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Dr. Martin Luthers Reformationsschriften des Jahres 1520

«An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung» – «Von der Babylonischen Gefangenschaft. Ein Vorspiel» – «Von der Freiheit eines Christenmenschen»

Horst Jesse

Der Autor thematisiert und kommentiert die drei Reformationsschriften Martin Luthers aus dem Jahr 1520. Mit diesen Schriften gab der Reformator einen Anstoß zur Reinigung der kirchlichen Missstände in der römisch-katholischen Kirche und der Christenheit und stellte Reformpläne als Lebensanweisungen für den biblischen Glauben und für eine christliche Ethik auf. Auf die biblisch-theologischen Schriften antwortete die römisch-katholische Kirche erst mit dem Konzil von Trient (1545–1563). Luthers drei Reformationsschriften sind auch heute eine wichtige Basis im Gespräch der Gläubigen mit der Welt und mit ihrem Glaubensleben darin, wie auch in den Ökumenischen Gesprächen der Kirchen und Religionen.
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II. Einführung und Text: „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche. Ein Vorspiel“ (De captivitate Babylonica ecclesiae, praeludium, von 1520) (WA 6, 497–573)

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Ich will nicht raten, auch nicht wehren, dass die, so noch nicht Weiber haben, ehelich werden oder ohne Weib bleiben; ich überlasse das einer allgemeinen christlichen Ordnung und eines jeglichen besseren Verständnis. Aber dem elenden Haufen will ich meinen treuen Rat nicht verbergen und ihren Trost nicht vorenthalten, die da jetzt, mit Weib und Kind beladen, in Schanden und schweren Gewissen sitzen, das man sie eine Pfaffenhure, die Kinder Pfaffenkinder schilt; und sag das als mein Hofrecht frei.

Man findet manchen frommen Pfarrer, dem sonst niemand einen Tadel geben kann, denn dass er schwach ist und mit einem Weib zuschanden worden, welche doch beide so gesinnet sind in ihres Herzen Grund, dass sie gerne wollten immer beieinander bleiben in rechter ehelicher Treue, wenn sie nur das könnten mit gutem Gewissen tun, obgleich sie die Schande müssen öffentlich tragen; die zwei sind gewiss vor Gott ehelich. Und hier sag ich, dass, wenn sie so gesinnet sind und so in ein Leben kommen, dass sie nur ihr Gewissen frisch erretten; er nehme sie zum ehelichen Weib, behalt sie und leb sonst redlich mit ihr wie ein ehelicher Mann, unangesehen, ob das der Papst will oder nicht will, es sei wider geistlich oder fleischlich Gesetz. Es liegt mehr an deiner Seelen Seligkeit denn an den tyrannischen, eigengewaltigen, übermütigen Gesetzen, die zur Seligkeit nicht not sind, so von Gott geboren, und sollte ebenso tun wie die Kinder von Israel, die den Ägyptern stahlen ihren verdienen Lohn oder wie...

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