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Wissen, Medium und Geschlecht

Frauenzimmer-Studien zu Lexikographie, Lehrdichtung und Zeitschrift

Series:

Nikola Roßbach

Das Buch will dem Zusammenhang von Wissen, Medium und Geschlecht genauer auf die Spur kommen. Die Autorin unternimmt eine neue Betrachtung der Wissensmedien des 18. Jahrhunderts – Lexika, Lehrbücher, Zeitschriften – unter geschlechterhistorischen Gesichtspunkten. Im Einzelnen geht es um:
• das weibliche «Versehen» im lexikographischen Diskurs (von Hübner bis Krünitz)
• textinterne Leserinnenkonzepte in der Frauenzimmer-Lexikographie (Corvinus)
• weibliche Gelehrsamkeit und Kulturtransfer (Fontenelle)
• Geschlechter-Räume in der Lehrdichtung (Zäunemann)
• mediale Präsenz und Produktion weiblicher Autorschaft im Medium der Gelehrtenzeitschrift (Zäunemann und die Hamburgischen Berichte)
• Bildungskonzepte und Mediokrität in spätaufklärerischen Frauenzeitschriften (La Roches Pomona, Frauenzimmerbibliothek).
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VI. Mediale Präsenz, mediales Produkt: „die berühmte thüringische Tichterin, die Jungfer Zäunemannin“ in den Hamburgischen Berichten von neuen Gelehrten Sachen

VI.Mediale Präsenz, mediales Produkt: „die berühmte thüringische Tichterin, die Jungfer Zäunemannin“ in den Hamburgischen Berichten von neuen Gelehrten Sachen

1.Kohl und seine Blätter

Im Jahr 1732 erschien in deutschen Landen eine neue Gelehrtenzeitschrift: die Hamburgischen Berichte von neuen Gelehrten Sachen, im Nebentitel als Hamburgische Berichte von Gelehrten Sachen bezeichnet und schließlich von 1738 bis 1757 als Hamburgische Berichte von den neuesten Gelehrten Sachen weitergeführt. Ein recht langlebiges Periodikum also, das sich laut Titel aus einem täglichen, beglaubten Briefwechsel mit in- und auswärtigen Gelehrten speiste und Zur Beforderung der Wissenschaften mit unpartheyischer Feder erteilet wurde. Mit den ersten Zeilen schließt es ausdrücklich an frühere Gelehrtenzeitschriftenprojekte an. Die No. I der Hamburgischen Berichte wird wie folgt eröffnet:

Hamburg, den 2. Januar.

Geneigter Leser!

Man machet hiemit den Anfang, dasjenige, was bereits vor einem Viertel Jahr in einem, hierüber gemein gemachten Entwurf versprochen worden, in der That zu liefern; mithin diejenigen gelehrten Berichte, die man in dem nunmehr abgewichnen 1731sten Jahre, dem Geneigten Leser unter dem Titel, der, nunmehro ihrem vorigen Herrn Verfasser wieder anheim gegebenen, und die ersten zwey Jahre, (nemlich von 1729 biß 1731.) von ihm verfertigten Niedersächsischen Zeitungen, und Nachrichten von Gelehrten Sachen, mitzutheile die Ehre gehabt, unter dieser neuen Aufschrifft fortzusetzen. Man kan nicht leugnen, daß aller angewandten Behutsamkeit und Sorgfalt ohngeachtet, darin verschiedenes, sowol was die Richtigkeit des Abdrucks, als die Nachrichten selbst und deren Beschaffenheit anlanget, besser hätte seyn können. (Hamburgische Berichte 1732, S. 1 f.)

Herausgeber des neuen Journals war Johann Peter Kohl (1698–1778), ein Theologe, der nach einer Zeit in Sankt Petersburg seinen Wirkungskreis in Hamburg fand, als äußerst umtriebiger Privatgelehrter. Er korrespondierte viel, gab Journale und Anthologien heraus und verfasste theologische Traktate auf Latein und Deutsch sowie Gelegenheitstexte bei Trauerfällen. Im Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart findet sich unter Nr. 2013 ein zehn Seiten umfassender Artikel zu Kohl, der vor allem eine ausführliche ← 139 | 140 → Bibliographie seiner Schriften enthält. Kohls Lebensgeschichte wird kurz und bündig präsentiert:

Studirte zu Kiel u. Rostock, ward 1725 Prof. der Kirchengeschichte u. der schönen Wissenschaften bei der Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg, erhielt aber, weil ihm das dortige Klima nicht zuträglich war, (nach andern Berichten: weil er sich in die Kaiserin Elisabeth I. verliebt u. ihr öffentlich seine Liebe erklärt hatte) 1728 die gesuchte Entlassung mit einer lebenslänglichen Pension von 200 Rubeln, privatisirte dann viele Jahre zu Hamburg u. seit 1768 (1771?) zu Altona, wo er am 9. Octbr. 1778 Nachts 12 Uhr an der Brustkrankheit starb. (anonym 1866, S. 136)

Der Verfasser des Kohl-Artikels in der Allgemeinen Deutschen Biographie erklärt, Kohl sei „ein sehr fleißiger Schriftsteller auf den verschiedensten Gebieten“ gewesen, am wichtigsten seien seine slawistischen Verdienste, die theologischen hingegen fast vergessen. Außerdem habe er gewisse Bedeutung erlangt „als Herausgeber verschiedener periodischer Schriften, wie der ‚Niedersächsischen Nachrichten‘, 1731, der ‚Hamburgischen Berichte von neuen Gelehrten Sachen‘, 1732–1759 (die sog. ‚Kohlblätter‘), der ‚Hamburgischen vermischten Bibliothek‘, 1743–45, des ‚Gesammelten Briefwechsels der Gelehrten‘, 1750–52 u.v.A.“ (Hoche 1882, S. 425).

Kohl verstand sich als Wissens- und Wissenschaftspopularisator, der die „sich mehr und mehr häuffenden gelehrten Neuigkeiten“ (Hamburgische Berichte 1732, S. 3) einer größeren Leserschaft mitteilen wollte. Davon zeugen auch Titel wie seine Hamburgische vermischte Bibliothek worinnen zur Aufnahme der Wissenschaften, Kunste und Sprachen allerhand neue Entdeckungen u. Gedancken, so Insonderheit der h. Schrift und der weltlichen Schribenten eine näheres Licht geben, nebst nuzlichen ungedrukten Briefen, mitgeteilet werden (Hamburg 1743–1745). Das Format der Gelehrtenkorrespondenzpublikation hat Kohl offenbar besonders gereizt: 1750/51 gab er den Gesammelten Briefwechsel der Gelehrten, die zum Wachsthum der Wissenschaften […] in eine so genannte correspondirende Gesellschaft zusammengetreten heraus, ein Jahr später den Gesammelten Briefwechsel, über die in den gelehrten Geschichten annoch strittige curiöse Frage: Ob vor der Ausgabe der Locorum Theologicorum Philippi Melanchthonis, vom Jahr 1521 eine andere, von ihm vielleicht unterdrückte, vorher gegangen sey? (1752).

2.Die Dichterin und ihr Medium

In die Kategorie der publizierten Gelehrtenkorrespondenz fallen auch die zwanzig Jahre zuvor von Kohl initiierten Hamburgischen Berichte von neuen Gelehrten Sachen. Jene so genannten ‚Kohl-Blätter‘ wurden für eine junge Schriftstellerin ganz besonders wichtig, Sidonia Hedwig Zäunemann. Johann Peter Kohl korrespondierte nämlich nicht nur mit gelehrten Männern, ← 140 | 141 → sondern auch mit gelehrten Frauen (Wiebold 1990) – die Erfurterin nimmt hier eine herausragende Position ein. Und eigentlich ist es gar nicht so klar festzustellen, wer hier für wen wichtiger war: das Journal für die Dichterin oder die Dichterin für das Journal. Im Jahr 1737, dem Höhepunkt der intensiven Zusammenarbeit beider, erweist der Herausgeber seiner Beiträgerin eine respektvolle Reverenz, nicht ohne die Gegenseitigkeit ihrer produktiven Kooperation zu betonen:

Wir staten indessen der berühmten Urheberin für dieses öffentliche Zeugnis ihrer hohen Wolgewogenheit unsere tiefergebenste Danksagung ab, und wie wir uns und unseren Berichten Deroselben gelehrten Briefwechsel, und hoch zu schätzende Wolneigung fernerhin gehorsamst ausbitten, also erbieten und verpflichten wir uns hiemit zu allen unterthänigen Gegendiensten. (Hamburgische Berichte 1737, S. 47)

Das Konzept einer zunehmend bekannter werdenden Dichterin ist in den Hamburgischen Berichten chronologisch nachzuvollziehen: Aus „unserer munteren Dichterin“ wird die „durch ihre fertige Poesie täglich berühmter werdende Jungfr. Sidonia Hedwig Zäunemannin, käiserl. gekrönte Poetin“ (Hamburgische Berichte 1734, S. 713; 1739, S. 757). Mehrfach schaffte Zäunemann es auf die Seite 1 der Hamburgischen Berichte: Die erste Meldung der „No. LXVII vom 29. August 1738“ berichtet vom Besuch Zäunemanns bei den Jenaer Professoren, „mit deren iedem Sie aus seinem Scibili oder Wissenschaft, die er öffentlich lehret, sehr geschickt, munter, und beredt zu discuriren wuste“ (Hamburgische Berichte 1738, S. 581), sowie vom Plan eines Gothaer Medailleurs, eine Gedenkmünze ihr zu Ehren zu fertigen. Und auch der Zäunemann-Nachruf steht ganz zu Anfang der No. XVII des Jahres 1741.

War Sidonia Hedwig Zäunemann tatsächlich so bekannt, wie die Hamburgischen Berichte es behaupten? Dies wäre genauer zu prüfen. Wie weit ging der literarische Ruhm der Erfurterin? Inwieweit wurde er vielleicht nur von einer Gelehrtenzeitschrift behauptet, die sich so mit einer berühmten – oder auch berühmt geredeten – Korrespondentin schmücken konnte? Immerhin ging Zäunemanns Netzwerk kaum über das Dreieck Erfurt/Weimar/Jena hinaus. Bei den Gottscheds in Leipzig klopfte sie mehrfach vergeblich an, und auch die kaiserliche Dichterkrönung in Göttingen sollte, wie zeitgenössische Dichterkrönungen allgemein, in ihrer Bedeutung nicht überschätzt werden: Vielleicht war sie doch eher nur ein artiges Dankeschön der jungen Universität für ein schmeichelndes Lobgedicht auf die akademische Neugründung? „Als auf höchstem Befehl des Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten Fürsten und Herrn, Herrn GEORGS II. Königs von Groß-Brittannien, Frankreich und Irrland, Beschützers des Glaubens, Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg, des Heil. Römischen Reichs Erz-Schatzmeisters und Churfürstens ec. die von Höchst-Denenselben neu-aufgerichtete Academia Georg-Augusta in ← 141 | 142 → Göttingen den 17. Sept. 1737. prächtig eingeweyht worden. Besang diesen neuen Parnaß mit unterthänigsten Lippen“ (Zäunemann 1738, S. 453) … Sidonia Hedwig Zäunemann.

Die Forschung spricht zwar von einer zunehmenden Bekanntheit Zäunemanns durch die Krönung, immerhin erst die zweite Dichterinnenkrönung überhaupt nach der Ehrung Christiane Marianne von Zieglers durch die Universität Wittenberg. Lippert schreibt 1898: „Die litterarischen Kreise Deutschlands nahmen lebhaft Theil an dem seltenen Ereignisse; man feierte es überschwänglich, selbst Denkmünzen wurden, nach der Sitte der Zeit, darauf geschlagen […].“ (Lippert 1898, S. 725) Allerdings sind es doch wieder, vor allen anderen Medien, die Kohl-Blätter, die die Krönung Zäunemanns ausführlich beschreiben bzw. diskursivieren – und die damit womöglich eine Berühmtheit der Dichterin erst generieren. Berdt weist zwar auf einen anonymen Druck zur Krönung hin, der sich im Göttinger Stadtmuseum befinde, sowie auf einen weiteren Zeitschriftenartikel im Regenspurger Beytrag Historischer Nachrichten (Berdt 1977, S. 215 f.). Doch war es wirklich so, dass hohe Herren und große Gelehrte in ganz Deutschland Zäunemanns Bekanntschaft gesucht hätten? Das behauptet der verklärende Nachruf auf die früh Verstorbene – in den Hamburgischen Berichten.

Außerhalb jener norddeutschen Gelehrtenzeitschrift, die der Erfurter Dichterin mediale Präsenz verschaffte und die dadurch selbst mediale Präsenz gewann, lassen sich wenige Spuren und Belege einer realen Berühmtheit Zäunemanns finden.

3.Die Texte von und über Zäunemann

Im Folgenden werden sämtliche Beiträge in den Hamburgischen Berichten, die sich auf Zäunemann beziehen, von ihr verfasst wurden oder von ihr handeln, nach der Reihenfolge ihres Erscheinens abgedruckt. Die Gelehrtenzeitschrift bietet Auszüge aus den Briefen der Dichterin und aus neu publizierten Gedichten, Ereignisberichte – etwa zur Dichterkrönung und zum Besuch Zäunemanns in den Jenaer Gelehrtenkreisen –, Buchankündigungen und Gelegenheitstexte zu Ehren Zäunemanns bis hin zum ausführlichen Nekrolog am Ende.

Ab dem dritten Jahrgang, 1734, taucht Zäunemann in den Hamburgischen Berichten als Korrespondentin und Verfasserin auf, zunächst 1734 und 1735 nur mit jeweils einem Beitrag, dann in den Jahren 1736 und 1737 mit jeweils sieben, zum Teil umfangreichen Beiträgen. Der Jahrgang 1738 weist drei, 1739 zwei Texte auf, 1740 keinen. 1741 schließlich erscheint der ausführliche Nachruf.

