwieglerische Rebellin dämonisierten katholischen Kirche aus der Sichtbarkeit des öffentlichen Raums in die Unsichtbarkeit von geschlossenen Räumen abzudrängen. Dem Staat galt der öffentliche Raum als Schlachtfeld, auf dem zwei miteinander konfligierende Kultur- und Gesellschaftsgestaltungsmächte mit ähnlichen Letztgeltungsansprüchen, aber unvereinbaren Leitwerten und Zielen um Vorherrschaft ringen, wobei es für den Staat darauf ankam, zwecks Wahrung seiner Autonomie und Suprematie durch entschlossenen Einsatz der staatlichen Machtmittel in Form von Legislation, Justiz und Polizei den bedrohlichen Gegner zu bezwingen. In heute kaum mehr nachvollziehbarer Weise wähnte sich der Staat in einem aufgedrungenen Existenzkampf gegen eine staatssubversive, reichsaversive, fortschrittsblockierende, volksmanipulierende, religionspervertierende Hydra, welche durch die Okkupierung des öffentlichen Raums ihre usurpatorischen Allmachtsambitionen in staatsverhöhnender Weise zu demonstrieren und zu realisieren sucht. Zum Schutz der gefährdet geglaubten Staatsautorität und -souveränität dieses panverschwörerische Monster durch die Rückeroberung der öffentlichen Sphäre zu depotenzieren und diese anschließend für die Symbolisierungen des nationalstaatlichen Wertekanons zu reservieren, avancierte im Kulturkampf zum Staatsziel. Für den Staat ging es konkret um die Frage, ob im öffentlichen Raum Reichsfahnen oder päpstliche Fahnen hängen, ob dort Prozessionen von Gläubigen oder Paraden von Truppen und Kriegervereinen stattfinden, ob Fackelzüge, Illuminationen und Feuerwerke einem staatlichen oder einem kirchlichen Würdenträger gelten, ob öffentliche Huldigungen dem...

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