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Gestische Kommunikation als Vorläufer von Sprache

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Carina Lüke

Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über die Entwicklung von Gesten und deren Bedeutung für den Spracherwerb. Deiktische Gesten sind eine wichtige Vorläuferfähigkeit der Lautsprache. Insbesondere Zeigegesten ermöglichen es Kindern, auf Objekte, Personen oder Handlungen zu referieren und sich, noch bevor sie erste Worte sprechen, aktiv an einer Kommunikation zu beteiligen. Anhand einer Längsschnittstudie zeigt die Autorin auf, dass sich sprachliche Fähigkeiten von Kindern im dritten Lebensjahr anhand ihrer gestischen Kompetenzen mit einem Jahr vorhersagen lassen und somit genutzt werden können, um frühzeitig Risikokinder für eine Sprachentwicklungsverzögerung zu identifizieren.
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2. Sprachentwicklung und Sprachentwicklungsauffälligkeiten

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2.1 Sprachentwicklung als Wechselspiel von Anlage und Umwelt

Wie erwirbt ein Kind Sprache? Die Frage nach der Entstehungsweise des Sprachsystems beim individuellen Kind ist in den vergangenen Jahrzenten vielfach wissenschaftlich diskutiert und durch verschiedene Modelle zu erklären versucht worden. Innerhalb klassischer Erklärungsansätze wurden die Bedeutungen von angeborenen Anlagen des Kindes (internale Faktoren) und äußeren Faktoren in der Umwelt des Kindes (externale Faktoren) teilweise sehr kontrovers eingeschätzt. Während in nativistischen Erklärungsansätzen, angeborene sprachspezifische Anlagen als die wesentliche Basis für die Sprachentwicklung angesehen wurden (u.a. Chomsky, 2006), bewerteten Vertreter/innen interaktionistischer Ansätze, den sprachlichen Input, welcher durch die Umwelt bereitgestellt wird, als entscheidende Grundlage des Spracherwerbs (u.a. Wygotski, 1972). Neben der Diskussion um die Bedeutungen von internalen und externalen Faktoren, stellt sich die Frage nach der Spezifität der Entwicklung sprachlicher Kompetenzen im Vergleich zu anderen Entwicklungsbereichen. So wurden neben nativistischen und interaktionistischen Erklärungsansätzen, welche weitestgehend sprachspezifisch sind, auch umfassendere Ansätze wie die kognitivistischen Erklärungsmodelle (u.a. Piaget, 1979) diskutiert. Die einzelnen, klassischen Erklärungsmodelle werden an dieser Stelle nicht ausgeführt1, da mittlerweile Einigkeit darüber besteht, dass weder die Anlagen eines Kindes, noch die Umweltfaktoren alleine verantwortlich für die Entwicklung des Sprachsystems sind (Kauschke, 2012; Ritterfeld, 2007). Hirsh-Pasek und Golinkoff (1996) wiesen bereits vor fast 20 Jahren darauf hin, dass die zunächst so kontrovers erscheinenden Ansichten nativistischer und interaktionistischer Theorien als Endpunkte eines Kontinuums betrachtet werden können, sodass eine Verbindung zwischen...

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