Der folgende Abdruck erfolgt nach Autopsie der Quellen und orientiert sich eng am Original. Hervorhebungen werden durch Kursivierung markiert, ← 142 | 143 → doppelte Hervorhebungen durch zusätzlichen Fettdruck. Druckfehler werden beibehalten. Unleserliche bzw. fragliche Stellen werden mit [?] markiert, ggf. mit Benennung des Fraglichen in den Klammern. Die Tilde über m wird aus drucktechnischen Gründen als m~ dargestellt. Umlaute mit klein überschriebenem e über den Vokalen a, o, u werden als ä, ö, ü dargestellt.

Eine Deutung und Kommentierung des Abdrucks unterbleibt. Nur eine Beobachtung sei vorweg notiert, und zwar eine durchaus verblüffende. Am bemerkenswertesten nämlich erscheint an dieser medialen Präsenz und Präsentation von Autorinnenschaft, an dieser wechselseitigen Inszenierung von ‚Bedeutung‘ einer Zeitschrift und einer Dichterin das, was abwesend ist. In den Hamburgischen Berichten existiert kein Begleitdiskurs zum Schreiben Zäunemanns, der dieses in die brisante Thematik von Wissen und Geschlecht, von Frauen, Bildung und Gelehrsamkeit einrücken würde. Ein Begleitdiskurs, den andere zeitgenössische und spätere Rezeptionszeugnisse und dann auch Forschungsbeiträge zu Zäunemann ausnahmslos bedienen.

An keiner Stelle findet sich in den Hamburgischen Berichten über Zäunemann beispielsweise eine Begründung, warum auch eine Frau gelehrt sein dürfe: ausnahmsweise, zuweilen, ohne Beeinträchtigung der Erfüllung ihrer weiblichen Pflichten etc. Ebensowenig liefern sie eine entschuldigende Erklärung dafür, dass eine Frau in ein Bergwerk einfährt; ohne Einschränkung werden die zeitgenössisch als skandalös wahrgenommene Tat und ihre Bedichtung gerühmt. Auch die thematische Übergriffigkeit einer weiblichen Autorin auf männlich kodierte Themen und Genres – Militär, Jagd, Satire – wird nicht problematisiert oder gegebenenfalls verteidigt. Und schließlich: Der unverkennbare Stolz des Blattes auf den Kontakt zu Zäunemann bezieht sich nicht etwa auf eine gelehrte Frau im Sinne einer weiblichen Ausnahmeerscheinung – die erwartbare Anspielung auf Laura Bassi (1711–1778) steht bezeichnenderweise in einem abgedruckten Lobgedicht eines anderen Beiträgers. Er bezieht sich auf eine anerkannte Persönlichkeit des literarisch-kulturellen Lebens, deren Geschlecht nicht maßgeblich erscheint. Tatsächlich scheint es in der Zäunemann-Berichterstattung des Journals nur eine einzige Anspielung auf die zeitgenössischen Geschlechterrollen zu geben, und zwar, wenn anlässlich der Ilmenauer Bergeinfahrt „ihre fast mehr als mänliche Herzhaftigkeit“ (Hamburgische Berichte 1737, S. 247 f.) angesprochen wird.

Dieses Buch hier kann an zahlreichen Beispielen zeigen, dass Wissen, Wissensvermittlung und Wissensliteratur in vielen Medien und diskursiven Konstellationen des 18. Jahrhunderts eine starke Gendermarkierung aufweisen. Gelehrsamkeit und Bildung werden als weiblich oder männlich, als ‚für Männer‘ oder ‚für Frauen‘ oder eben auch für beide Geschlechter wahrgenommen und definiert, verweigert, verteidigt, bekämpft, erstritten. Auch die Zäunemann-Rezeption und -Forschung ist nicht zu denken ohne ← 143 | 144 → Gendermarkierung. Dass eine solche geschlechtliche Markierung gerade in dem Medium, welches für die Karriere der Dichterin so entscheidend war, nur marginale Bedeutung besitzt, ist umso überraschender und bemerkenswerter.

3.1Hamburgische Berichte 1734

Erfurt vom 20. October. Wie der Hr. Doctor Philippi aus Halle seinen Weg nach der neuen göttingischen Universität, wo er künftig öffentlich lehren wird, und auch schon würklich einige Collegia eröffnet hat, neulich hiedurch nahm: hatte er die Ehre von unserer munteren Dichterin, der Jungfer Sidonie Hedwig Zäunemannin, mit einem Glückwunschgedicht, unter dem Namen Selinde, begleitet zu werden. Es ist solches in Göttingen bereits abgedrukt. Die ersten zwei Strophen fließen also:

Gelehrt- geehrter Pallas Sohn!

Sag an, was hat dein Herz bewogen,

Daß du nun von Demosthens Thron

Und aus dem Saal-Athen gezogen?

Denk an das Buch, denk an den Pult,

Der fast vor Schmerz und Ungedult

Zerspringen und zersplittern mögte;

Warum? er stehet wie verweist,

Dieweil sein Pfleger weggereist;

O wen dein Geist doch das bedächte!

Halt ein! halt ein! verwegner Kiel!

Und richte nicht ein solch Beginnen;

Die Vorsicht selbst ist mit im Spiel,

Die Klugheit lenket hier die Sinnen.

So wurde denn der Schluß gefast,

Du woltest auch bei uns ein Gast,

Jedoch auf kurze Zeiten heissen;

Du hast mit deiner Gegenwart,

Bei uns fast länger noch verharrt,

Als bei den Schönen an der Pleissen, ec. ec.

Hamburgische Berichte 1734, S. 713 f.

3.2Hamburgische Berichte 1735

Hamburg. Nach dem die Verfasser unlängst ein Schreiben an die gelehrte Urheberin des auf die kaiserlichen Hußaren verfertigten, und von vielen Lesern zu sehen verlangten Gedichtes abgehen laßen, und solche darum ersuchet haben: so ist dieselbe nicht nur so gütig gewesen, solches zu übersenden, sondern hat den Verfassern auch die Ehre gethan, Ihnen in so höflichen als zierlichen Ausdrücken, in gebundener Rede, also zu antworten. ← 144 | 145 →

Sagt, Hochgeehrteste, was hat Euch angetrieben, Daß Ihr ein holdes Blat mir iüngsthin zugeschrieben? Was bracht’ euch doch dazu? Was nehmt Ihr zum Behuf? Ists nicht die Höflichkeit? Denn schwerlich hat der Ruf von meinem heißen Rohr dergleichen wirken können. Ich hab’ es wol erwegt: Drum werdet Ihr vergönnen, Daß meine Feder setzt: Gelehrte! Euer Kiel hat blos die Höflichkeit zur Absicht und zum Ziel. Man sagt zwar sonsten wol, man könte bei den Linden dergleichen sonderlich vor andern sehn und finden. Ein Meißner schmeichelt sich, und legt sich dieses bei. Allein wer wäre wol so thörigt, kühn und frei, der diesen Ruhm nicht auch der Elbe gönnen wolte, wofern er euer Thun genau erforschen solte? Dis zeugt ia euer Brief. Und die Erfahrung lehrt, daß Niedersachsen auch die Höflichkeit verehrt. Was aber suchet ihr, Gelehrte, mir zu schmeicheln? Befiehlt die Billigkeit, erlaubt die Wahrheit heucheln? Wie? Wär mein Kiel geschikt? was dichtet Ihr mir an? Ich weis nicht ob Ihr mir hiebei zu viel gethan? Hier komt nach eurem Wunsch die Ode der Hußaren. Dis ist mein ganzer Rest. Nun kan ich keins mehr sparen. Den angenehmen Brief von unserm Held Eugen (*) den finden viele zwar der grösten hier gesehn. Ich aber habe nie die Abschrift unternommen, drum wird an deßen stat hiebei was anders kommen (**)

(*) Aus dem Hauptquartier Heidelberg den 24. Sept.

(**)Dieses ist ein schönes Gedicht auf das Geburts-Fest des Printzen Eugenii.

so davon Zeugnis gibt. Wer weis ob nicht mein Held auf mich erzürnet wär’? wofern die ganze Welt den Handbrief, den Er mir so gnädig überschikte, in Abschrift, ia wol gar in ofnem Druk erblikte. Drum hab ich ihn verwahrt, damit es nicht gescheh. Dieweil ich zum Beschlus aus eurem Brief’ erseh, daß ihr in willens habt, ein Pack gelehrter Sachen, mir bei Gelegenheit geneigt zu übermachen, so dank ich im Voraus nach Pflicht und Schuldigkeit, denn Euch

Geehrteste

Erfurt den 29 Nov. 1735verehret allezeit
S. H. Zäunemannin.

Das mit gesandte Gedicht führt diesen Titel. Ode auf die zum Dienst Se. römisch. Kaiserl. Maiest. Karl des VI. am Rhein stehende sämtliche Hrn. Hußaren, von Sid. Hed. Zäunemannin, aus Erfurt. im Herbstmonat 1735. Andere Aufl. Schmalkalden, bei J. C. Mehners von 1 und einem halben Bogen in Folio.

Zuschrift

Durchlauchtigster Eugen!

Du Held, der stets gesieget,

Wenn du mit deinem Feind gekämpfet und gekrieget,

Und scharf gefochten hast. Dein großer Heldengeist,

Der sich in deiner Brust fast mehr als menschlich weist,

Der hat dich nicht allein zur Sternenburg erhoben;

Auch deine Gnad und Huld, und andre Heldenproben,

Womit du Siegeshaupt vor vielen ausgerüst,

Die wirken, daß du schon, o Held; unsterblich bist. ← 145 | 146 →

Herr? deine Tugend macht, daß ich mich unterwinde

(Doch rechne mir es nicht zur Kühnheit noch zur Sünde,)

Und mein zwar ungeschikt; doch wahrheits volles Blat,

Das deiner Helden Treu und Tahten in sich hat,

Dir widme, und zugleich die Zuschrift an dich mache.

Die Ehrfurcht ist hierbei der Hauptzweck meiner Sache.

Ich bitte Demuthsvol, ob gleich die Kunst gebricht,

Durchlauchtigster Eugen

verschmäh mein Schreiben nicht.

Sidonia Hedwig Zäunemannin. [Punkt?]

Ihr Dichter! Wie so träg’ und kalt

Den Helden jetzt ein Lied zu singen?

Kan denn ihr Adel und Gewalt

Den Kiel zu keinen Reimen bringen?

Soll Trauring, Wiege, Leichenstein

Allein der Lieder würdig seyn?

Fürwahr des Grossen KARLS Hußaren,

Mit ihrer tapfren Tapferkeit,

Verstaten nicht bei dieser Zeit

Mein Dichten länger zu versparen.

Kann auch der Themis Richterschwert

Den Purpur wohl allein beschüzen?

Mus nicht Bellonens Opferheerd

So Kron als Scepter unterstützen?

Man fält nicht alzeit Schlüßen bei;

Stahl, Eisen, Pulver, Schwerdt und Blei,

Carthaunen, Mörser und Soldaten,

Die wirken, daß die Maiestät,

Auf ihrem Throne feste steht,

Die kämpfen für den Flor der Staten.

Das schöne Lager an dem Rhein

Kan meinen Worten Beifall schaffen.

Hier schauet man was Streiter seyn;

Hier findt man Pulver Stahl und Waffen.

KARL, der Germanien regiert,

Hat hier sein Lager aufgeführt,

Und zeigt den Schauplaz seiner Helden.

EUGEN, der, wo Er kämpft, auch siegt,

Hat es durch Klugheit so gefügt,

Das Franckreichs Schwert sich nicht darf melden.

Welch Auge schauete sich wohl sat,

Wofern es KARLS Hußaren siehet?

Es wird nicht von Betrachtung mat, ← 146 | 147 →

Warum? Weil hier die Grosmut blühet.

Des Sechsten KARLS Hußaren sind

Klug, tapfer, eifrig und geschwind

Das Volk der Lilien anzufallen:

Sie lassen nicht mit kämpfen nach,

Bis daß dieselben algemach

Gedämpft, besiegt, zurücke prallen.

Die Stärke und die Tapferkeit

Ficht alzeit gern mit ihres gleichen:

So findet man Gelegenheit

Die Ehrenpalmen zu erreichen.

Von jedem Strauche bricht sie nicht

Den Lorber, draus sie Kräntze flicht,

Ihr mag nicht jedes Reis belieben;

Deshalben wolt, Ihr Helden, Euch,

Mit denen, die an Stande gleich,

Im kämpfen und im Streiten üben.

Ihr edlen Helden! Eurer Blut

Verspart Ihr nicht zum Aderlassen,

Ihr wolt es mit geseztem Mut

Am Rheinstrohm lieber fliessen lassen.

Ihr seyd mit Grosmut angefült;

Aus euren tapfren Herzen quilt

Der Völker Ludewigs Verderben.

Ihr fallt sie an, und Euer Stahl

Und Ros, kan sich gar oftermal

Mit ihres Blutes Purpur färben.

Was acht Ihr Balsam und Jesmien,

Da Euch das Pulver mehr vergnüget! [Ausrufezeichen?]

Den Sebel aus der Scheide ziehn,

Das ist, was Eure Brust besieget!

Wenns knallt und um die Ohren saust,

Das Ros von Hize schnaubt und braust,

Da sieht man was Euch Freude bringet.

Mit Klugheit, Eifer, Tapferkeit,

Begebt Ihr Helden Euch in Streit,

Wodurch Ihr Ludwigs Volk bezwinget.

Die Sonne kan nicht stille stehn,

Es mus die See sich stets bewegen.

Das Urwerk pfleget fortzugehn,

Und sucht sich immerdar zu regen.

Wenn man auf euch Ihr Helden sieht;

So seyd Ihr eben so bemüht,

Und trachtet jederzeit zu kämpfen. ← 147 | 148 →

Ihr brecht durch Arbeit und Gefahr,

Und stellet öfters Proben dar,

Daß Ihr die Gegner könnet dämpfen.

Zwar manchmal macht der Feind sich gros,

Und stark; Allein warum? Weswegen?

Daß ihr durch Pulver Hieb und Stos

Noch mehr der Feinde kön’t erlegen.

Gewis, Ihr bringt den Feind so weit,

Daß er vor Sieg um Gnade schreit,

Und sich vor Euren Hieben schmieget.

Gnug, Eure Sebel sind beglükt,

Mit Haar und Scheitel ausgeschmükt,

Wenn Ros und Mann zu Boden lieget.

