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Gestische Kommunikation als Vorläufer von Sprache

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Carina Lüke

Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über die Entwicklung von Gesten und deren Bedeutung für den Spracherwerb. Deiktische Gesten sind eine wichtige Vorläuferfähigkeit der Lautsprache. Insbesondere Zeigegesten ermöglichen es Kindern, auf Objekte, Personen oder Handlungen zu referieren und sich, noch bevor sie erste Worte sprechen, aktiv an einer Kommunikation zu beteiligen. Anhand einer Längsschnittstudie zeigt die Autorin auf, dass sich sprachliche Fähigkeiten von Kindern im dritten Lebensjahr anhand ihrer gestischen Kompetenzen mit einem Jahr vorhersagen lassen und somit genutzt werden können, um frühzeitig Risikokinder für eine Sprachentwicklungsverzögerung zu identifizieren.
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Vorwort der Herausgeberin

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Evolutionstheoretisch ist nicht geklärt, ob sich die Sprache des Menschen aus nonverbalen vokalen Äußerungen oder aus einer auf Gesten basierenden Kommunikation entwickelt hat. Sprache und Gesten treten aber auch gemeinsam auf, wirken zusammen. Unter anderem helfen Gesten die Worte eines Sprechers verständlich zu machen, z. B. in ihrer bedeutungsgebenden Funktion oder als Hinweis. Unterschieden wird daher zwischen sprachbegleitenden Gesten und sprachersetzenden Gesten – in Anlehnung an Paul Ekman & Wallace V. Friesen (1969) wird von „Illustratoren“ gesprochen, die das Gesagte visualisieren.

Soll ein Geschehen nur mittels sprachersetzender Gesten kommuniziert werden, so wird dessen Darstellung nicht durch die Muttersprache der Person beeinflusst. Es wird die Abfolge „actor – patient – act“ verwendet, was dem in den meisten Sprachen gebräuchlichen grammatischen Muster von Subjekt, Objekt, Prädikat entspricht (Goldin-Meadow et al., 2008). Offensichtlich scheint es für verbale wie auch für gestische Kommunikation eine natürliche Abfolge im Sinne einer Urgrammatik zu geben.

In der gestischen Untermalung beim Sprechen, also sprachbegleitend, wird ein Überbleibsel einer ursprünglich gestischen Kommunikation gesehen. Dabei sind Hände bzw. Arme die aktivsten Körperteile. Frank R. Wilson (1998) bezeichnete die Hand im Titel seines Buchs als „Geniestreich der Evolution“. Nicht zuletzt hat der Zeigefinger als eine Spezialentwicklung beim Menschen hieran großen Anteil. Nur der Mensch hat den Musculus extensor indicis longus zum Zeigen, Deuten, Drohen. Im Übrigen wird die Zeigegeste, die die Blickrichtung eines Kommunikationspartners führt, auch zum Erwerb von Gebärdensprachen benötigt, einer auf...

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