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Neagoe Basarab – Princeps Christianus

Christianitas-Semantik im Vergleich mit Erasmus, Luther und Machiavelli (1513–1523)

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Mihai-D. Grigore

Diese Studie wurde mit dem Preis der Gesellschaft zum Studium des Christlichen Ostens 2015 ausgezeichnet.

Das Buch ist ein Vergleich von Fürstenspiegeln vom Beginn des 16. Jahrhunderts: Die Lehrworte des Neagoe Basarab an Sohn Theodosius (1520), Institutio Principis Christiani des Erasmus von Rotterdam (1516), Von weltlicher Obrigkeit Martin Luthers (1523) und Il Principe Machiavellis (1513). Damit liefert der Autor einen Querschnitt der Geschichte christlicher Diskurse um das Syntagma Princeps Christianus in Europa. Diese sind deswegen repräsentativ, weil sie zum Vergleich besonders geeignete konfessionelle Konnotationen der Orthodoxie, des Katholizismus und des Luthertums aufweisen. Das Hauptaugenmerk fällt auf Neagoe Basarab, Herr der Walachei zwischen 1512 und 1521. Dieser wichtige südosteuropäische Autor wird hier vorgestellt und mit seinen drei Zeitgenossen ins Gespräch gebracht.
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4. Von weltlicher Obrigkeit: Martin Luther und der dienende Fürst

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Merk aber, dass ein solcher Prediger, durch welch Gott die Götter straft, soll ‚stehen in der Gemeine‘. Stehen soll er, d. i. fest und getrost sein, aufrichtig und redlich wider sie handeln: und in der Gemeine, d. i. öffentlich, frei, vor Gott und den Menschen.  (Martin Luther)

Eine zentrale Frage beschäftigt dieses Kapitel: Ob es sich bei der sog. Obrigkeitsschrift1 (VWO) Martin Luthers (ca. 1483–1546) um das handelt, was Karl Barth 1922 als Zwei-Reiche-Lehre bezeichnete2, oder vielmehr um den christlichen Fürsten als Gestalt am Schnittpunkt der beiden Bereiche, temporal und sakral.3 Diese Semantiksphären hängen zwar zusammen, sind jedoch nicht dasselbe. Wenn es um den Princeps Christianus geht, erscheint dieser als Partner Gottes im politischen Geschehen, als einer, der Gottes Willen und Gerechtigkeit in der Welt geschehen lässt, wie der letzte Abschnitt der Obrigkeitsschrift zeigt.4 Man hat behauptet, die Reformation stellte zu keinem Zeitpunkt ein rein religiöses Phänomen dar. Sie griff wichtige Stränge des soziopolitischen Geschehens im beginnenden 16. Jahrhundert auf und hatte vor allem von der Verfassung des deutschen Reichs zu profitieren; dort, wo die Territorialfürsten starke Machtpositionen im Reichsgefüge besaßen.5 Sie sind die Adressaten der Obrigkeitsschrift. Sie sind Fürsten, die im Glauben und Handeln ‚christlich‘ zu sein haben. Es liegt auf der Hand, dass es der VWO daran lag, die politische Haltung in (im Sinne des reformatorischen Geistes) christliche Haltung umzuwandeln. ← 233 | 234 →

Von Beginn an muss klargestellt werden,...

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