Gefangne, Beute, Wunden, Blut,

Besprizte Sebel, Ros und Leichen,

Die sind für Euren Heldenmut,

Und Eures Eifers ächte Zeichen.

Der Gegner Angst und Todesschweis,

Ist Euer gröster Ruhm und Preis;

Das Glüke sucht Euch liebzukosen;

Denn, wenn Ihr zieht fällts Euch nicht schwer,

Daß Ihr die Beute bringt, was mehr?

Auch blutge Köpfe der Franzosen.

Wie öfters würde nicht die Treu

Der tapfren Teutschen unterliegen,

Wofern Ihr nicht durch Stahl und Blei,

Und Eure Klugheit köntet siegen.

Ihr treibt die Marodeurs zurük,

Ihr sorget für des Landmanns Glük,

Und rettet ihn aus Noth und Eisen.

So mancher Mund, so mancher Mann,

den Ihr befreit, sinnt, wie er kan,

Sich herzlich dankbar zu erweisen.

Halt frecher Kiel! Halt blöder Sinn!

Was wilst du doch von Helden dichten?

Die Kraft gebricht, wo denkst du hin?

Dergleichen Denkmal aufzurichten.

Wolan! So sol hier zum Beschlus,

Weil ich euch schweigend ehren mus,

Die Nachwelt meinen Wunsch erfahren.

Ein jeder Mund von teutscher Treu,

Sprech mit mir ohne Heuchelei:

Es leben Kaiser KARLS Hußaren!

Hamburgische Berichte 1735, S. 795–800

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3.3Hamburgische Berichte 1736

Hamburg. Wir schließen das Blat mit einer artigen Ode, einer berühmten Dichterin, welche sie auf die im 16. Ber. dieses Jahrs angezeigte rare Pflanze, Musa genant, so beim Anfang des Januarii in Holland blühete, entworfen und uns zugesandt hat.

Wach auf mein Geist! erweg’ und merke

Des großen Schöpfers Wundermacht:

Und untersuche mit Bedacht

So viel dir möglich, ihre Stärke.

Doch sie ist unerschöpflich gros,

Ihr Wesen ist nicht zu ergründen,

Und wer ihr Ende meint zu finden,

Der reist sich von der Klugheit los.

Man spürt die Allmachtshand in Gärten und in Fluren,

Und da verherlichet sie ihre Creaturen.

Da sieht das forschende Gesichte,

Wohin sich nur sein Blik verfügt,

Das was es reitzet und vergnügt,

Erstaunend und in vollem Lichte.

Was ehedeßen Eden war,

Was sich von Schönheit da gefunden,

Das sieht man noch zu diesen Stunden

Bald hier bald dort ganz offenbar.

Last Eden Eden seyn. Auf andern schönen Auen

Kann mans im Abdruk sehn und fast volkommen schauen.

Wie? ist nicht Tempens Lustgefilde

An Früchten und Gewächsen reich?

Wo kömt ihm leicht ein Garten gleich?

Hier ist die höchste Hand sehr milde.

Dort zeigt America ein Kraut,

Das von des Schöpfers Wundern saget,

Ganz Asien lehrt ungefraget,

Was da die Almacht angebaut.

Ja! geht nach Leiden hin, wolt’ ihr was schönes sehen,

Und schaut die Aloe in ihrer Blüte stehen!

Wo denkt ihr hin! Was für Vergnügen

Treft ihr bei weißen Betten an?

Sieht man doch ietzt auf Florens Bahn

Nur Eis und weiße Flokken liegen?

Der Zephyr zürnt mit seiner Braut,

Und sondert sich von ihren Gränzen.

Wie will der Blumen Farbe glänzen?

Wo blühet ietzt ein rares Kraut? ← 149 | 150 →

Das Mahlwerk der Natur und was hervor gesproßen

Hält ietzt ein kaltes Grab verdekket und verschloßen.

Dis ist wol wahr. Doch bleibt daneben

Die Almacht GOttes unverletzt,

Und kan dem der sich dran ergetzt

Beständig neue Proben geben.

Geschicht was außerordentlich,

So ist das Wunder desto größer,

Man spürt des Schöpfers Weisheit besser.

Und unsre Ehrfurcht mehret sich.

Bringt sonst der Sommer nur die Blumen aus der Erden,

So mus, wan GOt es wil, aus Winter Sommer werden.

Dis kan auch Amsterdam bezeugen/

Auch ihr ist dieses Glük verliehn,

Hier sieht man eine Pflanze blühn,

Die wenig hohen Häuptern eigen.

Der Tag der uns zwölf Monden bringt

War kaum mit seinem Licht entglommen,

So ward verwundernd wahrgenommen,

Wie wol des Gärtners Wunsch gelingt.

Die Musa, ein Gewächs und Blume seltner Schöne,

Vergnügt der Musen Haupt *) so wie die Musensöhne.

*)Es wird hiemit auf den Herrn D. Boerhaven gezielet, welcher diese Blume selbst mit angesehen hat.

Ganz Holland hat in vor’gen Tagen

Kaum einmal diese Blum gesehn.

Sol Teutschland ihren Flor gestehen,

So kan es nur von zweimal sagen.

Europa komt fast klagend ein,

Und murret über das Geschikke

Wie ihr dis ungewohnte Glükke

Nur wen’ge mal sol wißend seyn.

Und traun! Ein solches Glük, bei so erstorbnen Zeiten,

Scheint dir Batavien was glüklichs vorzudeuten.

Ihr Augen! was für ein Vergnügen

Stelt euch nicht diese Musa dar?

Viel hundert Menschen nimt man wahr,

Die sich um ihre Zweige fügen.

Hier steht man stil. Hier ruft man laut:

Was kan wol dieser Schönheit gleichen?

Hier mus der gröste Künstler weichen,

So sehr er auf sein Wißen baut.

Mus Salomonis Pracht vor Liljen dort erbleichen,

Wer kan denn deinen Ruhm, o Musa/ wol erreichen? ← 150 | 151 →

Doch ihr, Gelehrte, werdet fragen:

Welch’ Pflanze diese Musa sey?

Die Frag ist schwer und mancherlei,

Und ieder meinet recht zu sagen.

Forscht immerhin und critisirt.

Ihr müst dennoch mit mir gestehen,

Daß sie, wie alles was wir sehen,

Zum Preis des großen Schöpfers führt.

Und daß man sagen mus: wer seine Werke achtet,

Der findet seine Lust, wenn sie das Aug betrachtet.

S. H. Zäunemanninn.

Hamburgische Berichte 1736, S. 221–225

Bei letzterem [Herr Prof. Kohl] werden g. G. über einige Wochen die vier ersten Jahre der Hamb. Berichte nach dem wiederholten Abdruk der abgegangenen Stükke/ völlig wieder zu haben seyn: und wird von nun an bis Johannis auf alle S. 320 vier Teile 5. Thlr. auf jeden Teil aber besonders 4. Markl. pränumeriret. Der Titel, und das Register zum vorigen Jahr, wird mit dem Portrait der gelehrten und berühmten Zäunemannin aus Erfurt ausgegeben: weil die Verfaßer entschloßen sind iedem Teil das Ebenbild eines ihrer berühmten Correspondenten vorzusetzen.

Hamburgische Berichte 1736, S. 319

Hamburg. In der Buchdruckerei im güldenen A B C hieselbst sind zwei wol abgefaßte, und mit vielem Beifal aufgenommene Gedichte, der gelehrten Zäunemanin zu Erfurt, auf 2 Bogen in 4tv zu haben, wovon das eine auf das Absterben des Prinzen Eugenii, das zweite auf den Tod unsers sel. Hrn. D. Fabricii gerichtet, beiden aber das im Namen unserer hochansehnlichen und hochberühmten patriotischen Geselschaft, (wovon der letztere ein Mitglied war) verfertigte vortreflich gerahtene lateinische Gedicht auf beide angehänget ist.

Hamburgische Berichte 1736, S. 463

Der geschikten erfurdtischen Tichterin, Sidonia Hedew. Zäunemannin, Trauerode auf das Absterben Eugenii ist so wol aufgenommen, daß sie hier bei Buchen schon zum andernmal auf 2 B. in 4. gedrukt ist. Bei eben demselben findet man auch eine Parodie auf dieses Gedicht …. der Presse übergeben von Ludew. Wilh. von Langenau Siles. equ. im Monat Julio 1736. Der Hr. V. hat durchgehends die Reimen der Jgfr. Zäunemannin beibehalten, und ihr Lob aus ihrer eignen Trauerode gar artig hervorzusuchen gewust. Er benennet in einem Vorbericht eine von ihm gebundene Uebersetzung der königsdorfischen Lob- und Trauerrede auf den Kaiser Leopold, die schon unter der Presse sey.

Hamburgische Berichte 1736, S. 694

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Erfurt vom 20 Jul. Den Inhalt einiger in Christian Rosencreuzers chymischen Hochzeit befindlichen Figuren, welchen Hr. Nicolaus Seeländer zu entdecken sich Mühe gegeben, hat schon vor 3 Jahren ein damaliger Cand., nunmehriger Doctor der Medicin bei seiner Anwesenheit in Erfurt aufgelöset und verschiedenen Personen vor Augen gelegt, wie ich denn selbst einen Zeugen davon abgegeben habe. Die ganze Geschiklichkeit beruhet auf einer Zusammensetzung teutscher Buchstaben, die nur mit andern Figuren ausgedrukt worden sind, und ist überhaupt wol kein Nutzen dadurch in der Alchimie zu erhalten. Da er aber erfahren hat, daß Hr. Seeländer diese Erfindung bekant machen lassen, hat er mir ein Räzel, welches in eben dieser chymischen Hochzeit p. 67 vorkömt, und von welchem Hr. Seeländer nichts erwehnet, übersendet, und was dadurch verstanden werde, angezeiget. Wobei er selbst gestehet, daß keinem Chymico diese Entdeckung etwas nutzen, sondern nur die Neugierde zu vergnügen, dienen werde. Das Räzel ist folgendes:

Nachdem ein Liebhaber der Chymie mit einer Jungfrau geredet, und nach ihrem Namen gefragt, so heist es:

„Die Jungfrau lächelte meines Vorwitzes, lies sich doch nichts bewegen, sondern antwortete: Mein Name hält fünf und fünfzig, und hat nur acht Buchstaben, der dritte ist des fünften drittertheil, komt er dann zu dem sechsten, so wird eine Zahl, dessen Radix schon um den ersten Buchstaben grösser wird, dann der dritte selbst ist, und ist des vierten halber Teil. Nun sind der fünfte und siebende gleich, so ist der lezte dem ersten auch gleich, und machen mit dem andern so viel, als der sechste hat, der doch nur um viere mehr als der dritte dreimal hat ec.“

Dieses Räzel löset er auf diese Art auf: Unter dem Namen der Jungfer wird das Wort Alchimia verstanden. Das Alphabeth komt mit dem einmal ein in der Ordnung überein:

Kommen demnach die Buchstaben des Worts mit den Zahlen also zu stehen:

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Denn wenn nach dem ordentlichen Alphabeth einem ieden Buchstaben des Worts Alchimia eine Zahl, ebenfals nach dem ordentlichen einmal ein beigelegt wird, so machen die Zahlen zusammen 55.

1) Das Wort Alchimia hat nur 8 Buchstaben.

2) Der dritte ist des fünften dritter Teil: nemlich die dreie, welche bei dem Buchstaben (c) steht liegt in der neune, die bei dem Buchstaben (i) befindlich ist, dreimal. Denn dreimal drei ist neun.

3) Kömt er denn zum sechsten ec. d. i. wird die dreie zu dem sechsten Buchstaben gesetzt, welcher (m) ist, so wird ein Zahl draus, dessen Radix schon um den ersten Buchstaben, nemlich (a) bei welcher ein eins steht, grösser ist denn der dritte, nemlich die dreie welche bei (c) steht, selbst ist, welches die viere andeutet. Diese viere ist der halbe Teil von der achte, die bei (h) steht. Macht also dreimal vier zusammen zwölf.

4) Der fünfte und siebende sind einander gleich; nemlich (i) als der fünfte und siebende Buchstabe in dem Wort Alchimia bekommen beide eine neune.

5) Der letzte Buchstabe (a) ist dem ersten Buchstaben (a) auch gleich, nemlich eins und eins.

6) Und machen mit dem andern nemlich (l) so viel, als der sechste (m) hat, nemlich zwölfe. Denn wenn 1. zu 11. gesetzt wird, komt zwölfe heraus.

7) Der doch [nemlich der Buchstabe (m)] nur um viere mehr als der dritte dreimal hat: der dritte Buchstabe (c) hat neben sich dreie; nun machen dreimal drei neune; wenn nun an der drei ihre Stelle eine viere gesetzt wird, so komt zwölfe heraus. Denn dreimal vier ist zwölfe.

Weil nun, wie aus dem Verfolg dieser Unterredung zu ersehen ist, der gegenwertigen Herren neune gewesen, welche Zahl der siebende Buchstabe bei sich führt, so hat der Liebhaber der Chymie, welcher mit der Jungfrau geredet, ihren Namen auf obige Weise leicht errathen können.

Bis hieher gehet die Erklärung. Im übrigen sind in dieser chymischen Hochzeit noch einige Figuren und Wörter, als p. 73. p. 115. p. 116. und p. 130. zu finden, die vieleicht ein mehreres Licht in der Chymie geben könten, wenn Hr. Seeländer so glüklich wäre, derselben Bedeutung zu entdecken. Daß aber dem Hrn. Doctori Medicina, welcher gegenwertiges Räzel aufgelöset hat, ein leichtes sey, alle Arten der Figuren und versetzten Buchstaben, welche nach einem ordentlichen Alphabeth eingerichtet sind, herauszubringen, solches zeugen auch nachstehende Zeilen, die er ohne viel Kopfbrechens nach der alten Schreibart, zufolge des beigefügten Alphabeths deutlich gemacht, wobei er iedoch abermals bedauret, daß er eben so wenig nützliches, als in den Figuren der chymischen Hochzeit angetroffen habe. Es sind diese Zeilen in dem ersten Teile der Turbae Philosophorum, welche Philippus Morgenstern aus dem lateinischen übersetzt, und zu Basel hat drucken lassen, zu finden, und zwar folgender Gestalt: ← 153 | 154 →

Vn hrs dhm Ldhrsdq cdq dhl rnkbgd itmrs kdgqds, hbg vnksfdqm adx dhl rnkbgdm Ldhrsdq rdxm, vnks Fnss czr hdg dhm rnkbgdm ehmcdm lncs, cnbg hm zkkdq rshkkd.

