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Von der Hierarchie zur Egalität in den Zivilrechtskodifikationen des 19. Jahrhunderts vor dem BGB

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Daniel Hupe

Daniel Hupe vergleicht ausgewählte Kodifikationsprojekte des 19. Jahrhunderts miteinander und untersucht diese auf das Vorhandensein und die Ausgestaltung einer zivilrechtlichen Gleichheit. Die untersuchten Kodifikationsprojekte stellen grundlegende Meilensteine auf dem Weg zu einer modernen Zivilgesellschaft dar, in denen sich bereits erste Anzeichen einer zivilrechtlichen Gleichheit finden lassen. Ein besonderes Augenmerk legt der Autor auf das Zivilrecht sowie auf das Verfassungsrecht, Wirtschaftsrecht und die soziale Situation in der Gesellschaft. Dazu untersucht er die folgenden Gesetzestexte: das preußische ALR, den Code civil, das Badische Landrecht, das ABGB, den hessischen Entwurf eines BGB, das Privatrechtsgesetzbuch des Kantons Zürich in der Schweiz, den bayerischen Entwurf eines BGB und das Sächsische BGB.
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B. Die Entwicklung der Gleichheit

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Unter Hierarchie wird im heutigen Sprachgebrauch eine Rangordnung beziehungsweise Rangfolge verstanden.25 Hierarchie in Bezug auf eine Gesellschaftsform deutet auf eine Rangordnung einzelner Klassen oder auch Stufen hin, den sogenannten Ständen. Als Stand wird im Allgemeinen eine abgrenzbare soziale Gruppe verstanden, die in ein bestimmtes gesellschaftliches Gesamtsystem unter immanenter Bezeichnung ihres Platzes eingebettet ist.26 Dabei werden jeder Stufe bestimmte Rechte, Vorteile beziehungsweise Nachteile zugesprochen. In der Regel ist diese gesellschaftliche Rangfolge so ausgestaltet, dass sich die Zahl der Teilhaber der einzelnen Klassen umgekehrt proportional zu der Anzahl, beziehungsweise der Reichweite der Privilegien, verhalten. Auf der höchsten Ebene dieser Hierarchie herrschen demnach die meisten Vorteile, die Zahl der daran teilhabenden Individuen ist jedoch im Verhältnis gesehen am geringsten. Dieses Gesellschaftsmodell war bis zum Ende des ancien régime27 vorherrschend. Die gesamte Gesellschaft war strikt in verschiedene Klassen oder auch Stände gegliedert.28

Egalität beziehungsweise Gleichheit dagegen ist die „Übereinstimmung einer Mehrzahl von Gegenständen, Personen oder Sachverhalten in einem bestimmten Merkmal, bei Verschiedenheit in anderen Merkmalen“29. Bezieht man diesen Begriff auf eine Gesellschaftsform, so stehen dabei alle Mitglieder dieser Gesellschaft auf der gleichen Stufe. Sie alle haben demnach in Bezug auf das übereinstimmende Merkmal die gleichen Rechte, seien es Vorzüge oder auch Nachteile. ← 19 | 20 → Als verdeutlichendes Beispiel können hier die gleichen Rechte zwischen Mann und Frau genannt werden, die ohne Rücksicht auf das Alter, die Herkunft oder die grundlegenden biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen.

Auch wenn...

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