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Von der Hierarchie zur Egalität in den Zivilrechtskodifikationen des 19. Jahrhunderts vor dem BGB

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Daniel Hupe

Daniel Hupe vergleicht ausgewählte Kodifikationsprojekte des 19. Jahrhunderts miteinander und untersucht diese auf das Vorhandensein und die Ausgestaltung einer zivilrechtlichen Gleichheit. Die untersuchten Kodifikationsprojekte stellen grundlegende Meilensteine auf dem Weg zu einer modernen Zivilgesellschaft dar, in denen sich bereits erste Anzeichen einer zivilrechtlichen Gleichheit finden lassen. Ein besonderes Augenmerk legt der Autor auf das Zivilrecht sowie auf das Verfassungsrecht, Wirtschaftsrecht und die soziale Situation in der Gesellschaft. Dazu untersucht er die folgenden Gesetzestexte: das preußische ALR, den Code civil, das Badische Landrecht, das ABGB, den hessischen Entwurf eines BGB, das Privatrechtsgesetzbuch des Kantons Zürich in der Schweiz, den bayerischen Entwurf eines BGB und das Sächsische BGB.
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3. Auswirkungen der gezeigten Veränderungen auf das Wirtschaftsrecht

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Neben den bisher diskutierten zivilrechtlichen Veränderungen im Bereich des Familien- und Erbrechts, kam es in Folge der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung auch zu umfangreichen Neuerungen im Bereich des Gewerbe-, Währungs- und auch Bankenrechts. Nachfolgend sollen einige exemplarische Auswirkungen, die allesamt den wirtschaftlichen Bereich im weitesten Sinne betreffen, dargestellt werden. Durch diesen Exkurs sollen Wechselwirkungen und Folgen des bisher skizzierten gesellschaftlichen Wandels aufgezeigt werden.

Die Abschaffung der ständisch geprägten Gesellschaftsordnung, die Bodenmobilisierung und die in Folge dessen eingetretenen gesetzlichen Veränderungen eröffneten der Wirtschaft neue Spielräume und Wachstumsmöglichkeiten. Einen bedeutenden Anteil daran hat die im 19. Jahrhundert stattgefundene Abschaffung des Zunftsystems. Die Zünfte waren insbesondere im Bereich des städtischen Handwerks zum Schutz vor Konkurrenz von außen gedacht und stellten eine strenge Regulierung des gesamten Marktes dar, die einer freien wirtschaftlichen Betätigung elementar entgegen stand.601 Im Zuge der Liberalisierung der Wirtschaft sollte sich der Markt nun einzig durch Angebot und Nachfrage regulieren.602 ← 169 | 170 →

Die bereits teilweise verfassungsrechtlich oder aber zivilrechtlich festgesetzte Berufsfreiheit sollte durch die Einführung der Freiheit des Handels und Gewerbes umfassend in die Praxis umgesetzt werden.603 Die Intensität der staatlichen Einflüsse auf den wirtschaftlichen Sektor wurde hierdurch vermindert. Die Umsetzung der Berufsfreiheit des Einzelnen und die Befreiung des Handels von den Vorgaben der Zünfte, sowie die Lockerung des Vertragsrechts von gesetzlichen Zwängen, waren wichtige Schritte, um ein Wirtschaftswachstum in Gang zu setzen. Es folgte ein Anstieg des...

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