Bei dieser Schrift ist zu merken, daß sich das Alphabeth, so hierzu gehört, nicht von A, wie gewöhnlich ist, sondern von B anfängt, und hernach die ordentliche Bedeutung des gemeinen teutschen Alphabeths behält, wie aus folgender Gegeneinandersetzung erhellet:

a b c d e f g h i k l m n o p q r s t v w x y z.

b c d e f g h i k l m n o p q r s t v w x y z a.

Diesemnach wird die Schrift also heissen:

Wo ist ein Meister, der eim solche Kunst lehret, ich wolt gerne bei eim solchen Meister seyn, wolt Gott das ich ein solchen finden modt, doch in aller Stille.

S. H. Zäunemannin.

Hamburgische Berichte 1736, S. 747–751

Hamburg. Den noch übrigen Raum dieses Blades, können wir ia wol keinen schöneren und besseren Zeilen widmen, als eben denienigen, welche die so fertige als kluge und mit reifer Beurteilungskraft schreibende Tichterin, zu Erffurt, Madem. Sidonia Hedewig Zäunemannin, auf die, daselbst den 21 October entstandene und den 22. annoch fortwährende ungeheuere Feuersbrunst, unter dem Titel: das unter Glut und Flammen ächzende ERFURT, auf eine recht lebhafte, zierliche und dabei erbauliche Art entworfen hat.

O! Was erhebt sich für ein Sturm!

Wie braust der Wind in unsern Gassen!

Dort wankt ein hochgespizter Thurm,

Den hunderttausend Wirbel fassen.

Hier kracht ein schwach und mürbes Haus;

Sein Grim bricht Kalk und Ziegel aus;

Er pfeift durch Gärten und Gebäude.

Entstünd’ ein Feuer ungefehr,

Wo nähmen wir jezt Rettung her?

Wie schlecht wär’ unsre Sabbatsfreude!

O weh uns! kaum gedenk’ ich dran,

So hör’ ich Feuer! Feuer! schreien.

Die Funken steigen Himmel an,

Und scheinen uns den Tod zu dräuen.

Die ganze Stadt erschrikt und bebt,

Und was in unsern Mauren lebt

Erzittert, läuft und eilt zum Retten.

Der stark’ und ungeheure Wind

Treibt Glut und Flammen so geschwind,

Als ob sie güldne Flügel hätten. ← 154 | 155 →

Das Schrecken häuft sich, da der Knall

Der Stücke durch die Ohren dringet.

O welch ein höchstbetrüber Schall!

Der iederman zum Seufzen zwinget.

Hält denn ihr Donnern gar nicht ein?

Soll dis des Landvolks Losung seyn?

Ach ia! es mus zu Hülfe eilen.

Wie heftig steigt der Rauch empor!

Wie grausam bricht die Glut hervor!

Man sieht den Schein auf viele Meilen.

Der Stücken Bliz, der Trommeln Klang;

Der Glocken fürchterliches Heulen

Verhindert Andacht und Gesang;

Die Noth verstatet kein Verweilen.

Man denkt an keine Predigt mehr.

Die Gotteshäuser werden leer;

Ei ieder fürchtet Glut und Flammen.

Man schaut den Himmel tränend an,

Und schlägt, weil GOtt nur helfen kan,

Die Hände wehmutsvoll zusammen.

Umsonst! der Höchste hört nicht drauf;

Sein Grim kömt über uns gezogen.

Er läst dem Feuer freien Lauf,

Indem sehr viel schon aufgeflogen.

Der Wind tobt fort, und bläst und saust,

Vermehrt die Flammen, stürmt und braust.

Und droht ein allgemein Verderben.

Was Wunder? wenn wir trostlos stehn;

Was Wunder? wenn wir traurig gehn,

Und fast vor Furcht und Schrecken sterben.

Dort trägt mit Seufzen, Ach und Weh

Ein armes Weib ein Bündel Betten,

Und hält es zitternd in die Höh,

Um es noch vor der Glut zu retten.

Hier läuft ein hochbetagter Mann

Trägt, was er sonst kaum heben kan,

Und suchts in Sicherheit zu bringen.

Da führt und schleift man Kaufmannsgut,

Man eilt, es mögte sonst die Glut

Die Waaren allesamt verschlingen.

Reißt Frauenzimmer! reißt die Pracht

Von Achseln, Haupt und Schlaft herunter!

Kommt! gebt auf eure Freunde acht,

Und seid zum Räumen frisch und munter. ← 155 | 156 →

Was denkt ihr iezt ans Feierkleid,

Jetzt, da das Feuer Funken speit,

Und seinen rohten Rachen weiset.

Ach! säumet nicht, helft, wo ihr könnt!

So lang die Glut euch Zeit vergönnt,

Damit man eure Grosmut preiset.

Das ungeheure Element

Sucht seine Flügel auszubreiten.

Es raßt und tobt, und frißt behend,

Und lodert schon auf allen Seiten.

Der Sturm bläßt heftig in die Glut,

Und mehret dadurch ihre Wuht,

Und unterhält die tollen Flammen.

Hier sind, (wie ist mir doch so bang!)

Zu unsers Erfurts Untergang

Zwei Feinde unzertrennt beisammen.

Jezt steigt ein Regenbogen auf;

O! wäre dis ein Gnadenzeichen!

Vieleicht sieht GOttes Auge drauf,

Und läst sein Vaterherz erweichen.

Doch nein! der Sturm bläßt immermehr;

Er heult und brüllt und wütet sehr,

Und blendet durch den Rauch die Augen.

Man weis fast nicht wohin man sieht,

Der heisse Dampf, der seitwers zieht,

Beißt schmerzlicher als scharffe Laugen.

Vor Schrecken kreiset dort ein Weib,

Und mus ihr Kind in Thränen baden.

Hier trägt man einen siechen Leib,

Damit ihm nicht die Flammen schaden,

Wenn iezt die arme Gerenstadt

Den Höchsten nicht zum Helfer hat,

So mus sie gänzlich untergehen.

Wofern er nicht dem Wind gebeut,

Dem Feuer wehrt, den Funken dräut,

So bleibt kein einzig Wohnhaus stehen.

Der Himmel zeigt uns noch einmal

Den buntgefärbten Regenbogen.

Allein er mindert nicht die Qual,

Die Glut kömmt stärker hergezogen.

Der Rauch benimt der Sonnen Blick,

Die Luft wird dampfigt, schwarz und dik,

Dort liegen angeflammte Kohlen;

Sie drehen sich mit Ungestüm, ← 156 | 157 →

O Jammer! ihr erhizter Grim

Entzündet auch die stärksten Bohlen.

Hier stürzt ein lodernd Dach herab;

Dort knackt und prasselt ein Gebäude,

Und findet bald ein rothes Grab

Zu des Besizers gröstem Leide.

Die Glut verschont kein steinern Haus,

Sie brennt die schönsten Zimmer aus;

Die stärksten Mauren müssen springen.

So plözlich kan die schnelle Glut

Haus, Bücher, Früchte, Hab und Gut,

Eh man es noch vermeint, verschlingen.

Man sieht wie sich die Spritzen drehn,

Wie scharf sie mit den Flammen fechten;

Sie geben zischend zu verstehn,

Wie gern sie uns erretten mögten.

Allein umsonst! mir fällt der Mut;

Kein Wasser tilgt die wilde Glut.

O! könnt man sie mit Thränen zwingen!

Ich weis, sie wär schon längst gestillt,

Denn was aus unsern Augen quillt,

Wär stark genug sie zu verdringen.

Ihr Nachbarn! die ihr iezt den Knall

Der schmetternden Canonen höret,

Gedenkt nur nicht daß dieser Schall

Ein hohes Haupt zur Lust verehret.

O nein! dis brüllende Geschrei

Ruft euch zur Hülf, und Rettung bey,

Indem wir mit den Flammen streiten.

Ach eilt! mich deucht, der bange Ton

Der Glocken will anietzo schon

Der schönen Stadt zu Grabe läuten.

Das Volk läuft in der Stadt herum

Gleichwie die Schaf’ ohn ihren Hirten.

Es fällt vor Mattigkeit fast um;

Wer will die Hungrigen bewirthen?

Das arme Vieh heult jämmerlich;

Es schmachtet; wo verbirgt es sich?

Damit es nicht im Feuer sterbe:

Es schreit und fleht den Höchsten an,

So, wies zu Ninive gethan,

Auf daß es nicht mit uns verderbe. ← 157 | 158 →

Kein Priester, ia kein Jonas mag

Die Hertzen so zur Buße lenken;

Als diese Glut am Sabbattag;

Wer wolte nicht an GOtt gedenken?

Jezt bricht die Langmut und Gedult;

Jezt straft der Höchste unsre Schuld;

Sein Zorn entbrennt an diesem Tage;

Sein Arm schlägt heftig auf uns los;

Die Sabbatssünden sind zu gros;

Wie wol verdienen wir die Plage!

O Vaterauge! sieh doch drein!

Erbarme dich, und wehr dem Feuer!

Denk, daß wir dein Geschöpfe seyn!

Komm! dämpfe dieses Ungeheuer.

Das Unglük hat noch keine Ruh;

Mein GOtt! die Gassen fallen zu,

Da heist es: rettet euer Leben!

Laßt Eimer und auch Sprizen stehn,

Dort will sich schon ein Balken drehn

Und euch den Rest im Fallen geben.

Das Erz der Glocken zischt mit Macht,

Es schmelzt und spritzet in die Flammen;

Die Thürme sinken; hört! es kracht!

Der Tempel fallt verbrant zusammen.

Noch mehr: Das Predger Gotteshaus

Steht viel Gefahr vom Feuer aus;

O mögt es doch der Himmel stützen!

Ja! ia! hier hält die Flamme still;

Getrost! was GOtt erhalten will,

Das weis er kräftig zu beschützen.

Was dort der muntre Handwerksmann

In weit entlegne Häuser schaffet,

Das greift nunmehr das Feuer an;

Es wird fast gänzlich weggeraffet.

O Schmerz! die Flamme wütet fort;

Bald brennt es hier; bald zündt es dort;

Man ist in keiner Strasse sicher.

Wie kan das Elend grösser seyn?

Die Glut dringt in die Keller ein.

Und raubet Silber, Schmuk und Tücher.

Wer hilft mir? werd ich nicht erhört!

Ihr Eltern! seht! wir sind verlohren.

Die Flamme, die dort aufwerts fährt,

Hat uns den Untergang geschworen. ← 158 | 159 →

Das Haus, so einst zur Asche ward, (*)

Steht in Gefahr und leidet hart,

(*) Die berühmte Urheberin schreibt hievon also an die Verfasser: Ich habe das Vergnügen, Ihnen zu berichten, daß uns der Allerhöchste ietzo nicht, wie vor 20 Jahren, da in der Nacht in des Nachbars Scheuer hinter unserem Hause, Feuer aufgieng und uns gleich bedeckte, daß wir ausser unserm Leben sonst nichts davon gebracht haben, heimgesuchet, sondern sowol unser Vorhaus, als

Und soll von neuen wüste werden.

Der Garten raucht, ach! widersteht!

Hier liegt das Feuer wie gesät;

Die Kräuter brennen auf der Erden.

Betrübte Mutter! weine nicht!

Wir wollen unserm GOtt vertrauen,

Der uns so vieles Heil verspricht;

Wir werden seine Hülfe schauen.

Je mehr uns die Gefahr bedroht;

Je mehr und grösser unsre Noth,

Je naher ist der Schutz von oben.

Wer weis, was GOtt in seinem Rath

Noch über uns beschlossen hat?

Mich dünkt; der Wind hört auf zu toben.

Gedacht, gewünscht, gehoft, geglaubt,

Der HErr hat uns bereits erhöret,

So, daß sich nun mein Herz und Haupt

Mit Lob und Dank zum Himmel kehret.

Gleich, da fast aller Trost verschwindt,

Gebeut der HErr dem starken Wind,

Und setze ihm gemesne Gränzen;

Vieleicht sieht auch die Allmacht drein,

Und hüllet Glut und Flammen ein,

Die noch am Firmamente glänzen.

Der Himmel wird von Wolken dik;

Ach! wenn doch iezt ein Regen käme!

O! wenn das götliche Geschik

Dem Feuer seine Macht benähme!

Jedoch vergeblich hoft das Herz;

Die Flamme dauret wie der Schmerz;

Sie höret noch nicht auf zu wüthen:

Das Volk gießt immer sonder Ruh

auch vornemlich das vormals eingeäscherte, gnädiger und wundervoller Weise beschützet und errettet hat.

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Das Wasser auf die Dächer zu

Um weiters Unglük zu verhüten.

Hier fällt und tödtet Kalk und Stein,

Und zwingt den Geist davon zu scheiden.

Da frißt die Flamme Fleisch und Bein;

So stirbt man mit den grösten Leiden!

Die sanfte Gere wird gestemmt:

Wodurch wird dann ihr Lauf gehemmt?

Durch Kisten, Kasten, Betten, Fässer.

Das, was kein Haus, kein Markt und Mann

Vor Glut und Funken retten kan;

Das schüzt noch endlich das Gewässer.

Der Abend kommt betrübt herbei;

Die Sonne geht ganz traurig unter.

Allein das Feuer herrscht noch frei;

Das matte Volk bleibt gleichfals munter.

Das Lermstük wiederholt den Knall;

O mehr als fürchterlicher Schall;

O strenges Nachtlied, so wir hören.

Ach schreckensvoller Morgengrus,

Der uns zugleich erinnern mus

Die Augen nach dem Brand zu kehren.

Die Glocken und Canonen sind

Fast müde ihren Thon zu geben.

Die Nacht ist hin; allein man findt

Die Stadt in grosser Noth noch schweben.

