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Ästhetik des Schwingens

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Peter Zajac

Das Thema der Monographie sind nichtlineare Prozesse, Oszillationen, Resonanzen, Pulsierungen und Schwingungen in Literatur und Kultur, die Edmund Burke als sublim und Immanuel Kant als erhaben bezeichnet haben und für die Walter Benjamin den Begriff der Jetztzeit, Theodor W. Adorno der apparition und Karl Heinz Bohrer den der Plötzlichkeit verwenden. Es handelt sich dabei oft um latente Prozesse, wie sie Hans Ulrich Gumbrecht beschrieb, da diese die allerfeinsten Differenzen reflektieren. Diese unmerklichen Bewegungen und Nuancen sind spezifisch für jene Impulse, welche das epiphane Wesen der Ästhetik des Schwingens verkörpern. In literarischen Ereignissen handelt es sich um synoptische Prozesse und Interferenzen. Von ihnen führt der Weg zum zeitgenössischen Begriff des Erhabenen und zur Ästhetik des Schwingens bzw. zur interferentiellen Ästhetik, die zu Schlüsselbegriffen dieser Publikation wurden.
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Jetztzeit, Apparition, Plötzlichkeit

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I

In der Diskussion über die gegenwärtige Gestalt der Ästhetik des Erhabenen taucht in unterschiedlichen Begriffskategorien immer wieder das gemeinsame Moment eines plötzlichen und sofort vergehenden epiphanischen Aufblitzens oder Erstrahlens auf. Dieses Phänomen hat unterschiedliche kulturelle Wurzeln. In der christlichen mythischen Tradition heißt es Erleuchtung, im Zen-Buddhismus Satori, in der Naturwissenschaft Fulguration.

In der philosophischen Tradition Martin Heideggers wird dafür der Begriff des Schwingens verwendet, in der Tradition Georg Wilhelm Friedrich Hegels der Begriff der Interferenzen, Karl Heinz Bohrer bevorzugt den Ausdruck Plötzlichkeit, Zdeněk Mathauser nennt es Funkeln, ich selbst gebrauche den Begriff des Pulsierens und beim Übergang von literaturtheoretischen zu ästhetischen Kategorien den des Schwingens.

Dieser Begriff hat in der Ästhetik des 20. Jahrhunderts mehrere Dimensionen. In erster Linie bedeutet er ein gewisses Misstrauen gegenüber der Form des Erhabenen in der Ästhetik Immanuel Kants und Friedrich Schillers im 19. Jahrhundert. Er drückt die Überzeugung aus, dass das Erhabene – wenn überhaupt – nicht die Gestalt des natürlich oder historisch Überwältigenden ← 21 | 22 → oder Majestätischen hat, sondern etwas plötzlich Auftauchendes und gleich wieder Vergehendes ist, wie Karl Heinz Bohrer es in der folgenden Formulierung ausdrückte:

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