Show Less
Restricted access

Ästhetik des Schwingens

Series:

Peter Zajac

Das Thema der Monographie sind nichtlineare Prozesse, Oszillationen, Resonanzen, Pulsierungen und Schwingungen in Literatur und Kultur, die Edmund Burke als sublim und Immanuel Kant als erhaben bezeichnet haben und für die Walter Benjamin den Begriff der Jetztzeit, Theodor W. Adorno der apparition und Karl Heinz Bohrer den der Plötzlichkeit verwenden. Es handelt sich dabei oft um latente Prozesse, wie sie Hans Ulrich Gumbrecht beschrieb, da diese die allerfeinsten Differenzen reflektieren. Diese unmerklichen Bewegungen und Nuancen sind spezifisch für jene Impulse, welche das epiphane Wesen der Ästhetik des Schwingens verkörpern. In literarischen Ereignissen handelt es sich um synoptische Prozesse und Interferenzen. Von ihnen führt der Weg zum zeitgenössischen Begriff des Erhabenen und zur Ästhetik des Schwingens bzw. zur interferentiellen Ästhetik, die zu Schlüsselbegriffen dieser Publikation wurden.
Show Summary Details
Restricted access

Ästhetik des Schwingens – eine Antwort auf die Avantgarde-Ästhetiken des 20. Jahrhunderts?

Extract



Die moderne Geschichte der Ästhetik beginnt, ebenso wie jene der modernen Kunst, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit einer Aufspaltung der klassischen Ästhetik der Schönheit, die das 19. Jahrhunderts bestimmt hatte. Baldine Saint Girons beginnt ihre Betrachtung über die Risiken des Hässlichen und die Verstörung aus der Ruhe der Schönheit mit einem Zitat aus de Sades „Hundertzwanzig Tagen von Sodom“:

Schönheit, Frische beeindrucken nur einfache Gemüter; Hässlichkeit, Verkommenheit schlagen viel heftiger zu, der Zusammenprall ist um vieles kräftiger, und die Verstörung fällt umso lebhafter aus (zit. nach Zuska 2003, 283).

Friedrich Schlegel nannte diese Aufspaltung Ironie im Sinne eines selbstreflexiven Phänomens der Verdopplung des Subjekts hin zu einem handelnden und einem betrachtenden Subjekt. Dessen spezifische Form bildet die Ästhetik des Grotesken, so wie sie Victor Hugo in seiner „Einleitung zu Cromwell“ formulierte (Jauß 1977, 385). Hässlichkeit und Abscheu sind mit dem begrifflichen Ausdruck der „nicht mehr schönen Künste“ und mit Heinrich Heine verknüpft. Den grundsätzlichen Wandel bei der Entstehung der modernen Ästhetik stellte jedoch Charles Baudelaires Konzept von einer Ästhetik des ← 11 | 12 → Hässlichen dar. Er setzte sie in Gegensatz zu einer Ästhetik des Schönen als deren Gegenteil, Kehrseite, Revers. Dabei ist die Ästhetik des Hässlichen untrennbar mit der Ästhetik des Schönen verbunden wie deren abgewandtes Gesicht; so wie romantische Ruinen einer Burg die abgewandte Seite der klassischen Geometrie eines Schlosses...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.