Doch unverzagt! die Glut vergeht,

Dieweil der Höchste bei uns steht;

Er ruft: Es ist genug mit Schlagen!

GOtt schonet unser, wie vor dem

Der grossen Stadt Jerusalem,

Sein Engel sol uns nicht mehr plagen.

Kommt! schaut die Aschenhaufen an,

Die gleich den Zielöfen rauchen.

Man sieht, so weit man sehen kan,

Die Glut verdekt und dampfend schmauchen.

O heisses Grabmal einer Stadt,

Die GOt so scharf gezüchtget hat!

(Hier überfällt mich Furcht und Grauen.)

O soll ich dich mein Ger-Athen

In solchem Jammerstande sehn!

Und deine Bürger weinend schauen! ← 160 | 161 →

Sucht eure Stäte nur noch nicht;

Nein, sondern sucht zuerst die Gassen.

Der Schut betrieget das Gesicht;

Sie werden sich kaum finden lassen.

Hier ist ia lauter Wüstenei;

Der Berge sind so vielerlei;

Wer will euch eure Wohnung zeigen?

Man geht iezt nicht durch Strassen hin;

Man mus mit tiefgebeugtem Sin

Nur über Feuerhügel steigen.

Der Höchste schlug; er wird sich auch

Der elend-und betrübten Armen

Nach seinem väterlichen Brauch,

Nach seiner Huld und Gnad erbarmen.

Wer aber davon hört und spricht,

Verdamme ia und richte nicht,

Und untersuche sein Gewissen.

Denn so ihr ietzt nicht Busse tuht,

So werdet ihr durch Sturm und Gluth

Auf gleiche Art verderben müssen.

Hamburgische Berichte 1736, S. 864–872

(Pag.fehler: S. 870, lies: 868; S. 871, lies: 869; S. 874, lies 872)

Hamburg. Ehe wir dieses Blat schliessen, müssen wir dem Leser noch vorher einige nette poetische Zeilen überliefern. Die vier ersten sind von der schon mehrmals gerühmten Madem. Zäunemannin zu Erfurt, womit sie neulich das von der Jungf. Dennern, einer Tochter des berühmten Hn. Denners, sehr schön geschilderte und volkommen getroffene Gemählde des hochberühmten Hn. Hofraht Weichmanns zu Wolfenbüttel, hat beehren wollen:

Der Pinsel eines Frauenzimmers trift ungemein,

und stelt alhier

Den grossen Weichman im Gemählde recht lebhaft

und natürlich für.

Allein den hochbegabten Geist vermag auch in den

schönsten Bildern

Kein Künstler, noch vielweniger ein Frauenzimmer,

abzuschildern.

Dieses Lob einer so grossen Poetin aber von sich abzulehnen, hat der Hr. Hofr. nach der ihm beiwohnenden Sitsamkeit und seinem Wahlspruch gemäs: simplex duntaxat & unum, folgendes so sinreich als zierlich dagegen erwiedert, und den Verf. die ihm obiges Epigramma vorher zugeschikt hatten, zur Durchlesung zurückgesandt: ← 161 | 162 →

Du nennest mich mit Unrecht gros, Du Selbst

schon grosse Tichterin.

Zwar mögt’ ich es in so weit seyn, weil ich von Dir be-

sungen bin,

Jedoch in allem andern fehlts, und gibt so gar der Au-

genschein,

Daß alles was ich thu’ und bin gewis nicht gros sey,

sondern klein.

Hamburgische Berichte 1736, S. 928

3.4Hamburgische Berichte 1737

Erfurt. Von daher kamen den V. mit letzter Post folgende ihnen hochgeneigt gewidmete gelehrte Blätter zu Handen. Sendschreiben an die Hn. Verfasser derer gelehrten Hamburgischen Berichte, in welchen kürzlich abgehandelt wird, daß ein Philosoph nicht allezeit bei demienigen/ was ihm begegnet, ein Stoicker seyn könne, vielweniger seyn dürfe. Bei dem Antrit des 1737sten Jahres abgeschikt von Sidonia Hedwig Zäunemannin aus Erfurt, druckt und verlegts Joh. Hinr. Nonne. z. B. in 4. Wir sehen schon zum voraus, daß der Leser sich nicht mit einem kurzen Auszuge dieser Schrift, noch vielweniger mit einer blossen Beurteilung derselben, werde begnügen lassen. Wer weis auch, ob sich nicht hie oder da ein Momus finden mögte, der die Beurteilung einer Schrift, die zu unserem eigenen, wiewol unverdienten, Ruhm gereichet, einer Parteiligkeit beschuldigte? Wir haben uns demnach vorgenommen, gegenwärtiges gelehrte Schreiben, welches, nicht nur deswegen, weil es von einer der geschiktesten und berühmtesten Federn eines teutschen Frauenzimmers, herrühret, sondern auch seiner inneren Schönheit wegen, einen besonderen Augenmerk, und aufmerksame Durchlesung verdienet, als eine Zugabe den Berichten vorigen Jahrs beizulegen, und sie denienigen Platz, welchen sonst die Vorreden zu bekleiden pflegen, einnehmen zu lassen. Wir staten indessen der berühmten Urheberin für dieses öffentliche Zeugnis ihrer hohen Wolgewogenheit unsere tiefergebenste Danksagung ab, und wie wir uns und unseren Berichten Deroselben gelehrten Briefwechsel, und hoch zu schätzende Wolneigung fernerhin gehorsamst ausbitten, also erbieten und verpflichten wir uns hiemit zu allen unterthänigen Gegendiensten, und wünschen, daß durch ihre glükliche Bemühungen, und gelehrten Fleis, noch manche schöne Schrift, sowol in gebundener als ungebundener Sprache, zum Ruhm unsers gelehrten Teutschlandes, möge ausgefertiget werden.

Hamburgische Berichte 1737, S. 46 f.

Hamburg. Da in dem CII. St. der Ber. vor. Jahrs, zu Ende desselben, eine Replik, oder Beantwortung des Hn. Hofrath Weichmanns auf das Epigramma der Madem. Zäunemanninn zwar eingeschaltet, von dem Setzer aber damals, ← 162 | 163 → wegen Mangel des Papierraums die zweite, mit der ersten iedoch unauflöslich verknüpfte, Beantwortung des Hn. Hofraths ausgelassen worden ist; als hat man hieselbst solche Auslassung ersetzen, und auch die zweite Erwiederung beifügen wollen.

Was schreibst Du, edle Dichterin, von einem hoch-

erhabnen Geist?

Der gleichwol nur das niedrige zu meiden sich mit

Ernst befleist?

Mein Vorbild ist blos die Natur, mein Zweck was

deutlich, rein und recht.

Denn alles was ich schreib’ und bin, das schreib’ und

bin ich schlecht und recht.

Hamburgische Berichte 1737, S. 53

Hr. Mag. Pagendarm hat auf die berühmte thüringische Tichterin, die Jungfer Zäunemannin, ein lateinisches Lobgedicht verfertiget. Es macht einen Bogen aus, und ist bei dem hiesigen Buchdrucker Hn. Müller gedrukt. Benanter Hr. Mag. sol auch, dem Vernehmen nach, entschlossen seyn, die sämtl. Gedichte derselben lateinisch zu übersetzen. Es ist nur Schade, daß sich, so viel man vernimt, noch kein Verleger hierzu gefunden hat.

Hamburgische Berichte 1737, S. 195 f.

Erfurt. Von daher komt den Verfassern ein abermaliches poetisches Meisterstük von der berühmten Zäunemanninn zu Händen. Gleichwie nemlich der zu lauter edlen Beschäftigungen angeflamte Geist dieses gelehrten Frauenzimmers, so wenig als ihre geschikte Feder ruhen und müßig seyn kan: also hat Sie sich nicht entbrechen können, von der im Januario dieses Jahrs gehabten Gelegenheit, die Bergwerke zu Ilmenau in genauen Augenschein zu nehmen, oder, wie es nach der Bergwerkssprache heist, zu befahren, und an dem dabei empfundenen Vergnügen, auch andere Teil nehmen zu lassen, und das vornehmste, was sie bei dieser, zu zweien malẽ, den 23 und 30sten Januar. angestelten unterirdischen Reise, gesehen oder vielmehr bewundert hat, in einem Gedicht vorzustellen. Sie nennet es also: Das ilmenauische Bergwerk, wie solches den 23 und 30sten Jenner des 1737sten Jahrs befahren, und bei Gelegenheit des gewöhnlichen Bergfestes, mit poetischer Feder uf bergmännisch entworffen wurde, von Sidonia Hedwig Zäunemannin aus Erfurt, den 5ten Merz 1737. Erfurt gedrukt mit Carl Frider. Jungnicols hinterlassenen Erbin Schriften, 2 ½ B. in 4, nebst einem ansehnlichen Kupferstich von einem halben Bogen, worauf die iñere sowol als äuserliche Beschaffenheit des befahrnen Bergwerks so lebhaft als möglich war, entworfen wird. Die Zuschrift an den ieztregierenden König in Polen, gibt dem Gedichte selbst, an natürlicher, edeler, und echter Schönheit nichtes nach. Man kan gedenken, wie eingeschrenkt und gebunden die Feder unserer Tichterin gewesen seyn müsse, ← 163 | 164 → indem sie durchgehends die gewöhnlichen Kunstwörter der Bergwerksleute, auch in den Reimen selbst, beibehalten hat. Und dennoch ist alles fliessend, und schön, so daß man nicht weis, ob man das edle Feuer des sinreichen Geistes, oder den natürlichen Flus der Gedanken, oder die sinreiche Kunst der Erfindung, oder den durchgehends herschenden Geist der Andacht und Gottesfurcht mehr erheben sol. Wir wollen dem Leser zur Probe nur einige Strophen zu erwegen geben. Wan Sie z. E. die gewöhnliche Morgenandacht der Bergleute beschreibet.

Was blikt dort für ein Schein hervor?

Wen hör ich uf dem Zechhaus singen?

Hier wil dem HErrn ein Bergmanschor

Noch vor der Anfahrt Opfer bringen.

O tröstlicher Gesang! o schönes Sterbelied!

Das Herz wird kräftiglich gerühret,

Und von dem eiteln abgeführet,

Indem die Andachtsglut mich recht zum Himmel zieht.

Hier lerne ich die Welt und ihre Lust verachten,

Und meines JEsus Tod und meinen Tod betrachten.

Hie lern’ ich, wie man GOt verehrt,

Bevor man sich zur Arbeit kehrt.

Ihre grosse Begierde, die unterirdischen Wunder der Natur zu betrachten, und ihre fast mehr als mänliche Herzhaftigkeit drücket sie in nachfolgendem überaus lebhaft aus.

Ich kan die Regung meiner Brust

Unmöglich länger unterdrücken:

Ich mus zu meiner Herzenslust

Mich mit dem Bergmanskleide schmücken.

Der Schachhut ziert mich schon/ nun bin ich ganz verkleidt,

Mein Grubenlicht hat auch sein Feuer;

Kein unterirdisch Ungeheuer,

Noch Fahrt, Gefahr noch Müh sezt mich in Bangigkeit.

Schweigt stille! deñ mein Geist wagt alles durchzugehen.

Schweigt! lasst in Bergen mich die Weisheit Gottes sehen.

- - - - - -

Man wendet zwar darwieder ein:

Kein Weib sol Manneskleider tragen.

(Wan es gelegne Zeit wird seyn

Wil ich hierauf die Antwort sagen)

Man wirft mir weiter vor, dis sey nicht mein Beruf.

Es sey von GOt der Weiberorden

Zum Haushalt nur erschaffen worden,

Man nimt des Salomons sein Spruchbuch zum Behuf. ← 164 | 165 →

Der König hat zwar Recht: allein wer wils uns wehren?

Wan wir darneben auch uns von dem Pöbel kehren?

- - - - - -

Wozu hat uns die höchste Kraft

Verstand und Muht ins Herz gegeben?

Als daß wir auch nach Wissenschaft,

Und edlen Werken sollen streben?

Wie manches Frauenbild macht Kiel und Blat bekant?

Wie manches ist durch Heldenthaten

Ins Buch der Ewigkeit gerahten?

Spieß, Degen, Blat und Kiel ziert auch die Weiberhand.

Weswegen soll denn nicht ein Frauenbild auf Erden

Durch Leiter, Licht und Fahrt ein kühner Bergman werden?

Auch diese That mus rühmlich seyn.

Glük auf! ich fahre freudig ein.

Zurük! warum? O nein! mir macht

Die Seigerfahrt gar keinen Grauen.

Ich, und mein Führer haben acht,

Ich kan ganz wol den Wechsel schauen.

Mir komt die Seigerfahrt wie Jacobs Leiter für.

Hier seh’ ich wie die Seraphinen

Den Fahrenden zum Schutze dienen. …….

Und nicht weit vom Ende, lässt Sie Sich, nachdem Sie zwischen den Bergleuten und den Kriegern zu Lande eine Vergleichung angestellet, und iener Unverzagtheit dem Muht der letztern vorgezogen hatte, recht heldenmäßig also vernehmen.

Herr Berginspector immer fort!

Ich mus das Vorgesümpfe sehen,

Ich mus in diesem tieffen Ort

Auch mit Betrachtung stille stehen!

Wie so? auch da hinein? Das Wasser rauscht hier sehr.

Es hat seit zwölf und noch mehr Jahren

Kein Mensch dis Vorgesümpf befahren.

Die Kittel werden hier von vielem Wasser schwer.

Was Wasser? last es seyn! lassts toben, brausen, stürmen!

Ein Zärtling sucht sich nur vor dieses zu beschirmen.

Bleibt nur mein Feuer und sein Schein,

So fahr ich in das Tiefste ein.

Dem David wurde ehedem

Von Helden die im Tode leben,

Dort aus dem Brunnen Bethlehem

Ein Trank von Wasser übergeben.

O! hätt’ ich doch aniezt ein schönes Glas bei mir! ← 165 | 166 →

Ich wolte meine Sehnsucht stillen,

Und dieses Glas mit Wasser füllen.

Ich trüg’ es nach der Fahrt gleich meinem Herzog für.

