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Prostranstvo

Intimer und öffentlicher Raum, Kosmos und Chaos in der russischen Literatur

Erich Poyntner

Das Buch befasst sich mit dem Thema «Raum in der Literatur» im russischen Sprachraum. Dabei stellt der Autor klar, dass Raumvorstellungen kulturell determiniert sind. Sie prägen die Struktur künstlerischer Texte wesentlich und geraten dabei nicht selten in Konflikt mit empirischen Raumkonstruktionen. Bei der Rezeption ist dieser Konflikt ebenso wichtig wie der zwischen unterschiedlichen kulturellen Raumkonzepten. Die vorliegende Auseinandersetzung mit dem Phänomen beginnt beim altrussischen Igorlied und endet bei Viktor Pelevin und Sergej Luk´janenko.
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4. Übersicht: Ausgewählte Text und ihre Raumstruktur

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In die folgende Übersicht wurden einige Texte aufgenommen, die für das vorliegende Theme von Relevanz sind. Freilich ließe sich diese Tabelle beliebig verlängern.



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Aus der Übersicht und den ihr zugrundeliegenden Analysen geht wenig überraschend hervor, dass die Mehrzahl der (als paradigmatisch ausgewählten) künstlerischen Texte in erster Linie mimetische, symbolische oder phantastische Raumstruktur aufweist.

Die mimetische Raumstruktur beruht auf einem unausgesprochenen Übereinkommen zwischen Autor und Rezipient, dass ihre Raumwahrnehmung ähnlich oder gleich ist. Raumdarstellungen erweitern in diesem Fall die Erfahrung des Rezipienten, der die Wahrhaftigkeit dieser Raumdarstellungen nicht in Frage zu stellen Ursache hat. So beschreibt Puškin die Räume in „Evgenij Onegin“ oder Lermontov den Kaukasus in „Geroj našego vremeni“, so wird Moskau in Irina Denežkinas Roman „Daj mne“ dargestellt. Der Autor kann in diesem Fall mit ← 39 | 40 → einigen wenigen Motiven eine Raumvorstellung hervorrufen, er kann aber auch eine detaillierte Raumbeschreibung durchführen, wie das etwa die großen russischen Realisten tun oder auch Gegenwartsautoren wie Makanin oder Astaf’ev.

Die symbolische Raumstruktur arbeitet mit der symbolischen und konnotativen „Aufladung“ von Orten. Die Verwendung der Semantik des genius loci ist seit Anbeginn literarischer Produktion wesentliche Quelle für Vielschichtigkeit. Man denke an die vielen Lindenbäume, unter denen ein klassischer locus amoenus zu finden ist (Walther von der Vogelweide, „Unter den Linden“, J. Müller, „Lindenbaum“ usw.) oder die „kahlen...

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