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Der Rechtsrahmen für Vorstandsvergütungen in Deutschland und Australien

Ein Rechtsvergleich

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Lars Jeschke

Vorstandsvergütungen und das ihnen zu Grunde liegende Recht sind seit langem – und ohne absehbares Ende – in der Diskussion. Das Buch unternimmt einen Blick über den (nationalen) Tellerrand, wie er – zumindest in geographischer Hinsicht – weitreichender kaum sein könnte: Neben dem deutschen wird das australische Vergütungsrecht eingehend vorgestellt und rechtsvergleichend untersucht. Dabei erweisen sich die australischen Regelungen als elaboriert, von der englischen Mutterrechtsordnung weitgehend losgelöst und teils sehr innovativ. Vereinzelt vermögen die australischen Regelungen nicht nur Denkanstöße zu geben, sondern empfehlen sich, wie im Fall der 2011 eingeführten two strikes rule, zur (modifizierten) Übernahme in das deutsche Recht.
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1. Kapitel Ökonomischer, rechtlicher und faktischer Kontext

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A. Geschäftsleitervergütungen und ihre Reglementierung aus ökonomisch-funktionaler Sicht

I. Verankerung im Prinzipal-Agenten-Modell

Als Grundlage moderner Theorien des Unternehmens und zur Erklärung der Verhältnisse und Beziehungen zwischen Eigentümern und Leitern eines Unternehmens hat sich, aufbauend auf einem Aufsatz von Jensen und Meckling aus dem Jahre 19761, das sog. Prinzipal-Agenten-Modell etabliert2. Vor dem Hintergrund dieses Modells sind Geschäftsleitervergütungen und ihre Reglementierung zu sehen. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass die Aktionäre einer Aktiengesellschaft, die „Prinzipale“, als „Agenten“ bezeichnete Dritte mit der Leitung ihrer Unternehmung betrauen3. Agenten sind bei einer monistischen Unternehmensverfassung angelsächsischer Prägung die board-Mitglieder, beim dualistischen System der deutschen Aktiengesellschaft kommt sowohl den Vorstandsmitgliedern als auch den Aufsichtsratsmitgliedern die Agentenrolle zu.

Als grundlegendes Problem erkennt das Prinzipal-Agenten-Modell Informationsasymmetrien zwischen Prinzipal und Agent4. Den Agenten kommt danach ein Informationsvorsprung zu, denn die Prinzipale können das Handeln der Agenten nicht lückenlos beobachten und gelangen nicht im selben Umfang wie die Agenten an Informationen. Man spricht insoweit von hidden actions bzw. hidden information5. Informationsungleichgewichte liegen schon bei Abschluss des Anstellungsvertrags vor, im deutschen Kontext zum einen in Form verborgener Eigenschaften des Vorstandsmitglieds (hidden characteristics), zum anderen besteht auf Seiten des als Agent der Aktionäre handelnden Aufsichtsrats ein Informationsvorsprung gegenüber selbigen6. Als weitere Annahme liegt dem Prinzipal-Agenten-Modell zugrunde, dass Prinzipal und Agent als rational handelnde Individuen jeweils für sich opportunistisch handeln und an der Maximierung ihres eigenen Nutzens interessiert ← 31 | 32 → sind7. Demnach...

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