O! daß ich doch die Hand zu Licht und Fahrt mus haben!

Ich brächte mein Geschenk und tiefste Ehrfurchtsgaben

Dem Held AUGUST mit voller Hand,

Gleich wie Sinät im Perserland - - - -

Hamburgische Berichte 1737, S. 246–250

Erfurt. Das lezte Gedicht von der Mad. Zäunemannin ist so beschaffen, daß es den übrigen mit Recht an die Seite gestellet werden kan. Sie besinget darin den Gedächtnistag der ehemaligen landersprieslichen Wahl ihres gnädigsten Landesherrn, H. Philip Karls, zum Erzbischof und Kurfürsten zu Mayntz, auf eine so geschikte Art, daß aus ieder Zeile der kluge muntere und sinreiche Geist der Urheberin hervorblicket. Die dritte Strophe, dieses aus 2 Bogen in fol. bestehenden, und zu Erfurt bei J.H. Nonne gedrukten Gedichtes fliesset also:

Der stol’z und weltbekante Rhein

Fliest gern und froh durch CARLS Gebiethe.

O! solte dieser redend seyn:

Er preiste dessen Macht und Güte.

Die Gere schwillt voll Freuden auf,

Und hemt oft ihren schnellen Lauf

Um Carls beglüktes Reich zu wässern,

Sie wächset unter dessen Schutz,

Und bringt dem Lande Frucht und Nutz,

Dadurch sich Feld und Fluren bessern.

- - - - - - - -

Bey manchem Fürsten siehet man

Nichts fürstlichs ausser seinem Namen.

Er ist der Laster Unterthan

Und mehret dadurch ihren Samen.

Er dient fast seine Lebenszeit

Der schnöden Niederträchtigkeit

Und lässet sich von ihr regieren.

Er ist der Diener ihr Vasall.

Warum? er läst sich überalle

Nach ihrem eignen Willen führen. - - - -

Hamburgische Berichte 1737, S. 396

Erfurt. Von daher wird uns von sicherer Hand einberichtet, daß die von Hohen und Niedern bisher mit gröstem Vergnügen und einhelligem Beifal gelesene einzelne Gedichte, der berühmten erffurtischen Tichterin, Sidonia Hedewig Zäunemannin, in dem Verlag eines dasigen Buchhändlers g. G. auf ← 166 | 167 → das künftige Neujahr M DCC XXXVIII, mit verschiedenen noch ungedrukten, aber eben so wolgesetzten, Stücken in 8 von etwa 2 Alphab. ans Licht gedeihen werden. Man hat Ursache dem Verleger sowol, wegen dieses übernommenen Verlagbuches, mit welchem er gewis nicht übel fahren wird, als der hochgeschätzten Verfasserin, wegen dieses bis auf die späteste Nachwelt daurenden öffentlichen Zeugnisses ihrer Gelehrsamkeit, Geschiklichkeit und Fleisses Glük zu wünschen, und bei dieser Gelegenheit dem ehemaligen Critico, Caelio Calcagnino die Worte aus seinen überaus selten anzutreffenden, aber vortreflich gelehrt und zierlich geschriebenen Briefen, des XV Buches abzuborgen, da er im fünften, an die Olympiadem Moratam gestelleten Briefe also schreibet. Jure igitur tibi, Virgo ornatissima, & gratulor, & te hortor, ut tuos istos profectus naviter promoveas, eosque quotidie meliores auctioresque facias, ut nostra quoque secula intelligant, magni nominis beneficentiam non cessare, neque bonarum artium studia feminis abiudicasse: multoque minus naturam effoetam esse, ut nonnulli, suae patrocinantes desidiae, arbitrati sunt, quae nostra etiam actate Aspasias & Diotimas non possit excitare, si modo cura & diligentia adhibeatur. Cuius rei facile fidem feceris, si constanter in coepta studia incumbas, & pro colo calamum, pro lino libros, pro acu stilum exerceas - - - - quo tua laus indies fiat illustrior. Und was er im folgenden Briefe an eben dieselbe setzet: Gratulor isti festivissimo ingenio tuo, pleno leporis, pleno eruditionis: cuius mihi certissimum testimonium dedit felix illa & praedives verborum supellex & argumentorum copia, quam in illam (scil. Defensionem Ciceronis) admirabili artificio congessisti, ut omnes oratorios lecythos propemodum reluisse videaris. Auget admirationem, quod, quom ceteris virginibus ille mos sit peculiaris, ut vernos flosculos hinc atque inde decerpant, unde sibi versicolorem coronam intexant: tu non tam flosculos illos, qui suis horis exspirant ac brevi commoriuntur: sed plane immortales amaranthos ex fecundis Musarum viretis legisti, quibus ceu teffellis vermiculatis totam orationem adornares, atque interspergeres. Quibus ea est etiam praerogativa, prope divinitus data, ut nunquam flaccescant sed aetatis beneficio fruantur & quotidie magis revirescant. – - – - Es sind diese Briefe übrigens zu Amberg MDCX in 8 gedrukt, und betragen 3 Alph. 7 Bogen. Vorne stehet des Verf. commentatio de imitatione oratoria. Sie verdienten vor vielen andern wieder gedrukt zu werden.

Hamburgische Berichte 1737, S. 593

Erfurt. Von dort komt uns folgender Aufsatz zu Händen. Nachdem ich einige Zeit her Gelegenheit gehabt habe, verschiedene, von der berühmt gewordenen gelehrten und belesenen Mademoiselle Sidonia Hedwig Zäunemannin, aus Erfurt, ausgegangene Gedichte zu drucken, so habe ich darbei verspüret, daß solche viele Liebhaber gefunden habe. Es ist auch öftere Nachfrage nach denen, so anderwerts gedrukt worden, geschehen. Zudem habe ich auch von ← 167 | 168 → vielen Orten Nachricht, daß man bisher gewünschet hat, es mögten solche Gedichte zusammen in einem Bande zu haben seyn. Weilen ich nun den suchenden Liebhabern nicht habe wilfahren können; so hat sich die Verfasserin, auf mein vorheriges Ansuchen, entschlossen, ihre bishero einzeln ausgefertigte Poesien zu samlen, und selbige, nebst andern noch nicht herausgekommenen, den Liebhabern einer reinen und netten Tichtkunst unter dem Titel: Poetische Rosen in Knospen, durch den Druk mitzuteilen. Ich habe mich also entschlossen, diesen Verlag über mich zu nehmen, und zwar durch die beliebte Art der Prenumeration, nicht zwar, als ob man solchen ohne diese nicht volführen könte; sondern damit man solches hierdurch desto mehr und ehender bekant mache, wie auch, damit dieienigen, so es gerne haben mögten, es nicht einzeln verschreiben, und dahero viel Porto geben müssen, da hergegen bei Samlung der Prenumeration die Exemplaria viel leichter übersandt werden können; zu geschweigen, daß, da sich viele Liebhaber finden mögten, man um desto eher im Stande seyn wird, einem ieden sein Verlangen stillen zu können.

1.) Das Werk hat die Verfasserin in 5 Klassen, nemlich in Geistliche, Leichen- Hochzeit- Lob- Ehren- und glükwünschende, wie auch vermischte Gedichte, eingeteilet, so etliche 50 Bogen stark, und mit der Verfasserin vorgesetzten Portrait ausgezieret seyn wird. Es sol in 8. auf fein weis Papir mit neuer Schrift gedrukt, und vor künftiger Frankfurter Ostermesse nechstkommenden Jahres unfehlbar fertig werden, weilen bereits Papir und Manuscript zum Druk bereit lieget, und ehestens unter die Presse kommen wird.

2.) Werden darauf bis zu Ende dieses Jahres 9 gute Groschen, oder 34 Kreutzer, Vorauszahlungsgeld angenommen, und kan solches bei denenienigen geschehen, so diese Anzeige ausgeben; nachhero aber wird man das Exemplar unter 16 Groschen nicht lassen können.

3.) Die Einsendung der gesamleten Gelder belieben die Herren Einnehmer an den Verleger, oder, weme Erfurt zu weit entlegen, auch nach Frankfurt an H. Gentzel, Factor der hallischen Buchhandlung, und nach Leipzig an Hn. Sam. Beni. Walther, Buchhändler, zu besorgen, von welchen Orten auch künftige Ostermesse 1738. die Exemplaria ausgesandt und geliefert werden.

4.) Weilen übrigens wegen Enge des Raums die Hn. Collectores mit Namen nicht haben beigedrukt werden können, als ersuchet man dieienigen, so sich hierinne Mühe geben wollen, und welchen dieses zugesendet wird, ins besondere aber die Hn. Buchhändler, hiermit dienstlich, etwa dero Namen vor der Ausgebung dieses hierunter zu schreiben, und die Samlung der Prenumeranten gütigst zu besorgen; dargegen sie das eilfte Exemplar als eine kleine Erkentlichkeit für dero Mühe zu gewarten haben.

Johann Heinrich Nonne, Buchdr.

wohnhaft auf der Pilse.

Hamburgische Berichte 1737, S. 680–682

(Pag.fehler: S. 982, lies: 682)

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Erffurt. Ihren zwei letzten überaus sinreichen und netten Gedichten, (nemlich auf die hochfürstl. Jagt bei Ilmenau, und die Einweihung der göttingischen Univ.) hatte die berühmte Madmesell Zäunemannin einen schriftlichen Bericht von zwei recht merkwürdigen Begebenheiten und besondern Abfällen der Natur, beigefüget, die wir dem geneigten Leser nicht verhelen können.

Ich kan auch, (schreibt sie) als etwas neues berichten, daß bei Ausgang des Octobers Hn. Stockmarn zu Ilmenau, (welcher meine Kupferplatte gestochen hat) sein Söhngen, von fast 3 Jahren alt, an den Blattern krank geworden ist. Nun hielte das Kind, so wie vorher, also auch in der Krankheit beständig mit dem bei sich habenden kleinen Hündgen. Da es sich dan zugetragen, daß der Hund eben so voller Blattern, von eben solcher Grösse und Farbe, wie das Kind geworden ist. Beide sind auch fast zu einer Zeit an den Blattern gestorben.

Das zweite ungewöhnliche ist dieses. Wir hatten von Hofe eine iährige starke Henne abgeschnitten: da ich dan bei der Ausnehmung derselben fand, daß, ausser dem Magen, alles ordentlich war. Dieser hatte seine Grösse und Form. In der Mitte aber des Magens sas noch einer, welcher gleichmäßig gestaltet, aber kaum so gros, als der unterste war. Da ich den grossen und ordentlichen Magen aufschnit, fand ich, daß aus diesem eine kleine Röre in den kleinen Magen hinaufging. Wie auch dieser geöfnet ward, erblickte ich an demselben eben dieienige iñerliche Form, nebst starker Haut, verdaueten Speisen, und Sand, wie an dem grössern. Es war also die Speise durch die besagte Röre aus dem grossen Magen in den kleinern gegangen. Ich bedaure, daß ich diesen gedoppelten Magen, einem der Physik verständigen zu zeigen, unterlassen, oder vielmehr versäumet habe.

Zäunemannin.

Hamburgische Berichte 1737, S. 816 f.

3.5Hamburgische Berichte 1738

Erfurt. Von daher läuft die briefliche Nachricht ein, daß die Universitet zu Göttingen, der dasigen in ganz Teutschland wegen ihrer fertigen Tichtkunst berühmten Jungfer Sidonia Hedwig Zäunemannin, die Ehre angethan habe, Ihr durch ein ihr übersandtes gedrucktes Patent den Titel und Vorrechte einer gekrönten Poetin beizulegen, und den wolverdienten Lorberkranz zu ertheilen; welcher ihr dan von dem hochgebohrnen Hn. Grafen, Hn. Hinrich XI Reuß, von Plauen, in Erffurt eigenhändig ist überreichet worden. Das von Hn. D. Feuerlein ausgefertigte, und uns von rühmlich gedachter Jungfer Zäunemannin hochgeneigt zugefertigte Patent, hält dieses unter andern im Munde: daß die academische Würden nicht allein für gelehrte und wolverdiente Männer gehören, sondern es habe auch das Frauenzim~er, wan selbiges durch statliche Proben gründlich erlangter Wissenschaften sich hervorgetahn ← 169 | 170 → habe, einen rechtmäßigen Anspruch daran. Und nur zweier solcher berühmten Tichterinnen Anerwehnung zu tuhn, so sey z. E. die vornehme Engelländerin, Elisabet Johanna Westonia, so sich meistens in Teutschland aufgehalten, und deren zierliche lateinische Gedichte und Briefe Georg Martin von Baldhofen, ein Schlesier, in drei Theilen herausgegeben habe, von Paulo Melisso, einem Franken, kaiserlichen Pfalzgrafen, wie auch kur-pfälzischen Raht und Bibliothecario, einem vortreflichen Poeten, 1601, und vor wenig Jahren die berühmte Fr. Christiana Mariana von Ziegler, ihrer vorzügl. teutschen Tichtkunst halben, von der philosophis. Facultet zu Wittenberg mit dem Lorberkranz beehret worden. Und aus eben dieser Bewegung habe die königl. göttingische Universitet, einhellig bewilliget, kraft der ihrem Prorectori zustehenden Würde eines Comitis palat. die edle und tugendbelobte Jgfr. Sidonia Hedewig Zäunemanninn, aus Erffurt gebürtig, welche, so wol durch viele vortrefliche teutsche Gedichte, so sie dem grossen GOt, hohen Regenten u. Helden, und andern lobwürdigen Personen zu Ehren, mithin zu Befoderung der Tugend, verfertiget, grossen Ruhm erworben, zu eben dieser Würde zu erheben. Es ist dieses Patent den 3 Jenner 1738 abgelassen.

Wir würden nicht unterlassen, die von dieser kais. gekrönten Tichterin, zur Danksagung für diese Ehre den 11 Jenner darauf zum Druck befoderte, und nach Göttingen übersandte Ode, die voller poetischen Schönheiten ist, wie auch eine andere ausbündig nette Ode, womit Sie se. Excell. Hn. Joh. Caspar, Freihern von Bogarel - - ihro kaiserl. Maiest. ernanten Reichshofraht, und ihro hochf. Durchl. zu Sachsen-Weimar geheimen Legationsraht und Abgesandten auf dem Reichstag zu Regenspurg, mit glückwünschender Feder dahin begleitet, dem Inhalt nach einzuführen, wan wir nicht wüsten, daß diese und andere schöne Gedichte, die wirklich zu Erffnrt unter der Presse sind, mit dem ehesten, zum algemeinen Anschauen würden dargeleget werden.

