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Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg 1939 bis 1944

Die Aufzeichnungen des KZ-Häftlings Rudolf Wunderlich

Joachim S. Hohmann and Günther Wieland

Im März 1939 wurde Rudolf (Rudi) Wunderlich als politischer Häftling in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg eingewiesen. Hier blieb er bis zu seiner Flucht im Juni 1944. Er erlebte – zeitweilig als Mitglied eines «Außenkommandos» – den Terror der Bewacher und Mörder in unmittelbarer Nähe. In der nachfolgenden Illegalität, die bis Kriegsende andauerte, verfaßte Rudi Wunderlich seinen faktenreichen, nüchternen Bericht, der nun erstmals gedruckt vorliegt. Er nennt die Namen der Täter und ihre Verbrechen. Um Sachlichkeit bemüht, stellt er in knappen Worten den Lageralltag und seine Schrecknisse dar.
Der Historiker und Soziologe Joachim S. Hohmann und der Jurist Günther Wieland erläutern in ihren Beiträgen die Lebensgeschichte Rudi Wunderlichs und beschreiben den historischen Kontext zu seinem Bericht.
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Pol. Häftl. Nr. 11543 Zur Biografie Rudi Wunderlichs

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Rudi als Fünfjähriger mit seiner Mutter Elsa Wunderlich, vermutlich im Sommer 1917.



Rudolf (Rudi) Wunderlich wurde am 10. März 1912 in Leipzig geboren. Seine Mutter war Arbeiterin, der Vater Schlosser. Ihn hat Rudi Wunderlich nie kennengelernt. Seine Mutter starb im August 1917, danach wurde er in ein Städtisches Pflegehaus in Leipzig gebracht und von den Erzieherinnen dieses Heims in Leipzig-Stötteritz streng christlich erzogen. Rudi Wunderlich erinnert sich, daß die Erzieherinnen Mitglied des Königin Luise Bundes waren und daher auf eine „treu deutsch monarchistische ← 87 | 88 → Erziehung“ besonderen Wert legten. Nach der Schulentlassung 1926 lernte Rudi als Fünfjähriger mit seiner Mutter Rudi Wunderlich vier Jahre Elsa Wunderlich, vermutlich im Sommer lang das Schriftsetzerhand 1917. werk; zugleich zog er in ein anderes Heim um und wohnte dort in der Lehrlingsabteilung. Durch den Kontakt zu anderen Jugendlichen lernte er die Proletarische Jugendbewegung kennen und trat schon in der ersten Woche seiner Lehrzeit in den Verband der Deutschen Buchdrucker, also in die Gewerkschaft, ein. Im Sommer 1928 wurde er Mitglied der Leipziger Jugendgruppe des Vereins „Die Naturfreunde“, und im Dezember desselben Jahres wurde er Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands. Im November 1930 erfolgte Wunderlichs Ausschluß aus dem KIVD. Er war inzwischen Mitglied der KPD-Opposition (KPD-0), einer Oppositionsgruppe innerhalb der Kommunistischen Bewegung in Deutschland, geworden, was ihm später, nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft, in der DDR immer wieder vorgehalten wurde. Nach seinem Eintritt in die KPD-0 (Brandler-Thalheimer-Gruppe) war Rudi...

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