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Gestische Kommunikation als Vorläufer von Sprache

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Carina Lüke

Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über die Entwicklung von Gesten und deren Bedeutung für den Spracherwerb. Deiktische Gesten sind eine wichtige Vorläuferfähigkeit der Lautsprache. Insbesondere Zeigegesten ermöglichen es Kindern, auf Objekte, Personen oder Handlungen zu referieren und sich, noch bevor sie erste Worte sprechen, aktiv an einer Kommunikation zu beteiligen. Anhand einer Längsschnittstudie zeigt die Autorin auf, dass sich sprachliche Fähigkeiten von Kindern im dritten Lebensjahr anhand ihrer gestischen Kompetenzen mit einem Jahr vorhersagen lassen und somit genutzt werden können, um frühzeitig Risikokinder für eine Sprachentwicklungsverzögerung zu identifizieren.
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4. Frühidentifikation von SEV

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4.1 Gegenwärtige Situation der Früherkennung in Deutschland

Die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen gehören zum Pflichtkatalog der gesetzlichen Krankenkassen und dienen der Früherkennung von Krankheiten bei Kindern bis zum Alter von 6 Jahren (Gemeinsamer Bundesausschuss, 2011). Über 90% aller Kinder in Deutschland nehmen an den Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U7 teil, welche bis zum Alter von 2 Jahren stattfinden (Kamtsiuris, Bergmann, Rattay & Schlaud, 2007). 2009 wurden die Vorsorgeuntersuchungen durch ein Neugeborenen-Hörscreening ergänzt, welches mittels otoakustischer Emissionsmessungen (OAE) oder Ableitungen von frühen akustisch evozierten Potentialen (AABR = Automated Auditory Brainstem Response) beidseitige Hörstörungen innerhalb der ersten 3 Lebensmonate identifizieren kann (Gemeinsamer Bundesausschuss, 2011). Die Güte dieses Screenings ist mittlerweile vielfach nachgewiesen worden und auch die sich daran anschließende Frühintervention durch die Versorgung der hochgradig schwerhörigen oder gehörlosen Kinder mit Hörgeräten bzw. Cochlea-Implantaten zur Vorbeugung von Sprachstörungen hat sich als effektiv erwiesen (u.a. Jakubíková, Kabátová, Pavlovcinová & Profant, 2009; Verhaert, Willems, van Kerschaver & Desloovere, 2008).

Abgesehen von dieser frühen Vorbeugung von SEV bei schwerhörigen und gehörlosen Kindern, wird die sprachliche Entwicklung im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen erstmalig im Alter von 10 bis 12 Monaten im Rahmen der U6 thematisiert. Der/die Pädiater/in ist zu diesem Zeitpunkt dazu angehalten selbst zu beobachten oder die Eltern danach zu fragen, ob das Kind Silbenverdoppelungen wie „dada“ produziert (Gemeinsamer Bundesausschuss, 2011). Im Alter von 21 bis 24 Monaten wird...

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