Der an Zierlichkeit nichts nachgehende schlesische Edelman, Hr. Ludewig Wilhelm von Langnau, hochreichsgräfl. calenbergische Hofmeister, ist der erste, welcher diese poetische Lorberkrone, recht lebhaft besungen hat: woraus wir zum Andenken dieser merkwürdigen Begebenheit, nur folgende Strophen vorlegen wollen:

Soll ich oder soll ich nicht

Ohne Geist und Feuer schreiben?

Kan ich wol ein matt Gedicht

Deinem Lorber schuldig bleiben?

Deinem Lorber, dessen Aeste

Nie Minervens weise Hand

Würdiger als zu dem Feste

Deiner Krönung angewandt - - - -

Nun ist kein Verachtungs-Staub

An dem Kranze mehr zu spüren: ← 170 | 171 →

Branchet man sein kostbar Laub,

Solche Scheiteln auszuzieren.

Wird mit diesen Ehrenzeichen

Ein so theures Haupt umkränzt,

Mus ihr Ruhm den Ort erreichen,

Wo es um den Nordpol glänzt.

Sapho in Geranens Schoos,

Laura unsrer teutschen Gründe,

Mache, bist Du schon so gros,

Daß man Dich noch grösser finde!

Dieses sag ich mit Bedachte,

Ob Du gleich am Gipfel stehst,

Wo Du weiter keinem Prachte

Solches Schmucks entgegen gehst.

Zu des Ruhms Unsterblichkeit

Las Dich auch die Grosmuht lenken:

Wer der Tadelsucht verzeiht,

Wers den Neidern gut kan schenken:

Kan, wan seine Ehren-Aeste

Schon um Schlaf und Scheitel blühn,

Ob ihn Haß und Bosheit presste,

Noch mehr Ehrfurcht an sich ziehn.

Wird einst in der stillen Klufft

Auch Dein Kranz mit Dir verwesen:

Wird dennoch bei Deiner Gruft

Später Enkel Auge lesen:

Wem Georg Augustens Krone

Hab zuerst den Schlaf umringt,

Die Dir von dem Musentrohne

Ein erlauchter Krannich bringt.

- - - - - - - -

Hamburgische Berichte 1738, S. 83–85

Erfurt. Die dortige vortrefliche Tichterin, Madem. Sidonia Hedewig Zäunemannin, kaiserl. gekrönte Poetin, beehret uns mit ihren nunmehro völlig abgedruckten poetischen Rosen in Knospen, (wie der Titel heist), Erfurt 1738, druckts und verlegt es Joh. Hinr. Nonne, in 8. 2 Alphab. 6 B., nebst dem zu Anfangs erscheinenden Ebenbilde dieser Poetin, wie Sie mit dem Loberkranz gezieret ist. Von den einzelnen Gedichten dieser poetischen Feder, haben wir mehrmalen, da es nöhtig war, unser geringfügiges Urtheil angezeiget. Anietzt lassen wir die Gedichte selbst reden, da sie iederman öffentlich vor Augen liegen. Die Einrichtung anbelangend, so machen darin die geistlichen Gedichte den Anfang. Diese begleiten die Leichen- Hochzeit- und Ehrengedichte, und zuletzt machen die vermischten Gedichte, nebst einem Anhang einiger ← 171 | 172 → auf die Verfasserin und ihr zu Ehren verfertigte Gedichte den Schlus. In der gebundenen Zuschrift überreicht die Verfasserin diese Samlung der rußischen Kaiserin Anna Iwanovna. Die Vorrede ist, wie alles andere, vol Feuer, Geist und Leben, und die Verfasserin ertheilet darin in einer beständigen Allegorie, oder verblümten Vergleichung, so von den Rosen hergenommen ist, von gegenwärtiger Samlung eine volkomne Rechenschaft. „Rosen (schreibt sie unter andern) wachsen nicht ohne Stacheln, also wirst du auch iezuweilen unter diesen poetischen Rosenknospen einige antreffen, welche mit kleinen Stacheln umgeben sind. Doch dafern deine Vernunft geläutert ist - - - so wirstu sehen, daß ich mich hierbei iederzeit bescheiden aufgeführet habe, indem mein Vorsatz nie mals gewesen ist, eine Arbeit zu verfertigen, wodurich mein Nechster wirklich mögte beleidiget oder geärgert werden. Ich halte dafür, es sey weder christlich noch philosophisch gehandelt, wan man die Fehltritte, Schwachheiten oder Uebereilungen seines Nechsten spöttischer, liebloser, oder verleumderischer Weise durchziehet, und ihn öffentlich auf den Schauplatz stellet. Aber öffentliche und im Schwange gehende Tohrheiten und Fehler hochmühtiger und tadelsüchtiger Menschen auf eine nette, sinreiche, lebhafte und überzeugende Art in einer vernünftigen Satyre abzuschildern, ist so wol was nützliches als erlaubtes.“

Da übrigens die geschickte Verfasserin sich auch darin vor andern glücklich schätzen kan, daß ihre Gedichte von verschiedenen durchlauchten Personen gar gnädig sind aufgenom~en, und zum Theil eigenhändig begehret und beantwortet worden: so trift man hier auch verschiedene dahin gehörige Stücke an. In der That ist diese Samlung einem wolangelagtem Blumengarten nicht unähnlich, in welchem theils die Menge, theils die Mannigfaltigkeit, theils auch die natürliche Schönheit, vortrefliche Bildung, und die so wunderbar durch einander spielende Farbenmischung vieler Bluhmen unsere Augen in eine bewundernde Vergnügung setzet.

Hamburgische Berichte 1738, S. 379 f.

Jena vom 5. Aug. Zu Ende vorigen Monats beehrte uns die in der gelehrten Welt einige Zeit her berühmte Dichterin aus Erfurt, Madem. Sidonia Hedewig Zäunemannin, mit ihrer angenehmen Gegenwart, und unterlies nicht bei dieser Gelegenheit unsere Hn. Professores zu besuchen, mit deren iedem Sie aus seinem Scibili oder Wissenschaft, die er öffentlich lehret, sehr geschickt, munter, und beredt zu discuriren wuste. Wie man von sicherer Hand vernimt, sol der geübte Medailleur, oder Münzenverfertiger zu Gotha, Hr. Wermuht, ihr zu Ehren eine Gedächtnismünze verfertigen, wovon hinkünftig etwas mehrers.

Hamburgische Berichte 1738, S. 581

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3.6Hamburgische Berichte 1739

Der Hr. Doct. Brückmann in Wolffenb. hat die drey auf die Krönung der Jgfr. Sidonia Hedew. Zäunemannin zur Poetin in Göttingen 1738. verfertigte schöne Medaillen, auf ein sauber Kupfer stechen lassen, und ist willens, solches dem zweyten Supplement zu seiner schönen numismatischen Bibliothek, welches er itzo in der Arbeit hat, vorzusetzen.

Hamburgische Berichte 1739, S. 282

Erfurt. Die daselbst durch ihre fertige Poesie täglich berühmter werdende Jungfr. Sidonia Hedwig Zäunemannin, käiserl. gekrönte Poetin, beehret uns mit einem neuen Gedichte, das nicht nur an Länge, sondern auch an Kunst, Anmuth, Belesenheit und Verstandesschärfe, einen besondern Preis behauptet. Es überschreibt sich: Die von den Faunen gepeitschte Laster …. Frankfurt und Leipzig. bey Hinr. Ludew. Brönner MDCCXXXIX. 11 Bogen in 4. und sol, wie uns ein hier durch gehender Freund versichert, ohne ausdrükliche Volmacht der gelehrten Verfasserin, von einem zu Frankfurt sich aufhaltenden guten Freunde derselbẽ, welchem sie es geschrieben zugesandt hatte, auf dessen Kosten zum Druk befordert seyn. Der Titel ist etwas figürlich, der Vorbericht aber erkläret denselben desto deutlicher. Ich tadele, schreibt darin die Verfasserin, die Unarten der Menschen: denke also nicht, mein Leser, daß ich von Personen schreiben, und dieselben durchziehen, vielweniger mich an meinen Feinden oder Spöttern rächen, und sie auf den Schauplatz stellen wolle ….. sondern bemühe mich lasterhafte und strafbare Handlungen auf eine überzeugende, sinreiche und beissende Art vorzustellen und zu bestrafen. Die geschikte Verfasserin betrit also für dieses mal eine neue Bahn. Sie spitzet ihre bisher meistentheils mit Lob- und Trauergedichten bemüht gewesene Feder zu einer vernünftigen und zwar an sich scharfen, aber dabei sitsamen, und keine besondere Person durchhechelnden Stachelschrift. Mit einem Wort: sie bestrebet sich, die verkehrten Neigungen, lasterhafte Sitten, und so schädliche als thörichte Gewohnheiten unserer heutigen Welt, durch hesliche Beschreibungen, lebhafte Vorstellungen, und triftige Vernunft- und Erfahrungsgründe auszubessern, und in gewisser maße denienigen lobenswürdigen Mahlern nachzuahmen, die zwar alle Kräfte ihrer Einbildung und Kunst, Pinsel und Farbe dazu anwenden, dieses und ienes Laster z. E. den Geitz, oder die Völlerey, unter mancherley Gestalt/ recht scheuslich und natürlich vorzustellen: niemals aber sich unternehmen, diesen oder ienen Geitzigen oder Trunkenbold, entweder nach seiner gewöhnlichen Kleidung oder eigentlichen Gesichtsstellung, kenbar und zugleich lächerlich zu machen. Wan eine Stachelschrift also eingerichtet ist, verdienet sie den Lobspruch aller Wolgesinneten. Man würde der Billigkeit selbst zunahe treten, wan man nichts destoweniger auf den Verfertiger derselben einen unversöhnlichen Has werfen, u. auf unrechtmäßige Rache bedacht seyn wolte. ← 173 | 174 →

Abb. 15:Brückmann 1741, Frontispiz. © Österreichische Nationalbibliothek, Sign. 277309-A / FKB 321-082 (XXIV-2).

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Wir könten zu desto genauerer Einschauung und Beleuchtung der mancherley guten Eigenschaften und ungeschminkten Schönheiten der gegenwärtigen Arbeit, dem Leser zu bedenken geben, wie gar schwer es sey ein langes Gedicht zu schreiben, und dennoch niemals gemeine Ausdrücke, unausgesuchte Worte, zuweit hergeholte Ausschweifungen, matte Gedanken, unnatürliche Beschreibungen, unlautere Reime, gezwungene Erweiterungen, unrichtige Wortfügungen, und dergleichen unvolkommenes, mit unterlaufen zu lassen. Wir könten zu desto mehrerer Erhebung des preiswürdigen Unternehmens der Verfaßerin, die grossen Schwierigkeiten zu erwegen geben, welche mit der Verfertigung einer klugen und eindringenden Satyr, verknüpfet sind. Endlich könten wir auch darthun, daß der alleredelste Gebrauch der Poesie darin bestehe, wan sie eines Theils zum Lobe des grossen GOttes, andern Theils zur Sittenausbesserung der Menschen angewandt werde.

Zu Vermeidung aber aller Weitleuftigkeit, lassen wir es genung seyn, aus dem Gedicht selbst, nur einige Stellen bekant zu machen. So beschreibt Sie z. E. p. 27. das auch den Teutschen nicht unbekante Laster der Verleumdung:

Schweigt, schweigt ihr Physici! Ich glaub’ euch nun nicht mehr,

Daß nur der Basilisk in wüsten Hölen wär,

Man könte nirgends sonst die sehr verschmitzte Schlangen,

Als nur im düstern Wald, und Felsenritzen fangen.

Das Paradies hat sie so gut hervorgebracht,

Als wie das Taubenpar, aus dem die Unschuld lacht.

Und ob sie Got auch gleich aus solchem Ort vertrieben/

So ist sie dennoch stets am schönsten Ort geblieben.

Der Schos Germaniens, das teutsche Herz und Blut

Ist ietzt ihr Aufenthalt, alwo sie sicher ruht.

Sie hat sich an der Brust der Menschen umgeschlungen,

Daß auch ihr starker Gift durch Fleisch und Blut gedrungẽ.

Mir schaudert fast die Haut, daß ich sie nennen sol.

Wie ist doch unsere Zeit von den Verleumdern vol?

Wo ist dein alter Ruhm o Teutschland! hingekommen?

Hat die Verleumdung dir den alten Glanz benommen?

Man sah’ der Klugen Ruhm vordem nicht neidisch an ….

Und p. 48. setzet sie den Fleis der Alten mit dem Unfleis der Neuern in folgende Vergleichung:

Ihr Lehrer von Athen! ihr altberühmte Weisen!

Wie glüklich seyd ihr nicht vor aller Welt zu preisen!

Weil eurer Schüler Geist um Pallas Rauchalter

Und um den Musenhayn still/ klug und emsig war?

Kein ferner Weg, kein Schweis, kein stark und mühsam Schwitzen,

Noch Lesen ward gespart. Man rang nach Kunst und Ruhm,

Und schmückte durch den Fleis der Musen Heiligthum. ← 175 | 176 →

Wo ist der stille Fleis der Alten hingekommen?

Weint Musen! denn er wird ietzt nicht wie vor vernommen.

Komt Musen, klagt und seufzt, denn euer Helicon

Beschimpft der Trägheit Freund, bestekt der Faulheit Sohn.

Wer hört Aurorens Mund den guten Morgen sagen?

Wer kan das Sitzefleisch bis in die Nacht vertragen?

Wird Sträusand wol so viel als Schnupftobak verthan?

Wer greift die Feder mehr als lange Pfeiffen an?

Der Karten Menge mus der Bücher Zahl ersetzen.

Den Degen sucht man ietzt mehr als den Kiel zu wetzen.

Ein blöckendes Geschrey geht Musenliedern für.

Der Lais freche Stirn wird aller Musen Zier/

Ja selbst Eusebien und Themis vorgezogen …..

Hamburgische Berichte 1739, S. 757–759

3.7Hamburgische Berichte 1741

Erfurt vom 13 Febr.

Da sich schon vor einigen Monaten das Gerücht von dem unverhoften Absterben der berühmten Zäunemannin zu Erfurt ausgebreitet hat, solches aber dennoch von einigen noch in Zweifel gezogen werden wolte; so haben die Verfasser dieser Berichte, ihrer Schuldigkeit zu seyn erachtet, diesfals eine beglaubte Nachricht einzuziehen. Nachdem sie also vor einigen Wochen ein Schreiben nach Erfurt abgelassen, haben sie nicht nur, mit nicht wenigem Bedauren, die Gewisheit dieses Sterbfals, sondern auch folgende Lebensbeschreibung der Wolseligen von sichern Händen erhalten.

Sidonia Hedwig Zäunemannin, kaiserliche gekrönte Poetin: ward den 15 Jan. 1714. an diese Welt gebohren. Ihr Hr. Vater, welcher noch am Leben, ist Hr. Paul Nicol. Zäuneman, Juris practicus bei dem curfürstl. Dicasterio in Erfurt: ihre Fr. Mutter welche sie im vorigen Jahr zu ihrer grösten Betrübnis verlohr, war Fr. Hedwig Dorothea, gebohrne Guldenmundin.

Schon in ihrer Kindheit hatte sie zu verschiedenen Malen das Unglück in das Wasser zu fallen, woraus sie aber allemal glücklich gerettet ward. Sie beflis sich von Jugend auf eines stillen und christlichen Wandels, zeigete, auch iederzeit eine grosse Begierde zu gelehrten Wissenschaften, daher sie immerzu, wo es ihre andere Geschäfte zuliessen, über den Büchern sas, und sich die darin enthaltene Sachen bekant machte. In ihrer Religion war sie fest gegründet und eifrig, hatte auch die Grundsätze der andern Religionen völlig inne, indem sie unter andern Schriften auch solche sehr fleißig zu lesen pflegte, die von fremden Glaubensverwandten aufgesetzet waren. Ihr Gemüthe zeigte iederzeit etwas Hohes und recht Mänliches. Alles was sie angrif, wuste sie geschickt hinauszuführen. Sie hatte zwar niemals zur Poesie einige Anleitung bekommen, gleichwol lies sie sich das Exempel der berühmten kaiserlichen ← 176 | 177 → Poetin in Leipzig, der Frau von Ziegler, zur Anreitzung dienen, dieser Kunst nachzutrachten. In solcher Absicht fing sie im Jahr 1728. an, die Psalmen Davids in Verse zu übersetzen, welches ihr auch so glücklich von staten ging, daß sie selbigen im folgenden Jahr zu Stande brachte, darneben auch viele Kapitel aus dem Buch Esdra, Nehemia, Esther und Hiob in gebundener Schreibart abfassete. Wie sie aber nachher immer mehr und mehr in der Poesie zunahm, und die Fehler, die sie in diesen Uebersetzungen, aus Mangel einiger Anweisung begangen hatte, bemerkete, warf sie selbige allesamt benebst noch vielen andern poetischen Stücken, ins Feuer. Die erste poetische Schrift welche sie fremden Augen unterwarf, war eine Ode, unter dem Titel, Luthrisch ist gut sterben, ec. zu deren Abfassung ihr ein catholisches Lied, das zur selben Zeit unter den Titel, Catholisch ist gut sterben, ec. bekant ward, Anlas gegeben hatte, welches man aber hrrnach bei öffentlicher Ausgabe ihrer poetischen Rosen in Knospen, in der Censur nicht paßiren lassen wolte. Ihr unermüdeter Fleis lies sich auch durch nichts unterbrechen, und da ihr sel. Frau Mutter nicht allezeit damit zu frieden war, daß sie sich so ämsich auf die Poesie legte, so gebrauchte sie sich zu Verfertigung ihrer Verse der Nachzeit, um nur ihren Trieben zur Dichtkunst eine Genüge zu leisten, und Gedichte zu verfertigen. Nachdem sie sich nun durch diesen Fleis endlich eine solche Geschicklichkeit in der Poesie zuwegegebracht hatte, daß sie im Stande zu seyn glaubte sich der Welt zu zeigen, so lies sie die von iederman wolaufgenommene Ode, auf ihre Durchl. den Prinz Eugen, auf die am Rhein stehende kaiserl. Husaren, und soferner in öffentlichen Druck ausgehen, wodurch ihr Name weit und breit bekant wurde. Eine Probe ihres unerschrockenen Muthes lies sie deutlich genug sehen, da sie sich unterstund das Grubenlicht zu ergreiffen, und in das ilmenauische Bergwerk einzufahren, woselbst sie sich auch nicht scheuete die gefährlichsten Oerter zu bestehen, welche von vielen Jahren her von den Bergleuten nicht waren besuchet worden. Hier bekam sie nun wieder Anlas ihre Geschicklichkeit in der Poesie sehen zu lassen, und alles was nur im Bergwerk sehens- und betrachtungswürdig vorgefallen war, in einer schönen Ode weitleuftig zu beschreiben. Im Jahr 1738. gab sie ihre sämtliche Gedichte, so viel sie für gut fand, öffentlich sehen zu lassen, im Druck heraus, worunter aber auch eine Ode auf die salzburgische Emigranten, von einen evangelischen Censor, über Bücherrichter ausgesetzet wurde. Das folgende Jahr den 11. Jan. wurde ihr von dem hochgebohrnen Grafen und Hn. Heinrich Reus XI. des h. r. Reichs Grafen und Herrn zu Plauen in Obergraitz ec. der von der neuen königl. grosbritannischen und curbraunschweig-lüneburgischen Academie in Göttingen, ihr am dritten Jenner verehrete, poetische Lorberkranz, überbracht. Sie stunde bei vielen grossen Fürsten und Herren in hohen Gnaden und grosse Gelehrte in Teutschland suchten ihre Bekantschaft. So oft vornehme und gelehrte Leute durch Erfurth reiseten, kamen sie zu ihr und machten sich ein Vergnügen daraus, sie kennen zu lernen. Man schrieb ← 177 | 178 → von weit entlegenen Orten an sie, und bat sich ihre Freundschaft aus. Viele adeliche und andere Weibespersonen baten sie um Unterricht in der Poesie, und gestunden, daß sie durch ihre Schriften zur Dichtkunst wären angereitzet worden. Sonst bestanden ihre Verrichtungen, nebst Verfertigung einiger für sich und andere Personen verfertigten Gedichte, gröstentheils in philosophischen Betrachtungen. Das Merkwürdigste in ihrem Leben ist dieses daß sie sich niemals vor dem Tode fürchtete, sondern sich iederzeit wünschete, bald selig zu sterben, wie sie denn in diesem ganzen Jahr immerzu von ihrem Tode geredet und gewis geglaubet hat, daß sie 1740. sterben würde. Sie war in allen gelassen, es möchte ihr auch begegnen was es wolte, besonders in diesem Jahr, da sie oft selbst gestund: sie freuete sich über nichts, sie betrübte sich über nichts, sie erzürnete sich über nichts, sie entsetzte sich über nichts, kurz: es möchte ihr begegnen was es wolte, es wäre ihr alles einerley. Weil sie sich indessen in der Poesie so sehr hervorgethan hatte, so bekam sie unschuldiger Weise bei der grossen Menge guter Freunde, auch einige Feinde, die ihren Ruhm mit neidischen Augen ansahen Es waren aber schlechte und niederträchtige Gemühter, die durch einen Zweikampf mit ihr berühmt zu werden trachteten; wie denn nur noch kürzlich ein solcher einfältiger Tropf durch eine auf sie verfertigte Schmähschrift an ihr zum Ritter werden wollen. Sie verachtete ihn aber grosmühtig und getröstete sich ihres guten Gewissens und der Zeugnisse derienigen die sie kenneten, und von ihrem Lebenswandel bessere Wissenschaft hatten. Gleichwol würde sie dem letztern Pasquillanten nachdrücklich, iedoch ganz bescheiden geantwortet haben, wann sie der Todt nicht weggenommen hätte, dahero auch das Manuscript liegen geblieben. Als sie nemlich am 11. Dec. 1740. sich eine Motion machen, und ihre verheyrathete Schwester in Ilmenau besuchen wolte, gerieth sie auf einen von Wasser lockergemachten Fussteg, unweit der Stadt Plauen bei Arnstadt, und wurde von dem stürmenden Winde und wilden Wasserwellen hingerissen, daß sie in der Fluth ihr Leben endigen muste. Doch das Wasser, so wütend und gros es auch war, durfte den edlen Körper nicht weiter mit sich führen, sondern muste ihn gar bald an das Ufer werfen, und in der plauischen Fluhr liegen lassen. Sie ward hierauf am 13 dieses, weil man wegen des aufgeschwollenen Wassers, so alle Brücken weggeschwemmet hatte, ihr nicht eher beikommen konte, von dem Stadtrath zu Plauen aufgehoben, auf einen Wagen gelegt und in der verwitweten Pfarrin, Fr. Rambachin Haus in Plauen gebracht, alwo sie bis zu ihrer Beerdigung behörig abgewartet und behalten wurde, da sie denn am 26 Jenner, nachmittags um zwei Uhr, unter Begleitung einer sehr zahlreichen Menge von Mannes- und Weibespersonen in die Kirche getragen, und mit einer wolgesetzten Trauerrede des dasigen Hn M. Joh. Gotfr. Olearii, und Absingung christl. Sterbelieder in ihr Grab zur Ruhe gebracht wurde. Und weil die Verstorbene ihren poetischen Lorberkranz nicht haben können, so gab ihr ihre Schwester zu Ilmenau, nebst dem Todten- oder Sterbkleide, auch ← 178 | 179 → einen andern Lorberkranz und Straus mit in das Grab. Die Seligverstorbene hinterlässet, nebst ihrem obgedachten, mit Recht höchstbetrübten Hn. Vater, noch zwei Schwestern, Martham Paulinam, des gelehrten und berühmten Medici und hochfürstl. sächsisch-weymarischen Stadt-Land- und Begamts Physici zu Ilmenau, Fr. Eheliebste, und Johannam Mariam Benedictam Zäunemannin in Erfurt, die noch ledigen Standes ist.

So weit gehet der eingesandte Bericht, eines der Wolseligen sehr nahen Freundes. Die übrigen hier nicht berührten Umstände ihres so tugendhaften, als stets bemühten, (nur gar zu kurzen) Lebens, melden zum Theil unsere Berichte, vom Jahr 1735, 1736, 1737, 1738, und 1739, als in welchen Jahren die Verfasser derselben mit diesem gelehrten Frauenzimmer einen beständigen Brief-Wechsel unterhalten haben: wie Sie denn auch denselben die Ehre that, im Jahr 1736 ein mit vieler philosophischen Einsicht und Zierlichkeit abgefastes gelehrtes Schreiben von etlichen Bogen an dieselbe ergehen zu lassen, welches dem Jahr 1736 vorgedruckt ist. Aus obenangeführten von der Wolseligen an die Verfasser abgelassenen eigenhändigen Briefen, deren an der Zahl bei nahe dreißig sind, könnten wir noch verschiedenes zum wolverdienten Ruhm des Wolseligen beibringen, daraus insonderheit ihre natürliche Geschicklichkeit, sich in ungebundener sowol als gebundener Sprache, sitsam, vernünftig, munter, nachdrücklich und zierlich auszudrucken über alle vorkommende, auch gelehrte Vorwürfe, ein gründliches Urtheil zu fällen, und überhaupt der Character einer, so wol Got, als Menschen, aufrichtig liebenden, und sonst alle Pflichten gegen Got, sich selbst und ihren Nächsten, so viel möglich ausübenden Person klärlich hervorleuchten, auch manches dazu dienen würde, den Lebenslauf der Wolseligen zu ergenzen. Da uns aber zu dergleichen Weitleuftigkeit der Raum gebricht, und sich vieleicht ein geschickter Man findet, der etwas Volständiges hievon zu Papier bringet, und das Ebenbild dieses mit vielen Vorzügen und Seltenheiten prangenden Dichtern, in der Nachwelt, in seiner völligen Grösse darstellet, welchem sodan unsere in Händen habenden Beiträge von ungedruckten Briefen und Gedichten, unversagt seyn solten: so erachten wir so wol für nöhtig als rathsam, hiemit abzubrechen. Eines aber müssen wir dem Leser doch noch melden, das etwas besonderes ist. Wir finden nemlich in diesen ihren Briefen mehr als eine Stelle, woraus erhellet, daß sie sich selbst kein langes Leben prophezeyet, und fast mehr ein kürzeres als lange daurendes Leben gewünschet habe. So schreibt sie zum Exempel, in einem Briefe untern 21 April. (1736.) wann sie uns von ihren heraus zu gebenden poetischen Werke, und wie sie es damit gehalten haben wolle, Nachricht giebt: Dieses mus bei ienem seyn, oder es ruhe bis nach meinem Got gefälligen, und mir vergnügten Absterben.

Was Besonderes und Merkwürdiges ist es auch, wan die Wolselige an einem Orte schreibet, daß ihr Namenstag ihr iederzeit fatal gewesen sey. Auf dero gütigste Frage, ob ich auf den 17 Sept. (*) nach Göttingen kommen werde, ← 179 | 180 → (schreibet sie unterm 18 May, 1737.) diene mit Nein zur schuldigen Antwort. Denn der 19 dieses, als mein Namenstag Sidonia ist mir einige Jahre nach einander ein höchst unglücklicher Tag gewesen: Daher ich hier, so Got Leben giebt, diesen Tag ohne die geringste gewöhnliche Geschäfte und Anschauen der Menschen in der Stille zubringen wil, um zu versuchen, ob er ohne Betrübnis vorbei gehet. Daher ich auf diese Zeit weder in Geselschaft, noch auf der Reise seyn mag.

(*) Es war dieses der Tag der Inauguration.

Hamburgische Berichte 1741, S. 131–137

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